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Wirtschaft im Norden „Lage der Werften hat sich verbessert“
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20:18 17.10.2015
Der Maritime Koordinator, Uwe Beckmeyer (SPD), spricht im Interview über die wirtschaftliche Lage deutscher Werften. Quelle: dpa/Wagner

Berlin Zum neunten Mal treffen sich die führenden Köpfe der Küstenwirtschaft zu ihrer Maritimen Konferenz, die morgen in Bremerhaven beginnt. Die LN sprachen mit Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer (SPD), maritimer Koordinator der Bundesregierung.

LN: Herr Beckmeyer, die weltweite Werftenkrise dauert an. Können Sie den deutschen Werften Hoffnung machen?

Uwe Beckmeyer: Die wirtschaftliche Lage hat sich in den vergangenen beiden Jahren erfreulicherweise verbessert. Der Auftragsbestand unserer Werften hat sich von 9,1 Milliarden Euro Ende 2013 auf 10,1 Milliarden Ende 2014 beziehungsweise 12,1 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2015 erhöht. Zugleich ist die Zahl der Beschäftigten um sechs Prozent auf 17 854 gewachsen. Trotz der Werftenkrise in China konnte auch die Schiffbau- und Offshore-Zuliefererindustrie ihren Umsatz leicht um 1,7 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro steigern. Diese Unternehmen zählen rund 67 000 Mitarbeiter und bei den Auftragseingängen legten sie um 4,3 Prozent zu. Das sind insgesamt hoffnungsvolle Zahlen, auch wenn die Lage in den einzelnen Unternehmen differenziert ist.

LN: Aber in China oder Korea wird billiger gebaut, auch weil die Staaten kräftig subventionieren.

Beckmeyer: Das mag ja sein. Das ärgert mich auch, weil es den Wettbewerb verzerrt. Doch bei den heutigen Aufträgen geht es nicht nur um den Preis, sondern vor allem um höchste Qualität und Präzision. Das können deutsche Werften.

LN: Die bisherigen Innovationshilfen betrugen 30 Millionen Euro, die sich Bund und Länder teilten. Das ist im internationalen Maßstab der Pfiff einer Maus.

Beckmeyer: Moment, es geht nicht umschiere Summen, sondern um die Wirkungen der Mittel. Die Regierungskoalition wird die Innovationshilfen des Bundes ab 2016 auf 25 Millionen Euro anheben. Der Beitrag der Länder soll von 50 Prozent auf ein Drittel sinken. Bei Forschung und Entwicklung strebe ich eine moderate Anhebung der Fördermittel an. Wir dürfen nicht vergessen: Der staatlichen Förderung steht immer auch eine unternehmerische Kofinanzierungspflicht gegenüber.

Hinzu kommt unser Förderprogramm Maritime Technologien der nächsten Generation, für das wir 35 Millionen Euro bereit stellen. Ich möchte auch neue Fördertöpfe im Bereich Energie erschließen, etwa zur Entwicklung von LNG-betriebenen Motoren. Zudem bleibt die bewährte Hermes-Absicherung für Exporte bestehen.

LN: In der Schifffahrt wird weiterhin kaum Geld verdient. Wurde in der Krise zu wenig abgewrackt?

Beckmeyer: Die Schifffahrt leidet weiter. Manche Reeder haben neue Schiffe bestellt, obwohl genügend Charterraum vorhanden ist. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, in der Gänze führt es jedoch zu einer Erhöhung des Angebots, das nicht ausgelastet werden kann. Die Unterstützung bei der Tonnagesteuer bleibt erhalten. Es gibt Klarheit, dass die Erlöspools der Reeder nicht mit der Versicherungsteuer belegt werden. Zudem sorgt der sogenannte Lohnsteuereinbehalt für Entlastung. Damit schaffen wir für die deutschen Reeder Chancengleichheit mit der europäischen Konkurrenz.

Maritimes Stelldichein
Die Neunte Maritime Konferenz findet am 19. und 20. Oktober in Bremerhaven statt und ist mit 800 Vertretern aus Unternehmen, Verbänden, Wirtschaft und Politik das größte Stelldichein der maritimen Wirtschaft in Deutschland. Es wird unter anderem über Schiffbau, Transport- und Hafentechnologien, Schifffahrtsmärkte, erneuerbare Energien und Tiefseebergbau diskutiert. Am ersten Tag wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Grundsatzrede zur maritimen Wirtschaft halten, auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) werden erwartet.

Interview: Reinhard Zweigler

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