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Kritik an falschen Verbrauchswerten

Berlin Kritik an falschen Verbrauchswerten

Besonders Daimler-Benz fällt bei Test negativ auf — VW schneidet besser ab — Minister kündigt Konsequenzen an.

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Heiko Maas (SPD) will das Thema in den Bundestag bringen.

Quelle: dpa

Berlin. Nach den Diesel-Fahrzeugen hat sich das „International Council on Clean Transportation“ (ICCT; deutsch etwa: Internationaler Rat für sauberen Verkehr) jetzt deutsche Autos mit Benzinmotoren vorgenommen und beim Spritverbrauch teilweise riesige Lücken zwischen offiziellen Angaben und tatsächlichen Verbräuchen festgestellt. Spitzenreiter in den vorliegenden Negativ-Listen sind die hubraumstarken Marken von Daimler-Benz.

Wenn man sich also eine Mercedes E-Klasse mit Baujahr 2014 anschafft, darf man beim offiziellen Spritverbrauch noch einmal 53 Prozent oben drauf rechnen, wenn man damit auf der Straße fährt. Beim Skoda Fabia sind es nur 20 Prozent. Insgesamt schneiden die VW-Autos (außer Audi) und Japaner (Toyota) verhältnismäßig gut ab, was bedeutet, dass die angegebenen Werte einigermaßen sauber ermittelt werden. Ein Audi A4 Baujahr 2014 ist mit einer Abweichung von plus 48 Prozent gemessen worden. Im gleichen Bereich liegt auch der A3. VW-Passat und Polo liegen darunter.

Die Studie, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, gibt auch einen Hinweis darauf, woher diese starken Differenzen kommen. Ab dem Jahr 2008/2009 beginnen die großen Sprünge bei den Abweichungen, ab hier driften offizieller und realer Spritverbrauch besonders stark auseinander. Von 15 bis 20 Prozent im Jahr 2007/2008 geht es hoch über 40 und 50 Prozent. Die EU hat 2008 Obergrenzen für den CO2-Ausstoß und den Spritverbrauch bei Autos eingeführt. Seither gibt es sogenannte Flottengrenzwerte, die die einzelnen Hersteller mit ihrer gesamten Modellpalette nicht reißen dürfen. Falls dies geschieht, sind Strafzahlungen in Millionenhöhe fällig. Statt die Autos sparsamer, leichter zu machen und mit weniger PS auszustatten, haben die deutschen Autohersteller auf dem Papier den Verbrauch reduziert.

In den USA gibt es diese Lücke zwischen realen und offiziellen Verbrauchswerten beim Sprit nicht. Die dortige Umweltbehörde EPA misst die Herstellerangaben nach, und einige Hersteller haben bereits ordentliche Strafzahlungen wegen Falschangaben leisten müssen. In Deutschland verstand man bisher unter Nachprüfungen die Prüfung der Herstellerangaben auf Vollständigkeit und Plausibilität.

Der verkehrspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Stephan Kühn aus Dresden, erklärte gegenüber dem RND: „Die Abweichungen zwischen den Herstellerangaben und den realen Spritverbrauchswerten sind seit dem Zeitpunkt stark angewachsen, ab dem die EU 2009 den Verbrauch der Pkw gedeckelt hat und bei Mehrverbräuchen erhebliche Strafzahlungen anfallen würden. Die Daten belegen, dass die Fahrzeuge nur auf dem Papier sparsamer geworden sind. Wir brauchen wirksame Straßentests! Nicht nur Neufahrzeuge, sondern auch die sich bereits im Verkehr befindlichen Fahrzeuge müssen kontrolliert werden. Die Kultur des Wegschauens muss ein Ende haben.“

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will gegen praxisferne Angaben der Autohersteller zum Spritverbrauch vorgehen. „Wenn Herstellerangaben nicht die realen Verhältnisse abbilden, dann ist das nicht in Ordnung“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Bundesregierung werde „darüber sprechen, wie wir hier zu Lösungen kommen“. Die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), warf den Autobauern Betrug vor. Wie in den USA sollte eine Behörde die Angaben nachprüfen.

Reinhard Urschel

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