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Land will Berufsschulen für Flüchtlinge über 18 Jahre öffnen

Kiel Land will Berufsschulen für Flüchtlinge über 18 Jahre öffnen

Bislang gibt es eine Schulpflicht nur für Minderjährige — Ältere fallen durchs Raster.

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„Es werden aktuell engagiert Gespräche zu diesem Thema geführt.“ Bildungsministerin Britta Ernst (SPD)

Kiel. Das Kieler Bildungsministerium arbeitet mit Volldampf daran, für 19 und 20 Jahre alte Flüchtlinge in Schleswig-Holstein ein Berufsschulangebot oder etwas Vergleichbares zu machen. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Bisher besteht eine Berufsschulpflicht im Land nur für Minderjährige. Volljährige werden unterrichtet, wenn sie einen Ausbildungsplatz haben — oder Berufsschulen freie Kapazitäten melden. Berufsschulleitungen hatten dem Ministerium von einer Vielzahl junger Flüchtlinge berichtet, die in den vergangenen Monaten um Aufnahme gebeten hatten und enttäuscht werden mussten. Auch die Wirtschaft appellierte angesichts des Fachkräftemangels, die Neuankömmlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Problematik scheint erkannt. „Es werden aktuell engagiert Gespräche zu diesem Thema geführt“, teilte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) mit. Mit einem Ergebnis sei zeitnah zu rechnen. Nach LN-Informationen bedarf es noch Abstimmungen mit dem Wirtschaftsministerium und der Bundesagentur für Arbeit (BA). Annemarie Goos, Leiterin an der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein in Oldenburg, wünscht sich eine Aufnahme von Schülern bis zu einem Alter von 25 Jahren (die LN berichteten). Schulische Ausbildung mache auch für junge Erwachsene Sinn. Sie helfe Flüchtlingen bei einer schnellen Integration — beispielsweise durch Sprachunterricht.

Die Erfahrungen mit den schon beschulten minderjährigen Flüchtlingen sind überwiegend positiv. „Meine Lehrerkollegen sind angetan von dem Willen dieser jungen Menschen“, sagt Stephan Cosmus, Schulleiter an der Friedrich-List- Schule, einer der Berufsbildenden Schulen in Lübeck. Dort wurde eine DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) eingerichtet. Probleme ergäben sich allein durch die Heterogenität der Schüler. Das fange bei der Vielzahl von Sprachen an. „Außerdem sind manche Dinge, die bei uns selbstverständlich sind, für die ausländischen Schüler nicht alltäglich.“ Dazu zählen etwa Krankmeldungen. Cosmus hofft, dass auch volljährige Flüchtlinge schon bald beschult werden können. Nach Vorstellung der Berufsbildenden Schulen in Lübeck soll dann im ersten Jahr die Sprachförderung im Vordergrund stehen. Die Berufsvorbereitung soll erst im zweiten Jahr dominieren. Um die jungen Flüchtlinge für die Prüfungen und Betriebe fit zu machen, hält Cosmus ein drittes Schuljahr für sinnvoll.

„Wir sollten so viele junge Flüchtlinge wie möglich für eine duale Ausbildung interessieren — und sie dazu befähigen“, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. Darüber sei er mit Bildungsministerin Ernst und der BA-Regionalchefin Margit Haupt-Koopmann einig. Das erfordere allerdings eine sorgfältige Vorbereitung der Flüchtlinge, die unter anderem eine Phase der Berufsorientierung sowie die Vermittlung von Sprachkenntnissen beinhalten muss. Dringend nötig sei zudem ein hoher Praxisanteil mit guten Einblicken in den betrieblichen Alltag der Unternehmen.

„Die heute als Flüchtling zu uns kommen, können die Fachkräfte von morgen oder übermorgen sein“, unterstreicht Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Lübeck. In den Berufsbildungsstätten der Kammer würden bereits erste Sprachkurse durchgeführt.

Schleswig-Holstein hat 33 Berufsbildende Schulen, davon sind 18 regionale Berufbildungszentren und 15 Berufsschulen. Zuletzt standen dort 3839 Planstellen für Pädagogen zur Verfügung. „Ein Angebot für volljährige Flüchtlinge an Berufsschulen würde zusätzliche Ressourcen erfordern“, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Curd Tönnemann

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