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Kommt der Sondermüll aus AKW-Rückbau nach Lübeck?

Kiel Kommt der Sondermüll aus AKW-Rückbau nach Lübeck?

Umweltminister will Proteste aus Deponie-Gemeinden respektieren – Kommunale Spitzenverbände sollen vermitteln.

Kiel/Lübeck. Wohin nur mit dem Müll aus dem Rückbau der Atomkraftwerke? Als grundsätzlich geeignet für die Lagerung gelten sieben Deponien im Land. Doch in den einzelnen Orten gibt es Widerstand. Einzig Lübeck (Niemark) und Wiershop bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) sind noch im Rennen. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) setzt bei der Suche nun auf die kommunalen Spitzenverbände.

Nach Schönwohld (Rendsburg-Eckernförde) und Harrislee (Schleswig-Flensburg) hatte am Donnerstag auch die Gemeinde Gremersdorf (Ostholstein) die Aufnahme von Abfällen aus atomaren Anlagen abgelehnt.

Auch in Großenaspe und Damsdorf (Kreis Segeberg) gibt es Proteste gegen die Entsorgungspläne. „Das respektiere ich“, sagte Habeck bei einer Bilanz-Veranstaltung in Kiel. Wenn es weiter gehen solle, müssten die kommunalen Landesverbände einen Weg aufzeigen, der die Beschlüsse der Gemeinderäte nicht ignoriert. Sie könnten als Vertreter der Deponiestandort-Gemeinden, aber auch der AKW-Standortgemeinden in die Verantwortung gehen, erklärte Habeck.

Gesucht wird Platz für rund 35000 Tonnen Rückbau-Müll innerhalb der nächsten 20 Jahre. Dabei handelt es sich um Sondermüll wie asbesthaltige Abfälle, Mineralwolle, Isolierungen oder Straßenaufbruch, der beim geplanten Rückbau der Meiler anfällt. Laut Ministerium geht es um Abfälle mit einer Reststrahlung von maximal zehn Mikrosievert – eine Dosis deutlich unterhalb der natürlichen radioaktiven Strahlung. Diese soll in Deutschland bei durchschnittlich 2100 Mikrosievert pro Jahr liegen.

In Lübeck ist der Entsorgungspakt bisher kein großes Thema. „Die Stadt steht der Initiative von Habeck aufgeschlossen gegenüber und ist bereit, sich der Verantwortung zu stellen“, erklärte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Über die Bedingungen werde noch zu reden sein. Wer für den Ausstieg sei, müsse auch bereit sein, seinen Beitrag zu leisten. Saxe äußerte Verständnis für die Sorgen und Ängste vieler Menschen, hält sie aber für unbegründet. Es gehe schließlich um nicht-strahlende Materialien. Letztlich entscheidet die Bürgerschaft. Kooperationsbereit zeigt sich auch Wiershop. „Bei uns ist es noch sehr ruhig“, berichtete Bürgermeister Hans-Ulrich Jahn. Irgendwo müsse das Zeug ja hin.

Eine Alternative zum Rückbau lehnt Habeck ab. „Ein sicherer Einschluss, wie er immer wieder gefordert wird, ist nur ein Zeitspiel aus Angst vor Entscheidungen“, sagte er. Sollte kein Standort gefunden werden, wäre eine Anordnung durch das Ministerium denkbar. Habeck: „Das wäre die schlechteste Lösung.“

Der Minister wertete es als starkes Signal, dass sich die Naturschutzverbände in der Veranstaltung klar zum Rückbau der Atomkraftwerke bekannt hatten und bereit seien, an einer Vereinbarung konstruktiv mitzuarbeiten. Habeck: „Das macht Mut, den Weg weiter zu gehen.“ Julia Paulat

LN

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