Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Kult-Kiste R4: Sogar der Papst steigt ein

Lübeck Kult-Kiste R4: Sogar der Papst steigt ein

Auch im Norden hat der Wagen seine Fans — Henning Reichardt präsentiert sein französisches Blech-Schätzchen.

Voriger Artikel
Mit der Geburtagskarawane vor den Bundesgerichtshof
Nächster Artikel
Karstadt: Berggruen verkauft Sport- und Premium-Häuser

Papst Franziskus (76) steigt in den weißen R 4 (Baujahr 1984), den ihm ein italienischer Landpfarrer geschenkt hat.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, AFP

Lübeck. Es ist ein Auto, in dem auch eine Nonne eine gute Figur machen würde. Zum Beispiel, wenn sie bei einer Film-Verfolgungsjagd eine Treppe herunterfährt. Don Camillo, dem katholischen Filmpriester, würde es ebenfalls gut stehen. Und jetzt fährt sogar der Papst einen alten Renault R4 — es ist das Geschenk eines italienischen Padres.

00010kdv.jpg

Papst Franziskus (76) steigt in den weißen R 4 (Baujahr 1984), den ihm ein italienischer Landpfarrer geschenkt hat.

Zur Bildergalerie

„Man muss aber nicht katholisch sein, um R4 zu fahren“, wendet Henning Reichardt (50) ein. Der Diplom-Ingenieur, der bei der Stadt Lübeck arbeitet, fährt selbst einen der französischen Oldtimer-Kleinwagen. Sein metallic-grauer R4 GTL von 1974 ist super gepflegt, glänzt und blinkt wie ein Neuwagen. Er wirkt klein, ordentlich, sparsam. „Meiner verbraucht nur sechs Liter“, bemerkt Reichardt stolz. Und dabei handele es sich bei seinem Modell mit 1100 Kubik Hubraum und 34 PS schon um eines der „großen“ Modelle. „Es gibt auch die Ausführung mit 27 PS.“

2008 kaufte Reichardt seinen R4 nach einer grobkörnig ausgedruckten Abbildung. Der Wagen stand in Frankreich, zuvor sei er im Besitz einer alten Dame gewesen. „Aber als der Wagen hier ankam, war ich geschockt.“ Das Rostproblem war größer als gedacht, die Farbe löste sich ab. „Und die Kühlerhaube sah aus, als wäre jemand drübergelaufen.“

Monatelang werkelten Reichardt und die Monteure einer Lübecker Oldtimer-Werkstatt an dem Auto herum, bis es rostfrei in neuem Lack erstrahlte. Reichardt:„Der Motor lief von Anfang an gut, sah aber ziemlich abgenutzt aus. Da musste ich dann noch mal ran.“

Das Ergebnis ist ein Traumwagen, der so wie er heute dasteht, 10 bis 12 000 Euro kosten würde, sagt Reichardt. „Aber für 6000 Euro bekommt man schon einen Guten.“ Für ihn ist sein Renault ein Zweitwagen, den er vorwiegend bei schönem Wetter fährt, um ihn zu schonen. Dennoch sei das Auto „voll alltagstauglich“.

Der Ingenieur gerät ins Schwärmen, wenn er über die Vorzüge seines kleinen Franzosen spricht. „Ich hatte zunächst nur einen teuren Neuwagen, der ständig in der Werkstatt stand. Da fiel mir mein allererstes Auto ein — ein R4. Der war nie kaputt.“ So sei ihm der Gedanke gekommen, sich wieder so einen Klassiker zu besorgen. Und siehe da: „Dieser ist so zuverlässig wie der Alte. Er hat mich bisher nie enttäuscht.“ Immerhin sei der R4 der französische VW-Käfer gewesen. Robust und zuverlässig.

Was Reichardt liebt, ist die Entschleunigung, die ihm das Fahrzeug bietet. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern bewegt der silbergraue Kleinwagen sich eher gemütlich. „Ich fahre ihn aber auch nie aus.“

Außerdem sei ein Schuss Sentimentalität dabei. „Ganz viele Leute sprechen mich an. Das ist das Auto, in dem sie mit ihrer ersten Freundin herumgefahren sind, mit dem sie im Urlaub waren und in dem sie aus Geldmangel auch mal übernachtet haben. Manche kriegen echt feuchte Augen, wenn sie so einen R4 sehen. Er erinnert sie an die schönste Zeit in ihrem Leben.“

Bei Reichardt selbst zaubert der Wagen ein verzücktes Dauer-Strahlen auf das Gesicht. Er schwärmt vom Faltdach, der Revolverschaltung, dem Fahrgefühl. „In so einem Auto kann man einfach keine schlechte Laune haben.“

Also nicht nur für den Papst wahrscheinlich genau das Richtige.

Beim Kauf so eines alten Schätzchens sollte man jedoch auf den Rost achten, rät Stephan Jans (33), Inhaber einer auf alte französische Modelle spezialisierten Lübecker Werkstatt. Rostschäden am Chassis, besonders im Bereich der Hinterachse, seien nicht selten. Was das Thema Sicherheit angeht, müssen ebenfalls Abstriche gemacht werden: Meist fehlen Kopfstützen, die Blinker sind eher unscheinbar und das Blech ist dünn. Dennoch: „Die Technik ist sehr robust und es gibt noch ein großes Angebot“, weiß Jans. Auch Ersatzteile seien vergleichsweise günstig zu haben. Die Preise für restaurierte Exemplare dagegen steigen. „So ein Auto ist auch eine Wertanlage.“

Hatten Sie mal einen R4? Senden Sie uns Ihre Fotos!
Der Renault R 4 wurde von 1961 bis 1992 produziert. Mit über acht Millionen verkauften Exemplaren ist er das meistverkaufte französische Auto und eines der erfolgreichsten Fahrzeuge weltweit. Zugleich war er der Vorläufer der modernen Kastenwagen. Die spanische Guardia Civil und die französische Gendarmerie nutzten den R4 als Dienstfahrzeuge bis in die 90-er Jahre.

Haben Sie noch tolle Fotos von Ihrem alten R 4? Oder sogar noch einen in der Garage? Mailen Sie uns an norddeutschland@LN-Luebeck.de

Marcus Stöcklin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft im Norden
DAX
Chart
DAX 12.610,00 +0,14%
TecDAX 2.404,25 +0,15%
EUR/USD 1,1948 +0,07%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

E.ON 9,33 +1,43%
INFINEON 20,89 +1,18%
DT. TELEKOM 15,50 +1,09%
DT. BÖRSE 90,52 -3,67%
FMC 80,79 -1,22%
FRESENIUS... 67,81 -0,90%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 139,97%
Allianz Global Inv AF 111,91%
Commodity Capital AF 101,91%
Crocodile Capital MF 94,34%
BlackRock Global F AF 88,57%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.