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Wirtschaft im Norden Kritikern geht das Fangverbot nicht weit genug
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20:45 27.12.2017
Größenvergleich: Auf der Hand eines Fischers liegt ein drei Jahre alter Glasaal neben einem Streichholz. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
Berlin

Tierschützern jedoch geht das verfügte dreimonatige Fangverbot nicht weit genug. Bedroht wird der Aal auch durch illegale Exporte von Glasaalen. So werden die rund sieben Zentimeter langen Tiere genannt, die im Frühjahr an den europäischen Atlantikküsten ankommen. Verglichen mit den 60er und 70er Jahren kämen nur noch knapp zwei Prozent der Glasaale an, sagte Alexander Seggelke, Generalsekretär des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV).

In der ZDF-Dokumentation „Glitschige Geschäfte – Die Aalmafia“ war Autor Florian Stein dem kriminellen Handel mit Aalnachwuchs nachgegangen. Mehr als 400 Millionen Euro Umsatz machten Kriminelle mit dem Schmuggel von Jungtieren. Sie werden vor allem an den Atlantikküsten von Spanien, Portugal und Frankreich gefangen und auf verschlungenen Wegen nach Asien transportiert, etwa in speziell präparierten Koffern. Als Hauptumschlagplatz für den aus der EU seit 2010 verbotenen Export fungiert Hongkong. Von dort aus werden die Glasaale in große Zuchtfarmen in China weiterverkauft, wie Steins Recherchen ergaben. Abnehmer der auf bis zu sechs Kilogramm herangewachsenen Tiere sind Gourmetrestaurants in ganz Asien. Aber auch Glasaale selbst gelten in vielen Ländern, etwa in Spanien, als Delikatesse.

In Brüssel haben die EU-Fischereiminister zum Schutz des europäischen Aals vor kurzem ein dreimonatiges Fangverbot für Aale von zwölf Zentimeter und mehr beschlossen. Die Mitgliedstaaten sollen den genauen Zeitraum für das jeweils nationale Fangverbot in der Spanne vom 1. September 2018 bis zum 31. Januar 2019 festlegen. Dieses Fangverbot soll nur für die kommerzielle Fischerei in allen Meeresgewässern, einschließlich der Ostsee, gelten. Das eigentlich von der EU-Kommission vorgeschlagene pauschale Fangverbot hatte dagegen keine Mehrheit gefunden, weil es die positiven Wirkungen der nationalen Aalmanagementpläne nicht berücksichtige, hieß es.

Der amtierende Bundesfischereiminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einem „schwierigen Kompromiss“. Beim gefährdeten Aal bestehe „dringender Handlungsbedarf“. Er begrüßte deshalb „die Verpflichtung der Mitgliedsstaaten, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung des illegalen Fangs und Exports von Glasaalen zu verstärken“. Dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gehen die Maßnahmen dagegen nicht weit genug. Das befristete Fangverbot „greift viel zu kurz“, die kurze Schonzeit werde dem Bestand kaum helfen, sagte der Nabu-Experte Kim Detloff.

Nicht allein die Aalmafia setze dem Bestand des beliebten Fisches zu, meinte DAFV-Generalsekretär Seggelke. Er verwies auf den Klimawandel oder auch Strömungsänderungen im Meer. Ein großes Problem seien die vielen Querverbauungen in den Flüssen, die für den Aal „Wanderhindernisse“

darstellten. Entwässerungsbauten entlang der Elbe und anderer Flüsse, Wehre und vor allem zahlreiche Wasserkraftwerke machten es den Tieren schwer.

Fischer und Hobbyangler versuchten mit dem Aussetzen von Jungaalen, die sie vor allem aus Frankreich beziehen, der vom Aussterben bedrohten Art zu helfen. Zum Laichen ziehen die älteren Aale, Blankaale genannt, wieder dorthin, wo sie einst geschlüpft sind: in die 5000 Kilometer entfernte Sargassosee in der Nähe der Bahamas.

Von Reinhard Zweigler

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