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Wirtschaft im Norden Kummer mit der superlangen Nummer
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11:51 24.06.2013
Von Curd Tönnemann
Die neuen Kontonummern (IBAN) haben in Deutschland 22 Stellen. Quelle: dpa
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Lübeck

Es soll Banküberweisungen und Lastschriftverfahren sicherer machen und europaweit vereinheitlichen. Doch hinter dem Kürzel SEPA verbirgt sich ein bürokratisches Monster. Die von der EU geforderte Umstellung auf die 22 Ziffern lange Kontonummer macht vor allem vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Vereinen und Institutionen in Schleswig-Holstein Probleme — und viel Arbeit. Bis Februar 2014 müssen die neuen Überweisungsregeln umgesetzt sein.

Was für den Bürger meist nur lästig ist und ein gutes Gedächtnis erfordert, bedeutet für Vereine, Verbände und Unternehmen einen Riesenaufwand: Falls sie mit Lastschriftverfahren arbeiten, brauchen sie zunächst eine 18-stellige „Gläubiger-Identifikationsnummer“. Diese müssen sie bei der Bundesbank elektronisch beantragen. Insbesondere aber müssen die innerbetrieblichen Voraussetzungen für die Mega-Kontonummer geschaffen werden. Das heißt: die hauseigene EDV umstellen, Vereine müssen gegebenenfalls ihre Satzung umschreiben. „3,6 Millionen Unternehmen arbeiten bundesweit mit dem Lastschriftverfahren. Erst 425 000 haben umgestellt“, berichtet Lars Schöning, kommissarischer Hauptgeschäftsführer der IHK Lübeck, von einer schleppenden Reaktion. „Dabei drängt die Zeit.“

„Wieder müssen wir uns Regelungen unterwerfen, die mit Kosten verbunden sind“, stöhnt Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer — „bis hin zu neu bedrucktem Briefpapier“. Nach der Sommerpause startet die Kammer eine Aufklärungskampagne in Zusammenarbeit mit örtlichen Kreditinstituten. Das sei dringend nötig, meint er. „Viele Betriebe glauben irrtümlich, dass sie nicht betroffen sind, wenn sie mit dem Ausland nichts zu tun haben.“

Die IHK Lübeck hält sich mit Kritik zurück. „Das Ding ist durch. Eine Diskussion, ob richtig oder falsch, kommt zu spät“, sagt Schöning. Er hofft, dass Banken ihren Geschäftskunden aufgrund der Verunsicherung nach Februar 2014 Übergangsfristen einräumen. „Aber diese Leistung wird dann wohl kostenpflichtig sein“, warnt Schöning.

Der Landessportverband (LSV) Schleswig-Holstein berichtet von Infoveranstaltungen für seine 2600 Vereine, die auf sehr großes Interesse gestoßen seien. „Der Bedarf an Information ist riesig“, sagt LSV-Sprecher Stefan Arlt.

Die Volksbank Lübeck bestätigt, dass die Umstellung nur „ganz langsam Beachtung findet“. Dabei seien die Kunden mehrfach angeschrieben worden, „das letzte Mal im Mai“, sagt Kundenberaterin Claudia Arendt. „Mieterbund, Krankenhäuser, Pflegeheime — die ersten melden sich immerhin.“ Bislang hätten nur rund 30 Prozent der Kundschaft, die Lastschriftverfahren einsetzen, reagiert. „Wir rechnen mit einem Run auf die Gläubiger-ID auf den letzten Metern“, sagt die Volksbank-Mitarbeiterin. Eine eigens eingerichtete Projektgruppe arbeitet an größerer Akzeptanz der EU-Vorgaben.

Ab Februar 2014 gilt europaweit ein einheitlicher Standard für Überweisungen
Der Begriff SEPA (Single Euro Payments Area) bedeutet einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dabei werden keine Unterschiede mehr zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungen gemacht. Der SEPA-Raum (32 Länder) umfasst dabei derzeit alle EU-Mitgliedsstaaten, zusätzlich Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz. Sofern der Bankkunde die IBAN (International Bank Account Number) — das ist die neue lange Kontonummer, welche die Bankleitzahl einschließt — zur Begleichung einer SEPA-Rechnung benötigt, findet er diese Zahlenfolge auf der Rückseite der Bank-Card oder auf der ersten Seite des Kontoauszugs. Einführungstermin ist der 1. Februar 2014.

Die Deutschen gelten als Lastschrift-Weltmeister: 8,7 Milliarden Kontobewegungen gibt es auf diesem Weg, den der Verbraucher daran erkennt, dass er beim Zahlen zum Beispiel an der Supermarktkasse keine PIN eingeben muss. Banken und Sparkassen können ihren Privatkunden ermöglichen, noch bis zum 1. Februar 2016 statt der superlangen IBAN-Kontonummer wie bisher Kontonummer und Bankleitzahl für inländische Überweisungen weiter zu nutzen.

Am 25. Juni informiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck ihre Mitgliedsbetriebe. Thema: „Was muss der Unternehmer tun, um sich für das neue Verfahren fit zu machen?“

Curd Tönnemann

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