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Wirtschaft im Norden Land drosselt das AKW Brokdorf
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20:13 17.07.2017
Das Atomkraftwerk Brokdorf soll im August wieder angefahren werden. Quelle: Fotos: Marcus Brandt, Kay Nietfeld/dpa
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Weitere Atomkraftwerke

. Das Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) wird voraussichtlich Anfang August wieder ans Netz gehen – allerdings nur mit gedrosselter Leistung. „Brokdorf fährt künftig im abgesicherten Modus“, sagte Energieminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel. Die Einschränkungen sind Konsequenz der zuvor festgestellten ungewöhnlich starken Korrosion an Brennstäben. Seit Februar ist der Reaktor an der Unterelbe deshalb bereits nicht mehr am Netz.

Dies ist eine Reaktion auf die unerwartet starke Oxidation der Brennstäbe. Derzeit ist der Reaktor nicht am Netz.

Sehr umstritten

in Schleswig-Holstein stehen in Brunsbüttel und Krümmel. Diese beiden Anlagen sind inzwischen stillgelegt.

Nun glauben Experten die Gründe gefunden zu haben. „Die starke Korrosion wurde ausgelöst durch ein Ursachenbündel“, sagte Habeck. „Es gibt nicht diese eine Ursache.“ Zu der auffälligen Oxidation hätten außer dem Hüllrohrmaterial die 2006 erhöhte Leistung und immer häufigeres schnelles Hoch- und Runterfahren des Reaktors geführt.

Bereits am Freitag hatte die Atomaufsicht Betreiber PreussenElekra die Erlaubnis erteilt, den Reaktorkern neu zu beladen, allerdings verbunden mit Auflagen. So muss neben der Leistung auch der sogenannte Lastfolgebetrieb reduziert werden – sprich das Kraftwerk darf nicht mehr so schnell hoch- und runtergefahren werden wie zuletzt. Damit ist aber noch nicht automatisch die Zustimmung zum Wiederanfahren verbunden. Der Leiter der Atomaufsicht, Jan Backmann, rechnet damit, dass der Meiler in etwa zwei Wochen bereit zum Wiederanfahren sein könnte.

„Der Betreiber PreussenElektra dreht jetzt das Rad elf Jahre zurück und stellt die Anlage auf den Betrieb von vor 2006 ein“, sagte Habeck. Für diese Zeit gebe es eine gesicherte Betriebserfahrung mit dem betroffenen Hüllrohrmaterial. Die Leistung werde auf 95 Prozent reduziert und die Lastwechselgeschwindigkeit halbiert. „Damit wird sicher verhindert, dass sich die überaus starke Oxidation wiederholt und die Grenzwerte überschritten werden.“ Das Hüllrohrmaterial selbst bleibt dagegen unverändert.

Im Februar waren im Zuge der Jahresrevision Oxidschichten an Brennstäben festgestellt worden, die nicht nur dicker waren, sondern auch schneller und an anderen Stellen auftraten als erwartet. Seitdem ist der Reaktor nicht am Netz. An einigen Brennstäben wurden die Grenzwerte deutlich überschritten. Von 5405 vermessenen Brennstäben in 92 sogenannten M5-Brennelementen wiesen 464 erhöhte Oxidbefunde unterhalb des Grenzwertes auf. In drei Brennelementen an zehn Brennstäben wurden erstmals Oxidschichtdicken über dem Grenzwert festgestellt.

Für Habeck ist der Fall Brokdorf ein Beleg für die These, dass Atomkraft „die falsche Technologie“ sei und dass sie nicht mehr benötigt werde. „Atomstrom verstopft das Netz.“ Kaum jemand werde bemerkt haben, dass das AKW Brokdorf seit Februar nicht mehr am Netz sei.

Die Anlage hat eine Restlaufzeit bis 2021. Es gebe aber Vermutungen, dass die Reststrommenge der Anlage dafür nicht ausreicht, sagte Habeck. Für April 2018 ist die nächste Revision geplant. Dann wird nachgesehen, ob die Auflagen Abhilfe geschaffen haben. Oder wie der Leiter des Atomaufsicht sagte: „Dann wird nachgemessen.“

LN

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