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Wirtschaft im Norden Lametta: Der Hit von früher hat ausgedient
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Lametta: Der Hit von früher hat ausgedient
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21:19 17.12.2015
Noch vor einigen Jahren durfte Lametta am Weihnachtsbaum nicht fehlen. Auch diese Familie hat mit den Glitzerfäden ihre Tanne im heimischen Wohnzimmer geschmückt. Quelle: Getty Images

Einst ein Klassiker der Weihnachtsdeko, heute ein Auslaufmodell: Lametta ist nicht mehr gefragt an Weihnachtsbäumen. Der letzte Hersteller in Deutschland hört mit der Produktion der weihnachtlichen Glitzerfäden auf. „Wir haben jetzt das letzte Lametta produziert“, sagte Walter Enzenhöfer, Verkaufsleiter beim Unternehmen Riffelmacher & Weinberger im fränkischen Roth. Derzeit seien noch Restbestände im Handel, aber dann „wird es nicht mehr in Deutschland produziert“. Er bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Enzenhöfer begründete den Ausstieg aus der Lametta-Produktion mit der nachlassenden Nachfrage. Er weine dem Lametta jedoch keine Träne nach, stattdessen kämen nun neue Weihnachtsprodukte auf den Markt — etwa Girlanden aus Kunststoff.

Das fränkische Unternehmen produziert seit mehr als 90 Jahren unter anderem Weihnachtsschmuck. Mit dem Ende des Lamettas aus Stanniol endet in Roth eine Jahrhunderte alte Fertigungs- und Wirtschaftstradition. Dort gab es mehrere Fabriken, die Lametta produzierten. Die Stadt war das Zentrum der sogenannten Leonischen Industrie, in der Feinmechaniker Metalldrähte und -fäden verarbeiteten — etwa zu Schmuck und Lametta. Übrig blieb nur Riffelmacher & Weinberger. Das Unternehmen verarbeitete einst bis zu 50 Tonnen Material jährlich.

Zuletzt seien es noch ein paar Hundert Kilo gewesen. Mittlerweile wird der meiste Weihnachtsschmuck in Asien produziert, vor allem in China.

„Lametta ist völlig out“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur in Köln, Thomas Grothkopp. Seit einigen Jahren werde Lametta kaum noch nachgefragt.

Es sei für viele altmodisch, dazu komme der Trend zu nachhaltigeren Produkten wie Holzaccessoires. Nach wie vor gut nachgefragt werden auch Kerzen, ein neuer Trend seien Lichterketten mit LED-Technik. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. Der größte Umsatzbringer beim Weihnachtsschmuck seien Christbaumkugeln.

„Die Leute legen wieder mehr Wert auf traditionelle Dinge“, sagt Carsten Albrecht, Inhaber von Albrecht Dekoration Event Gestaltung in Lübeck. „Mundgeblasene Produkte, Sammlerstücke — dafür geben sie Geld aus.“ Lametta sei für die Deutschen zu kitschig, vermutet Albrecht. Bis Ende der 80er Jahre seien die Glitzerfäden der Renner gewesen. „Ich kenne die noch von meinen Eltern“, sagt der Experte.

„Wahrscheinlich ist es eher diese ältere Generation, die Lametta, wenn überhaupt, noch nachfragt.“

Sabine Schmiedel von Möbel Kraft bestätigt: „Wir führen Lametta — es ist ein Artikel, der eher von älteren Leuten gekauft wird.“ Auch bei Kappen-Orth in Bad Schwartau werden die Glitzerfäden verkauft — sogar in verschiedenen Farben. „Es wird wenig nachgefragt“, sagt Verkaufsleiterin Katrin Reininger. „Für die, die es noch kennen, ist es legendär, und es gibt auch einige junge Leute, die es witzig finden.“ Grundsätzlich sei Lametta allerdings ein Ladenhüter.

„Wer hat denn noch Lametta? Das ist nicht mehr angesagt.“
Carsten Albrecht, Dekorateur aus Lübeck

km

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