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Lokbauer Voith in Kiel steht vor dem Verkauf

Kiel Lokbauer Voith in Kiel steht vor dem Verkauf

Interessent hat Übernahmekonzept vorgelegt. Am Donnerstag soll eine Entscheidung fallen.

Kiel. Seit über einem Jahr sucht der Voith-Konzern (Heidenheim) einen Käufer für sein Kieler Diesellok-Werk. Mit Spannung warten nun die 300 Voith-Mitarbeiter in Kiel am Donnerstag auf die Entscheidung der Eigentümer im Gesellschafterausschuss. Wird das Werk verkauft? An wen? Oder gibt es gar eine ganz andere Lösung?

Eine Investorengruppe um die HerzWert Beteiligungen GmbH (HW/Starnberg) hat ein verbindliches Angebot zur Übernahme abgegeben und ein Konzept zur Weiterentwicklung des Lokbaus in Kiel vorgelegt. Das ist in Kiel aus Wirtschafts- und Politikkreisen zu erfahren. Hinter den Kulissen arbeitet die Landesregierung seit Wochen an einer positiven Lösung — „mit großer Sorge“, wie zu hören ist. Denn noch ist offenbar auch eine Schließung nicht vom Tisch.

Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft der Voith Turbo Lokomotivtechnik GmbH soll nach Informationen der „Kieler Nachrichten“ am Donnerstag fallen.Voith bestätigt das nicht. Man spreche weiter mit „potenziell passenden Partnern“, sagte ein Sprecher. Auch HerzWert will nichts sagen. Die Starnberger können eine Reihe von Industrie-Beteiligungen vorweisen. Im Fall des Kieler Voith-Werkes haben sie sich mit Ex-Vorständen der Deutschen Bahn verbündet, darunter Ex-Personalvorstand Norbert Bensel. Sie wollen das Unternehmen mit allen Mitarbeitern übernehmen und auch künftig mit Voith kooperieren. Denn aus Heidenheim kommen Schlüsselkomponenten für die Dieselloks. HW und Partner planen zudem Investitionen in neue Technologien und neue Produkte. Das Kieler Werk lebt noch von einem Großauftrag der Deutschen Bahn, die vor fünf Jahren 130 Rangierloks bestellt hatte. Dieser Großkunde, heißt es in Bahnkreisen, erwarte, dass Voith auch über die Garantieperiode hinaus technische Unterstützung leistet.

In Kiel haben sich auch die Oberbürgermeisterin und die IG Metall eingeschaltet, um das Lokwerk zu erhalten. „Die Landeshauptstadt wird alles tun, um die Produktion von Schienenfahrzeugen am Standort zu sichern. Dieser Bereich hat sich zu einem wichtigen Baustein des industriellen Kerns entwickelt“, so Susanne Gaschke. „Voith kann nicht an eine Schließung denken, wenn ein Investor vor der Tür steht“, sagte IG-Metall-Geschäftsführer Peter Seeger.

Großer Familienkonzern
42 000 Mitarbeiter hat die Voith GmbH. Sie gehört mit rund sechs Milliarden Euro Umsatz zu den ganz großen Familienkonzernen Europas, liefert Komponenten für Bahn- und Bushersteller. Erst 2005 hatte sich Voith entschieden, selbst eine Diesellok zu entwickeln und im Werk am Nord-Ostsee-Kanal in Kiel die Fertigung aufzubauen.

Jörn Genoux

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