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Lachse werden Vegetarier

Rostock Lachse werden Vegetarier

Mit alternativen Futtermitteln für die Lachszucht, wie etwa Ölen aus Meeresalgen, sollen weltweit Fischbestände geschont werden.

Quelle: Carsten Rheder/dpa

Rostock/Essen. Fisch frisst Fisch: Bislang wurde das Futter für Zuchtlachse zumeist mit Fischmehl und -öl angereichert. Doch diese Zutaten sind teuer, und die weltweiten Fischbestände können nicht ohne Ende ausgebeutet werden. Einen Durchbruch bei der Suche nach alternativen Beimischungen wollen jetzt zwei international agierende Konzerne geschafft haben: Mit dem Einsatz von Öl aus natürlichen Meeresalgen „können erstmals Omega-3-Fettsäuren für die Tierernährung ohne Fischöl aus gefangenem Wildfisch hergestellt werden“, teilen die Unternehmen Evonik und Royal DSM mit.

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Mit alternativen Futtermitteln für die Lachszucht, wie etwa Ölen aus Meeresalgen, sollen weltweit Fischbestände geschont werden.

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Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik hat sich mit dem niederländischen Partner Royal DSM zusammengetan: In den USA will das Joint Venture unter dem Firmennamen Veramaris für rund 200 Millionen US-Dollar (188 Millionen Euro) eine Anlage errichten, in der Algenöl für die Fischzucht produziert werden soll. Die jährliche Produktion könne „anfangs etwa 15 Prozent der aktuellen Jahresnachfrage“ in der Lachsindustrie decken, hieß es. Hergestellt werde ein hochkonzentriertes Algenöl, das eine „hochwertige und reine Quelle“ der Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sei. Diese könnten „die Gesundheit von Gehirn, Augen und Herz vieler Lebewesen unterstützen“.

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace sei die Gewinnung von Omega-3- Fettsäuren aus Meeresalgen durchaus ein Beitrag, um überfischte Speisefischbestände zu schonen. Allerdings sei das Futter nur ein Problem der riesigen Aquakulturanlagen etwa in Norwegen oder Chile. Die dort eingesetzten Antibiotika würden zusammen mit Futterresten und Exkrementen ins Wasser gelangen und an den Küsten ganze Ökosysteme zerstören.

Auch an der Universität Rostock forschen Wissenschaftler nach alternativen Futtermitteln für die Fischzucht. Ein Schwerpunkt der Forschung sind Rotalgen, die bisweilen massenhaft in der Ostsee vorkommen. „Wir haben uns gefragt: Kann man daraus nicht etwas Sinnvolles herstellen?“, erklärt die Inhaberin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie und Tierernährung, Prof. Petra Wolf. Ein sinnvoller Einsatz könnte in der Fischzucht sein: Erste Versuche mit Rotalgen als Futterzusatz bei der Forellenzucht seien erfolgversprechend verlaufen. Die Fische in der Versuchsstation in Born auf dem Darß hätten mit Appetit gefressen und sich gut entwickelt.

Großanlagen zur Omega-3-Fettsäuren-Produktion, wie von Evonik und Royal DSM in den USA geplant, hält Prof. Wolf für einen richtigen Weg. Derzeit gebe es einen enormen Bedarf an Algenölen. „Wir können gegenwärtig gar nicht so viele Algen produzieren, wie wir brauchen“, betont die Wissenschaftlerin. Teilweise seien sogar schon künstliche Algenblüten durch Stickstoff und Phosphor in Meeren hervorgerufen worden. In speziellen Anlagen könnten die Algen hingegen kontrolliert angebaut werden.

Der Leiter der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, Carsten Kühn, gibt sich dennoch zurückhaltend: „Ich kenne dazu keine entsprechenden Studien.“ Aber es sei natürlich zu begrüßen, wenn tatsächlich ein Durchbruch geschafft sei. Fischmehl und Fischöl seien die teuersten Substanzen im Fischfutter. „Alles, was hilft, die Kosten in der Aquakultur zu senken, ist gut“, betont Kühn.

Futter für die Fische

Eine Million Tonnen Fischöl werden pro Jahr weltweit hergestellt. Der Großteil des Fischöls kommt nach Angaben des Chemiekonzerns Evonik in Aquakulturen zum Einsatz, die rund 75 Prozent der Fischöl-Produktion verbrauchen.

Der Evonik-Konzern mit Sitz in Essen (Nordrhein-Westfalen) ist nach eigenen Angaben ein weltweit führendes Unternehmen der Spezialchemie und beschäftigt rund 35000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern. Royal DSM aus den Niederlanden ist in den Bereichen Gesundheit, Nahrung und Werkstoffe tätig.

 Axel Meyer

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