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Kreuzfahrt-Boom: Häfen kämpfen um Milliarden

Lübeck/Hamburg Kreuzfahrt-Boom: Häfen kämpfen um Milliarden

Immer mehr Bundesbürger entdecken eine neue Form von Urlaub für sich: Mit einem Kreuzfahrtschiff zu reisen. Der Boom nimmt kein Ende und wird für Werften, Reedereien und Hafenstädte in ganz Europa zu einem Kampf um Milliarden. Geht der Trend an Lübeck vorbei?

Das Kreuzfahrtschiff "Seabourn Quest" in Lübeck-Travemünde.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck/Hamburg. Auch Kiel, Hamburg und Rostock profitieren von einer rasant steigenden Zahl von Anläufen der schwimmenden Hotels. Lediglich in Lübeck stagniert die Zahl der Luxusliner auf bescheidenem Niveau. Der Kreuzfahrttourismus gewinne weiter an Bedeutung, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) und ermuntert die Hafenstädte im Land zu weiteren Anstrengungen.

Rund 200 Anläufe von Kreuzfahrtriesen bescheren Hamburg über 600 000 Gäste im Jahr. 183 Anläufe erwarten Rostock und sein Seehafen in Warnemünde. Auch Kiel spielt mit 144 Ankünften in diesem Jahr und fast einer halben Million erwarteter Passagiere in einer anderen Liga als Lübeck. Die Hansestadt verweist seit Jahren darauf, dass die Trave zu flach ist. Neuerdings versucht die Stadt verstärkt, auch größere Schiffe für den Skandinavienkai zu gewinnen.

Bescheidene elf Mal liefen Kreuzfahrtschiffe im vergangenen Jahr Lübeck an. „Wir wünschen uns mehr Kreuzfahrer in Travemünde, denn Kreuzfahrtanläufe sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Hansestadt Lübeck“, sagt Lübecks Tourismuschef Christian Martin Lukas. „Lass uns doch um kleinere Kreuzfahrtschiffe werben, auf denen die zahlungsfähige Klientel sitzt“, plädiert Olivia Kempke, Chefin des Lübeck-Management.

Die Hafenstädte und das Land insgesamt könnten das Potenzial der Gäste noch besser nutzen, indem attraktive Angebote für eine Aufenthaltsverlängerung oder für Ausflüge entwickelt und organisiert werden, mahnt Wirtschaftsminister Meyer. Lübeck sollte seine neue Mitgliedschaft bei „Cruise Baltic“, einem Netzwerk der Häfen, dazu nutzen, die Stadt als Kreuzfahrtziel in Fachkreisen stärker zu bewerben, regt Meyer an.

Um im Kreuzfahrt-Markt erfolgreich sein zu können, benötige man einen langen Vorlauf und erhebliche Vor-Investitionen im Marketing, erläutert Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Für Kontakte mit den Reedereien, Präsenz auf Messen, Gespräche mit Reise-Veranstaltern habe sich der Verein Lübeck Cruise gebildet.

Die Hamburger Beratungsgesellschaft Uniconsult hatte der Hansestadt vor drei Jahren riesengroße Chancen attestiert. Würde Lübeck zwei neue Anleger bauen, könnte die Zahl der Kreuzfahrtschiffe auf 120 schnellen. Im vergangenen Jahr buchten 6,6 Millionen Europäer eine Kreuzfahrt – 3,1 Prozent mehr als 2014. Europaweit führt die Kreuzfahrt zu einer Wertschöpfung von 41 Milliarden Euro.

Branche sichert europaweit 360 000 Jobs

Die größte Gruppe der europäischen Kreuzfahrtpassagiere kommt aus Deutschland. Das teilte der Fachverband CLIA (Cruise Lines International Association) gestern in Hamburg mit. Über 1,8 Millionen Urlauber entschieden sich für eine Schiffsreise, das waren 27,5 Prozent aller europäischen Passagiere.

Die Branche peilt für dieses Jahr die Marke von zwei Millionen Passagieren an. Das Wachstum der deutschen Passagierzahl um 2,3 Prozent ist noch ausbaufähig. Die Kreuzfahrt-Branche schafft in Europa laut CLIA mehr als 360 000 Arbeitsplätze, davon 45 700 in Deutschland.

Von Curd Tönnemann

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