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Landwirte im Ernte-Stress

Klein Schenkenberg/Lübeck Landwirte im Ernte-Stress

Auf den Feldern im Norden ist der Weizen reif – Er kann aber nur bei trockenem Wetter gedroschen werden.

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Klein Schenkenberg/Lübeck. Die Sonne scheint, jetzt muss es schnell gehen. Hochkonzentriert beobachtet Thomas Gerken, wie sich der Mähdrescher über seinen Acker an der Kronsforder Allee in Lübeck bewegt, um einen weiteren Teil seiner Weizen-Ernte einzufahren. Auf 50 Hektar Fläche baut der Landwirt aus Klein Schenkenberg (Kreis Stormarn) das Getreide an.

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Auf den Feldern im Norden ist der Weizen reif – Er kann aber nur bei trockenem Wetter gedroschen werden.

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„Die Situation ist sehr angespannt“, sagt der 53-Jährige. Der Grund ist das wechselhafte Wetter in diesem Sommer. Denn damit die Qualität des Getreides stimmt, muss es sonnig und trocken sein. „Sonst ernten wir Minderqualitäten, die nur als Tierfutter verwendet werden können. Wir brauchen aber backfähigen Weizen“, erklärt Gerken. „Der darf nur einen Feuchtigkeitsgehalt von 14,5 Prozent haben.“

Dafür gebe es dann mehr Geld. Und auf das Geld ist er angewiesen – zurzeit noch mehr als sonst. Denn das zweite Standbein des Familienbetriebs ist die Milchviehhaltung. 65 Tiere haben die Gerkens, doch sie bringen ihnen aufgrund des seit Monaten niedrigen Milchpreises nichts ein. Und auch die niedrigen Getreidepreise bereiten ihm Sorgen. „Die Erträge und Erlöse fallen magerer aus, als wir es benötigen.“

Anfang August hat Thomas Gerken mit der Weizenernte begonnen, seitdem ist das Getreide reif. Doch dann gab es mal wieder einen Wetterumschwung. „Wir mussten acht Tage pausieren und konnten erst diese Woche weitermachen“, berichtet er. Nun drängt die Zeit, deshalb packt seine ganze Familie mit an: vom Schwiegervater bis zur Tochter. „Noch liegt die Ernte im Zeitlimit“, sagt Gerken.

Auch Birgit Kock beobachtet das Wetter genau. Mit ihrem Ehemann betreibt sie ein Lohnunternehmen in Bendorf (Kreis RendsburgEckernförde). Lohnunternehmer sind seit mehr als 100 Jahren unverzichtbare Helfer der Landwirte. Immer wieder klingelt ihr Telefon, viele Landwirte wollen ihre Hilfe. „Dreschen, Stroh pressen, Silo fahren, am liebsten Gülle fahren, Mist fahren, Boden bearbeiten – das steht jetzt alles an“, sagt die Geschäftsfrau. Die meisten Landwirte brauchen sofort Unterstützung.

Doch das wird nicht klappen. Für diese Woche kann sie nur noch „Nein“ sagen. „Die Tage sind einfach zu kurz.“ Mehr als neun Arbeitsstunden täglich seien in den letzten beiden Augustwochen nicht möglich. „Morgens ist zu viel Tau, das merkt jeder, der über den Rasen läuft und nasse Füße kriegt“, sagt sie. „Und abends ziehen leichte Nebelschwaden auf.“ So können die Maschinen auch bei Sonne nur von mittags bis 21 Uhr laufen. „Wenn es zu feucht ist, schiebt das Getreide vorne im Schneidwerk“, erklärt Kock. Es klumpt zusammen, muss immer wieder von Hand gereinigt werden. Außerdem müssen die Landwirte auf eigene Kosten das Getreide trocknen. Die Ernte „steht und fällt immer komplett mit dem Wetter: Man guckt jeden Tag fünf-, sechsmal, wie es sich entwickelt.“

Auch Thomas Gerken richtet seinen Blick immer wieder Richtung Himmel. Gestern musste er die Ernte ein weiteres Mal unterbrechen, weil es erneut geregnet hat. Mit Besorgnis schaut er dem morgigen Sonnabend entgegen, denn dann ist weiterer Regen angekündigt. Deshalb hofft er, wenigstens heute einmal Glück zu haben und alles abernten zu können. Fünf Hektar Weizen fehlen ihm noch, danach müssen die 20 Hektar Roggen von den Feldern. Denn auch die sind bereits reif.

Flächenstärkstes Getreide

185 000 Hektar beträgt nach Angaben der Landwirtschaftskammer die Fläche, auf der in Schleswig-Holstein Winterweizen angebaut wurde.

Er ist damit die flächenstärkste Getreideart. Wintergerste wuchs auf 62500 Hektar, Winterroggen auf 27300 Hektar. Einer ersten Schätzung des Statistikamtes Nord zufolge wird in diesem Jahr in Schleswig-Holstein eine Getreideernte von 2,7 Millionen Tonnen erwartet. Das wären acht Prozent weniger als 2015. Genaue Zahlen sollen in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Janina Dietrich

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