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Krankenhaus-Ärzte im Norden fühlen sich massiv überlastet

Kiel Krankenhaus-Ärzte im Norden fühlen sich massiv überlastet

Marburger Bund befragte 3700 Mediziner – Mehr Personal gefordert.

Kiel. Die Ärztegewerkschaft „Marburger Bund“ warnt vor einer gefährlichen Arbeitsüberlastung der Krankenhaus-Ärzte im Land. 56 Prozent von ihnen würden länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten – das ist die eigentlich in der EU-Arbeitszeitrichtlinie vorgesehene Höchstgrenze. 89 Prozent würden über eine Überlastung klagen. Das hat eine Umfrage der Gewerkschaft unter 3700 angestellten und verbeamteten Medizinern in 113 Einrichtungen im Land ergeben.

38 Prozent der Befragten arbeiten der Umfrage zufolge 49 bis 59 Stunden pro Woche – inklusive Überstunden und Bereitschaftsdienste. Jeder Sechste der Befragten kommt auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden. Zwei Prozent der Befragten geben sogar an, mehr als 80 Stunden pro Woche zu arbeiten.

„Überlange Arbeitszeiten und fehlende Pausen gefährden nicht nur die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte, sondern können auch ein Sicherheitsrisiko für die Patienten darstellen“, warnt der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Henrik Herrmann. Grund für die Arbeitsüberlastung seien vor allem der Kostendruck und die daraus resultierende dünne Personaldecke. Der Kostendruck dürfe aber keine Entschuldigung dafür sein, Gesetze zu missachten, sagt Herrmann. Die Behörden müssten die Einhaltung der Arbeitszeit-Vorschriften in Krankenhäusern unbedingt regelmäßiger überprüfen. Denn: 24 Prozent der Befragten gaben an, dass bei ihnen in der Einrichtung gar nicht sämtliche Arbeitszeiten systematisch erfasst würden. Eine Stechuhr gibt es sogar nur bei 13 Prozent der Befragten. Daraus resultiere offenbar auch das Ergebnis, dass bei einem Viertel der Ärztinnen und Ärzte Überstunden weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen werden.

Im UKSH achte man auf die Einhaltung der Arbeitszeiten, sagt dessen Sprecher Oliver Grieve. Es gebe computergestützte Ampelkonten, die Überschreitungen sofort aufzeigen. „Bedauerlicherweise gibt es Situationen gesellschaftlicher Verantwortung, wie die Ehec-Epidemie, bei denen Ärztinnen und Ärzte keine Rücksicht auf Normalarbeitszeit nehmen können“, sagt Grieve.

„Die Ergebnisse beruhen auf subjektiven Einschätzungen, die hier nicht nachprüfbar sind. Gleichwohl sind sie ernst zu nehmen und zu diskutieren“, sagt der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, Bernd Krämer, der 82 Kliniken vertritt. Arbeitsverdichtung und Unzufriedenheit kenne man auch aus anderen Berufsgruppen in den Krankenhäusern. Die Kliniken müssten einfach besser finanziert werden, damit mehr Personal beschäftigt werden könne. Nur dadurch könne eine höhere Zufriedenheit erreicht werden, sagt Krämer. Überlastung berge sicherlich ein Risiko für Fehler. In den Kliniken würden aber bereits Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Risikominimierung durchgeführt, um die Patientensicherheit zu verbessern.

„Die Umfrage des Marburger Bundes muss zu denken geben“, sagt der CDU-Gesundheitspolitiker Karsten Jasper. Eine Ursache sei auch der Fachkräftemangel. Es müsse daher mehr für die Nachwuchsgewinnung getan werden. Schleswig-Holsteins Kliniken müssten von den Krankenkassen endlich genauso viel Geld für die gleichen Leistungen erstattet bekommen, wie die Kliniken in anderen Ländern, fordert die Grüne Marret Bohn. Die Zahl der Medizinstudienplätze müsse erhöht werden. Das Land werde immerhin schon mal mehr Investitionsmittel bereit stellen, verspricht SPD-Sozialministerin Kristin Alheit. Die festgestellte Unzufriedenheit in Kliniken sei nicht akzeptabel.

Nur 61 Prozent mit ihrem Arbeitgeber zufrieden

8000 angestellte Ärzte gibt es in Schleswig- Holstein. Mehr als die Hälfte ist Mitglied des Marburger Bundes. Für ihre Umfrage schrieb diese Ärztegewerkschaft zwischen Oktober und Dezember 3700 angestellte Ärzte in 113 Einrichtungen an. Die Rücklaufquote habe 42 Prozent betragen. 89 Prozent der Mediziner fühlen sich überlastet, vor allem die Jungen. Bei denen sind es 93 Prozent. Bei stellvertretenden Chefärzten sind es 90, bei Fachärzten 87 und Oberärzten 86 Prozent, bei Chefärzten nur 74 Prozent. Nur 61 Prozent der Befragten sind mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber zufrieden.

Nur 58 Prozent würden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen, heißt es.

Wolfram Hammer

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