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Lehrstellen für junge Flüchtlinge

Lübeck Lehrstellen für junge Flüchtlinge

Projekt „Land in Sicht“: 2500 jugendliche Asylsuchende könnten den Fachkräftemangel lindern helfen.

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Vorbereitung auf eine Ausbildung: In einem Kleingarten in Lübeck- Buntekuh lernen Flüchtlinge Grundzüge des Gärtnerns.

Quelle: Foto: Maxwitat

Lübeck. Fachkräftemangel aller Orten. Weil die Bevölkerung altert, suchen Handwerk und Industrie immer öfter händeringend Mitarbeiter und Auszubildende. 2500 junge Flüchtlinge könnten die Personalnot in Schleswig-Holstein lindern helfen — wenn das Gesetz es ihnen erlauben würde und sie etwas Hilfestellung bekämen, erklärten Flüchtlingsrat und Paritätischer Wohlfahrtsverband gestern am Rande einer Tagung in Kiel. Aus der Landesregierung wird Unterstützung signalisiert.

Es sei vor allem das Asylbewerberleistungsgesetz, das die jungen Menschen behindere, sagt Johanna Boettcher vom Wohlfahrtsverband. Ein Jahr lang dürften die Flüchtlinge demnach keine Arbeit oder Ausbildung aufnehmen, seien zur Untätigkeit verdammt, bekämen nicht einmal Deutschkurse. Dabei seien viele der jungen Leute hoch motiviert, hier auch eine Chance auf Ausbildung zu nutzen.

Die Frist müsse unbedingt verkürzt werden, sagt Johanna Boettcher, es müsse von Anfang an kostenlose Deutschkurse geben, eigentlich gehöre das ganze Leistungsgesetz abgeschafft. Denn es behindere die Jugendlichen auch nach Ablauf des ersten Jahres weiter. „Sie dürfen laut des Gesetzes auch als Azubis oder in schulischen Ausbildungen kein Bafög und keine Berufsausbildungsbeihilfe beantragen.“ Nur 354 Euro hätten die jungen Leute zum Beispiel während einer schulischen Ausbildungsvorbereitung monatlich zur Verfügung. Davon müssten sie ihre Lebensmittel bezahlen, Bekleidung, Strom für ihre Wohnung, die Fahrkarte zur Schule, Stifte, Hefte, andere Unterrichtsmaterialien. Zum Teil würden sie zudem Geld für Deutschkurse ausgeben. Andere vermeintliche Kleinigkeiten erschwerten ihre Ausbildung zusätzlich. So dürften sie als Asylbewerber zum Beispiel kein Konto einrichten, müssen ihr Geld regelmäßig beim Amt abholen und dafür Unterrichtsstunden versäumen. Immerhin 79 Flüchtlinge hätten im Zuge des Projekts „Land in Sicht“ trotz der Widrigkeiten eine Ausbildung angetreten.

Die Wirtschaft wolle die Potenziale der Jugendlichen unbedingt nutzen, betonte auch Heidi Näpflein, Integrationsberaterin der Handwerkskammer Lübeck. Die Kammer bietet bereits Berufsvorbereitungskurse und Deutschkurse für Flüchtlinge an. Bedenken in den Betrieben, ob die Flüchtlinge mit ihrem unsicheren Aufenthaltsstatus denn überhaupt die ganze Lehre über bleiben dürften und auch danach noch als Fachkräfte zur Verfügung stünden, könne man meist zerstreuen. Die Aufnahme einer Berufsausbildung erhöhe die Chancen der Jugendlichen, ein Bleiberecht zu bekommen. Das habe auch das Kieler Innenministerium in einem Erlass bekräftigt. Und auch nach Abschluss der Ausbildung gebe es Chancen, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, sagt Johanna Boettcher, wünscht sich allerdings, dass die Behörden dieses Mittel noch viel stärker nutzen würden.

Innenminister Andreas Breitner (SPD) will Asylbewerbern ebenfalls einen schnelleren Zugang auf den Arbeitsmarkt ermöglichen, spätestens nach drei Monaten, nachdem sie aus der Aufnahmeeinrichtung ausgezogen sind. Das Land will sich im Bundesrat für eine entsprechende Lockerung des Gesetzes stark machen.

Kommunen suchen Azubis
Wie vielfältig die Möglichkeiten zur Berufsausbildung im öffentlichen Dienst sind, darüber können sich junge Leute ab sofort im modernisierten Jobportal „berufe-sh.de“ per PC, Tablet oder Handy informieren. 31 Kommunen haben sich zusammengeschlossen, wollen Nachwuchs für ihre Verwaltungen gewinnen in über 100 verschiedenen Berufen. Die Jobaussichten seien dabei sehr gut. Allein bis zum Jahr 2023 würden rund 30 Prozent der bisherigen Beschäftigten der Kommunen in den Ruhestand treten, so Jochen von Allwörden vom Städteverband.

Wolfram Hammer

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