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Land will die Jagd auf Wildschweine ausweiten

Kiel Land will die Jagd auf Wildschweine ausweiten

Für Wildschweine wird es im Norden ungemütlich. Kiels Grünen-Umweltminister Robert Habeck will die Schonzeiten für sie zwar nicht abschaffen, aber ausdünnen und die Jagd forcieren – als Schutz vor der Schweinepest. Gestern hatte er Verbände und Behörden zum Krisengipfel gebeten.

Kiel. Schon im Februar soll dazu das Jagdgesetz des Landes geändert werden. Jäger dürfen Wälder und Felder dann für die Wildschweinjagd nachts künftig mit Scheinwerfern ausleuchten. Die Jagdbehörden sollen das Recht bekommen, die Schonzeit für die Tiere abzukürzen oder aufzuheben, sollte die Seuche näher kommen – derzeit gibt es bereits Infektionen in Polen und Tschechien. In der Region Lübeck mit besonders vielen Tieren soll sogar die Jagd in Naturschutzgebieten zugelassen werden. Landwirte müssen zudem künftig auf Maisäckern Schneisen anlegen, damit sich die Tiere dort nicht verstecken können, oder die Felder komplett wildsicher einzäunen – anderenfalls bekommen sie von den Jagdpächtern keine Entschädigung mehr für von Wildschweinen verursachte Schäden.

In Hamburg geht man schon rigoroser gegen die Tiere vor. Die Wirtschaftsbehörde hat gestern die Schonzeit für die Tiere generell aufgehoben. Jäger, die einen Kadaver eines erkrankten Schweins abliefern, bekommen 100 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern werden schon jetzt 25 Euro für jedes geschossene Wildschwein gezahlt.

„Das hat dort zu einem Zusammenbruch des Marktes für Wildschweinfleisch geführt“, sagt Habeck. Deshalb habe man sich im Norden noch gegen solche Prämien entschieden. Setze die EU jedoch Pläne um, eine Abschussprämie für Wildsauen zu zahlen, werde man sich an der Co-Finanzierung der Maßnahme beteiligen. „Ich sage schon seit fünf Jahren: Ja, wir haben zu viele Wildschweine“, sagt Habeck. Die Jäger sollten den Jagddruck daher weiter erhöhen. Ebenfalls in der Region Lübeck wolle man daher schon in wenigen Wochen eine Sammelstelle als Pilotprojekt einrichten. Dort können Jäger Wildschweine, die sie geschossen haben, aber wegen des Überangebots nicht mehr verkaufen können, kostenfrei zur Entsorgung abgeben. Der Bauernverband hatte bereits den generellen Abschuss von 70 Prozent aller Wildschweine gefordert. Das empfehle das Friedrich-Loeffler-Institut aber nur im Umkreis von tatsächlich festgestellten Ausbrüchen der Schweinepest, sagt Habeck.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) appelliert bereits an die Jäger, vor allem junge Wildschweine zu erlegen, die maßgeblich zur Fortpflanzung beitrügen. Der Tierschutzbund lehnt das alles ab und spricht von „Panikmache“. Letztlich würden auch weniger Wildschweine nicht zwangsläufig bedeuten, dass es nicht doch zum Seuchenausbruch kommen könne, sagt Sprecher Marius Tünte. Auch der Mensch verbreite die Seuche weiter. Er begrüße daher strengere Hygieneregeln für Tiertransporte, so Habeck. Man habe lange beim Bund gedrängelt, dass die Vorschriften für Schweinetransporte verschärft werden, endlich liege ein Entwurf dafür vor. So solle künftig sichergestellt werden, dass Viehtransporter gereinigt und desinfiziert werden, wenn sie aus Gebieten mit Schweinepestfällen zurückkehren. Das Land stocke zudem das Personal im Landeslabor auf und nehme immer wieder Proben von Wildschweinen. Jäger würden geschult werden. Die Veterinärämter kontrollierten die mehr als 2000 Schweinehaltungen in Schleswig-Holstein, darunter 47 Freilandhaltungen, jetzt häufiger. Dort sind zusammen 1,5 Millionen Schweine gemeldet.

Von Wolfram Hammer

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