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Kostet Barzahlen bald Gebühren?

Kiel/Lübeck Kostet Barzahlen bald Gebühren?

Ökonomen fordern immer wieder die Abschaffung von Bargeld. Und auch viele Händler favorisieren das Zahlen mit EC-Karte. Einige gehen jetzt sogar soweit und nehmen Gebühren, wenn ein Kunde bar bezahlen möchte. Ein Konzept mit Zukunft?

Quelle: fotolia

Kiel/Lübeck. Barzahlen kostet extra: Nach ersten Banken experimentieren nun auch Einzelhändler mit Cash-Gebühren. So wurde von einem Kunden bei einem Elektrohandel in Stuttgart eine Barzahlungsgebühr von 25 Euro verlangt, als er die Reparatur seines Fernsehers bezahlen wollte. In Schleswig-Holstein sind solche Vorstöße nach Auskunft der Verbraucherzentrale bisher nicht bekannt. Viele Händler favorisieren allerdings die Zahlung mit EC-Karte.

„Das geht am schnellsten, verursacht am wenigsten Kosten und bietet am meisten Sicherheit“, gibt Hans-Jürgen Frick, Vize-Präsident im Handelsverband Nord, unumwunden zu. Beim Bargeld hingegen gebe es einige Unwägbarkeiten. Man müsse nachzählen, die Tageseinnahmen müssten gesichert und zur Bank gebracht werden. Dennoch sei die Barzahlung in seinem Geschäft „nach wie vor erwünscht“, betont Frick.

Etwa zehn bis 15 Prozent seiner Kunden zahlten ihre Einkäufe bar. „Das ist weniger geworden in den vergangenen Jahren.“ Dabei spiele auch die Höhe der Rechnung eine Rolle. Eine Krawatte werde eher mal bar gezahlt als ein Fernsehgerät. Gebühren für Barzahlung zu verlangen, bezeichnet Frick als „nicht okay“. „Das sind Auswüchse, die sich im Handel nicht durchsetzen können“, meint er.

Der Elektrohändler aus Stuttgart jedenfalls darf die 25 Euro Gebühren bei Barzahlung nicht mehr verlangen. Der Händler hatte das Geld für eine „abweichende Zahlungsart“ verlangt – ohne dass aber eine andere Zahlungsmöglichkeit angeboten wurde. Die zuständige Verbraucherzentrale bezeichnete das als „rechtswidrig“ – und klagte erfolgreich gegen diese Geschäftspraxis.

Schon vor einem Jahr war die Stadt Düsseldorf in die Schlagzeilen geraten, nachdem sie Gebühren bei Barzahlung erhoben hatte. Wer im Bürgerbüro, beim Standes- oder dem Straßenverkehrsamt mehr als zehn Euro bar bezahlen möchte, muss noch einen Euro drauflegen. Damit sollen die „Folgearbeiten“ bei Barzahlung verringert werden. Dazu gehören etwa die Personalkosten für Mitarbeiter, die das Geld zählen, und auch der Geldtransport. Die Aufwandskosten wurden mit 100 000 Euro angegeben.

Auch einige Banken langen hin. Sie nehmen Gebühren für Barabhebungen. So können sich Kunden einiger Sparkassen im Süden Deutschlands nur zwei Mal im Monat kostenlos Geld am Schalter auszahlen lassen, danach sind jedes Mal 29 Cent fällig. Andere Sparkassen verlangen auch am Automaten Gebühren – zum Teil sogar 50 Cent von der ersten Abhebung an. Nach einer Untersuchung des unabhängigen Finanzportals Biallo kassieren mehr als zehn Prozent der Sparkassen, wenn ihre Kunden über den Automaten an ihr Geld wollen. Die Zahl der Sparkassen, die Gebühren abgreifen, wenn der Kunde am Schalter Geld holt, sei höher.

Beim Handelsverband Nord glaubt man dennoch an das Bare. Schließlich zahlen die Deutschen so am liebsten: Der Bargeldanteil im deutschen Einzelhandel lag nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) im vergangenen Jahr bei 51,6 Prozent (2013: 54,4 Prozent). „Für die Händler steht der Kundenwunsch an erster Stelle“, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord.

 Julia Paulat

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