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Wirtschaft im Norden Konkurrenz für Adidas und Puma: Faire Schuhe aus Lübeck
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10:26 06.03.2016
Marc Solterbeck (48) ist glücklich: Für seine nachhaltigen Turnschuhe ist der Unternehmer mit dem Fairtrade-Award ausgezeichnet worden. Die Jury lobte vor allem die transparenten Lieferketten. Quelle: Felix König
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Lübeck

Am Tag nach der großen Gala ist Marc Solterbeck noch etwas gerädert. Der Abend davor ging ein bisschen länger. Zu verdenken ist es dem 48-Jährigen kaum. Immerhin hat der Warnsdorfer mit seiner noch jungen Firma den Fairtrade-Award in der Kategorie Hersteller geholt — in der Nachhaltigkeits-Branche in etwa gleichbedeutend mit dem Oscar.

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Designerin Johanna Balzer und Solterbeck mit Geschäftspartnern der pakistanischen Schuhfabrik.

Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wir durchstarten wollen.“Marc Solterbeck, Ethletic-Chef

Entertainerin Anke Engelke und Schauspieler Joachim Król überreichten den Preis Donnerstagabend im Berliner Ellington Hotel. „Gerechnet hatten wir noch nicht mit so einer Auszeichnung, denn eigentlich fangen wir ja jetzt erst an, richtig loszulegen“, sagt Solterbeck, der das 2007 in Großbritannien mit großen Ambitionen aber geringen Erfolgschancen gestartete Unternehmen 2011 nach Lübeck geholt hat. Davor war er Inhaber einer Werkzeug- und Maschinenbaufirma, hatte mit Fairtrade-Produkten wenig zu tun. „Weil ich vom Fach war, wurde ich aber gefragt, ob ich fair gehandeltes Gummi für Fußbälle besorgen kann“, erzählt der Unternehmer. Der Kontakt sei dann stetig gewachsen. „Und irgendwie habe ich gemerkt, dass mir die Fairtrade-Sache sehr gut gefällt — aber ich habe zunächst nicht an ihren Erfolg geglaubt“, sagt Solterbeck.

So war es zunächst auch. Das kleine Unternehmen, das sich auf Fußbälle und Sportschuhe spezialisiert hatte, war zwischenzeitlich aufgekauft worden und sollte 2010 geschlossen werden. Solterbeck erhielt von seinen Geschäftsfreunden das Angebot, die Rechte an der Marke „Ethletic“ zu übernehmen und die Idee fortzuführen. „Mir war aber klar, dass man nicht allein mit dem sozialen Anspruch an die Sache herangehen, sondern das Ganze auch wirtschaftlich funktionieren muss“, sagt der Firmenchef. Mit diesem Ziel im Hinterkopf fasste sich der Warnsdorfer ein Herz und gründete 2011 die Fair Deal Trading GmbH. Und daraus will Solterbeck jetzt nichts Geringeres machen als den größten Anbieter alternativer Sportbekleidung hinter Adidas, Nike und Puma.

Der Grundstein ist in den vergangenen Jahren gelegt worden, Vertriebswege und Lieferketten wurden aufgebaut, eine moderne Daten-Infrastruktur mit Verkaufsportal im Internet geschaffen. „Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wir durchstarten wollen“, sagt Solterbeck.

Hauptanspruch des Geschäftes sei und bleibe aber die Nachhaltigkeit. Sowohl die für die Schuhe verwendete Baumwolle als auch das Kautschuk für die Sohlen stamme ausschließlich aus fairem Anbau. Ein Konzept, bei dem offenbar alle gewinnen: Die Bauern würden nicht länger gezwungen, sich für genverändertes Saatgut zu verschulden und ihr Land zu verlieren. Die Fabrikarbeiter in Pakistan bekommen faire Löhne, von denen sie leben könnten. Und die Kunden von „Ethletic“ erhalten neben modischen Schuhen auch das reine Gewissen, dass dafür weder Mensch noch Tier gelitten haben. Denn vegan, also ohne Verwendung tierischer Produkte, ist die Lübecker Sportmode überdies.

Solterbeck will aber als Kundschaft nicht nur die erreichen, die ohnehin Wert auf Nachhaltigkeit legen. Sein Ziel ist der Massenmarkt. „Das kann aber nur funktionieren, wenn unsere fairen Produkte auf Augenhöhe mit den herkömmlichen stehen.“ Bei den Funktionsschuhen, mit denen Ethletic bald auf den Markt kommen will, sei das ein gewisses Problem. Im Vergleich zu herkömmlicher Produktion sei die Wahl der Bauteile deutlich eingeschränkter.

Für die Ansprüche, die Solterbeck hat, mag der Firmensitz im Lübecker Gewerbegebiet Roggenhorst ziemlich bescheiden wirken. Der Firmenchef und zwei Mitarbeiter bewohnen nur eine Etage in einem in die Jahre gekommenen Gewerbe-Zweckbau. Der Schein trügt aber. „Wir sind ein modernes Unternehmen, das dezentral organisiert und über die IT sehr eng vernetzt ist.“ Sei es mit der Designerin in Berlin oder den Partnern in Schweden, Sri Lanka, Indien und Pakistan. „Eine Firmenzentrale mit 200 Mitarbeitern wird es deshalb auch in Zukunft nicht geben.“

• Internet: www.ethletic.com

Von Oliver Vogt

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