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Wirtschaft im Norden Konto überzogen: Sparkassen kassieren kräftig ab
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Konto überzogen: Sparkassen kassieren kräftig ab
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21:12 03.03.2016

Bei den Dispokrediten langen die Sparkassen in Schleswig-Holstein ordentlich hin. Die meisten Institute nehmen überdurchschnittlich hohe Zinsen, wie der erste bundesweite Vergleich ergab. Das Recherchebüro „Correctiv“ hat gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 391 Sparkassen im Bundesgebiet befragt. Danach bleiben die Zinsen nur bei fünf Sparkassen unter acht Prozent. Insgesamt reicht die Bandbreite von 5,71 Prozent bis 12,75 Prozent. Im Schnitt verlangen die Sparkassen 10,75 Prozent von Kunden, die ihr Girokonto überziehen.

Der Dispo ist ein recht teurer Zins, der ständig vorgehalten wird.“ Björn Lüth, Sparkasse Holstein

Im nördlichsten Bundesland liegt der Zinssatz bei fast allen Sparkassen über diesem Wert. Spitzenreiter ist hier die Sparkasse Mittelholstein (Rendsburg) mit 12,04 Prozent. Die Sparkasse Südholstein (Neumünster) verlangt 10,77 Prozent, die Förde-Sparkasse (Kiel) 11,8 Prozent, die Nord-Ostsee-Sparkasse (Flensburg) 11,48 Prozent. Besser steht die Sparkasse zu Lübeck da — mit 9,4 Prozent.

Deutschlands günstigsten Dispo bietet die Sparkasse Holstein (Eutin, Bad Oldesloe) mit 5,71 Prozent. Dabei handelt es sich jedoch um den Einstiegssatz, den nur etwa ein Drittel der Kunden bekommen.

Kunden mit weniger guter Bonität müssen 8,7 oder gar 12,7 Prozent zahlen. „Der Dispo ist ein recht teurer Zins, der ständig vorgehalten wird“, sagt Björn Lüth, Leiter der Unternehmenskommunikation der Sparkasse Holstein. Ein Teil des Kreditpreises sei ein Risikoaufschlag. Und so habe man sich vor fünf Jahren für diesen Staffelzins entschieden, erklärt er.

Der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein warnt davor, die Höhe der Zinssätze für Dispo- und Überziehungszinsen isoliert zu betrachten. „Der Dispokredit ist nur ein Bestandteil des Gesamtprodukts Girokonto“, sagt Sprecher Reinhardt Hassenstein. Im Zinssatz spiegele sich auch die unterschiedliche Wettbewerbssituation der Sparkassen vor Ort wider. Als eigenständige Institute könnten die Sparkassen über Preis- und Zinsgestaltung selbst entscheiden.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät Kunden, die Konditionen genau zu vergleichen. „Die Bank zu wechseln halte ich dann für eine gute Idee, wenn man tatsächlich hin und wieder auf den Dispo angewiesen ist und den Sollsaldo auch schnell wieder zurückführen kann“, sagt Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen. „Wer aber seit längerer Zeit einen Sollsaldo auf dem Konto vor sich herschiebt, sollte diese Schulden mit einem preiswerten Ratenkredit umfinanzieren.“

Herte regt an, dass die Banken bei den Dispozinsen offenlegen sollten, wie hoch jeweils die eigenen Kosten für die Refinanzierung, Verwaltung und Vorsorge vor Ausfallrisiken tatsächlich sind — und wie hoch die Gewinnmarge ausfällt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte eine Deckelung des Dispozinses verlangt. Im Gespräch waren maximal acht Prozent über dem Richtzins.

Denn auch andere Banken kassieren bei den Dispozinsen ab — obwohl sie selbst so günstig an Geld kommen wie nie. Die Deutsche Bank berechnet zwischen 7,95 und 10,95 Prozent, Kunden der Commerzbank zahlen 10,75 Prozent. Die Direktbank ING-Diba nimmt derzeit 7,76 Prozent.

Von Julia Paulat

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