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Wirtschaft im Norden Künstliche Öko-Kraftstoffe sind bei Auto-Experten umstritten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Künstliche Öko-Kraftstoffe sind bei Auto-Experten umstritten
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22:14 14.08.2017
Ein Dimplomingenieur der TU Bergakademie Freiberg zeigt eine Flasche mit synthetisch hergestelltem Benzin. Quelle: Foto: Schmidt/dpa
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Hannover

Der mühsame Weg zum Elektroauto, die teure Entwicklung von Batterien, die größere Reichweite ermöglichen, skeptische Kunden, denen das E-Mobil zu teuer ist – den Autobauern dürfte eine Technologie willkommen sein, die helfen könnte, die Zeit bis zum Durchbruch zu überbrücken. Sie setzen auf den „Wunder-Diesel“, das ist ein synthetischer Kraftstoff, der bei der Verbrennung nicht mehr CO2 ausstößt als bei seiner Produktion verbraucht wurde.

E-Fuels ermöglichen fast emissionsfreies Fahren trotz Verbrennungsmotor.

Spätestens seitdem die Grünen über ein Aus des Verbrennungsmotors ab 2030 orakeln, wird dieser „Wunder-Diesel“ von der Branche wohl insgeheim herbeigesehnt. Über „faszinierende Perspektiven“ jubelte jüngst der Cheflobbyist der deutschen Autobranche, Matthias Wissmann. Aber das Ganze dürfte noch etwas auf sich warten lassen. Audi-Experte Hermann Pengg beispielsweise geht davon aus, dass aus erneuerbaren Stromquellen produzierter E-Diesel in den kommenden Jahren bei den Herstellungskosten noch immer mehr als doppelt so teuer sein dürfte wie herkömmlicher Diesel.

Dennoch nehmen Hersteller und Zulieferer die synthetischen Kraftstoffe ernst. Und sie forschen mit aller Macht. Volkswagen sieht die Möglichkeit, solche Technologien in großem Maßstab umzusetzen, als sehr vielversprechend an, erklärt Sprecher Peter Weisheit.

Was sind eigentlich E-Fuels? Dabei geht es um künstliche Kraftstoffe, die idealerweise aus erneuerbarem Strom hergestellt werden, erklärt Stefan Pischinger vom Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der RWTH Aachen. Die Rede ist von der „Power-to-Gas“- oder „Power-to-Fuels“-Methode.

Das bedeutet: Per Elektrolyse wird aus Wasser und erneuerbarem Strom zunächst Wasserstoff erzeugt. In Verbindung mit CO2 kann dann Methan hergestellt werden – das wie Erdgas als Kraftstoff dient. Auch Flüssigkraftstoffe wie synthetisches Benzin oder Diesel sind denkbar. Oder, beliebt bei Forschern, sogenannte Oxymethylenether (OME). In einem ersten Schritt könnten E-Fuels herkömmlichem Dieselkraftstoff beigemischt werden, sagt Pischinger. Der Vorteil: Auch bei Autos, die schon auf der Straße sind, sinke auf diese Weise der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 – und das, ohne an Autos oder Tankstellen etwas zu verändern. Vorausgesetzt, der benötigte Strom stammt aus erneuerbaren Quellen und der notwendige Kohlenstoff aus Biomasse oder Kohlendioxid aus der Luft. Beim heute in Deutschland vorherrschenden Strom-Mix ist dies noch Zukunftsmusik.

Autoexperten sind denn auch skeptisch. Auch die Brennstoffzelle sei ein „ewiges Zukunftsmodell“, kritisiert Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Doch der Aachener Wissenschaftler Pischinger erklärt, mit OME sei eine völlig rußfreie Verbrennung möglich, damit könnten die Abgasrückführungsraten von Dieseln gesteigert werden, die Emission von Stickoxiden lasse sich reduzieren.

Für die Autobauer könnten die synthetischen Kraftstoffe also die Lösung sein, um bis zum Durchbruch der E-Mobilität die künftig strengeren CO2-Grenzwerte einzuhalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich unterdessen für das Diesel-Privileg stark gemacht: „Diese Vorteile für Dieselautos gibt es vor allem auch deshalb, weil sie weniger CO2

ausstoßen. Da ist der Diesel besser als der Benzinmotor.“

VW sieht in E-Gas und E-Fuels „erhebliches Potenzial“, sagte ein Sprecher. Audi betreibt bereits eine Power-To-Gas-Anlage. Mit deren Produktion sollen 1500 Autos klimaneutral fahren können.

Thomas Strünkelnberg

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