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Wirtschaft im Norden Lübeck und der Kanal mit hohem Potenzial
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18:16 09.06.2018
Berlin

Der neue Maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann (CDU), spricht über die Lage der deutschen Werften, den Boom bei Kreuzfahrtschiffen und umweltfreundlichere Antriebe im Schiffsverkehr. Der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals liegt dem Lauenburger besonders am Herzen.

„Wir sehen genau, mit welch harten Bandagen auf dem Weltmarkt gekämpft wird.“Norbert Brackmann Maritimer Koordinator

Sind fast 900 Millionen Euro für eine Wasserstraße, auf der nicht viele Schiffe verkehren, nicht viel zu viel?

Ich bin froh, dass die EU noch vor meiner Bestellung als Maritimer Koordinator untersagt hat, den Elbe-Lübeck-Kanal zur Wasserstraße für Touristen herunterzustufen. Der Kanal ist die einzige Verbindung vom deutschen Binnenwasserstraßennetz zur Ostsee. Und er hat, wenn er ausgebaut wird, ein riesiges Potenzial für die Zukunft. Das gilt insbesondere auch für den Binnenhafen von Lübeck

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Sind die deutschen Werften aus der schweren Krise der vergangenen Jahre herausgekommen, die Auftragsbücher sind doch wieder voll?

Die Auftragslage ist differenziert. Aber es stimmt, der Auftragsbestand für Seeschiffe lag 2017 mit gut 17,6 Milliarden Euro nur wenig unter dem Allzeithoch von 2016. Das heißt, die Werften haben bis 2022/23 weiter gut zu tun. Die Zahl der Beschäftigten ist wieder auf rund 18000 angewachsen. Es werden Fachkräfte gesucht. Zum Teil wird versucht, abgewanderte Werftarbeiter zurückzuholen. Auch die Schiffbau- und Offshore-Zuliefererindustrie hat ihren Umsatz von etwa elf Milliarden Euro behaupten können. Zugleich gibt es aber natürlich Rahmenbedingungen, die geschaffen werden müssen, damit der deutsche Schiffbau auch in Zukunft erfolgreich sein kann: Orientierung auf Spezialschiffbau, Innovationen, Hochtechnologie wird die Bundesregierung fördern.

Der Bund gibt in diesem Jahr 25 Millionen und die norddeutschen Bundesländer noch einmal 12,5 Millionen Euro an Zuschüssen für Forschung und Innovationen.

Es werden keine Maßnahmen an fehlender Unterstützung scheitern. Und vergessen Sie nicht: Der staatlichen Förderung steht immer auch der zwingende unternehmerische Eigenanteil gegenüber. Auch wenn nur noch praktisch eine Volksbank der einzige verbliebene deutsche Schiffsfinanzierer ist, gibt es keinen zwingenden Grund, in diesen Markt einzugreifen.

Inzwischen unternimmt China enorme Anstrengungen, um in den Spezialschiffbau einzusteigen, bislang eine Domäne der deutschen Werften. Und Südkorea legt ein gigantisches Schiffbauprogramm auf.

Wir sehen sehr genau, mit welch harten Bandagen auf dem Weltmarkt gekämpft wird. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass eine Art Nebeneffekt der Handels- und Zollpolitik von Donald Trump sein könnte, dass China und Korea umdenken.

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen boomt weiter. Nicht nur bei der Meyer-Werft in Papenburg. Die Genting-Gruppe will in Wismar und Rostock die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt bauen. Befürchten Sie, dass sich dieser Markt überhitzt?

Das sehe ich nicht. Der Kreuzfahrmarkt wächst weltweit weiter, für eine Sättigung gibt es keine Anzeichen. Und nebenbei: Nachdem Aida zwei Schiffe in Asien fertigen ließ, ist das Unternehmen wieder zu deutschen Werften zurückgekehrt. Das spricht für die hohe Qualität unserer Unternehmen.

Greenshipping, also umweltfreundliche Schifffahrt, lautet ein Schlagwort. Dabei gibt es in Deutschland nicht einmal einen Hafen für Flüssiggas, kurz LNG. Es muss per Lkw aus Rotterdam herangebracht werden.

Das ist derzeit noch so. Aber auch hier gibt es viel Bewegung. Die Bundesregierung begleitet privatwirtschaftliche Aktivitäten. So plant ein Konsortium in Brunsbüttel ein LNG-Terminal. Auch in Wilhelmshaven, Stade und Rostock werden entsprechende Projekte vorbereitet. In den nächsten zehn, zwanzig Jahren wird Flüssiggas ein wichtiger Antriebsstoff sein. Auf lange Sicht müssen wir jedoch die Schifffahrt von fossilen Brennstoffen völlig frei machen. Das heißt vor allem, dass wir Ökostrom nutzen, um etwa Wasserstoff, aber auch Methanol und anderes herzustellen. Der Bund fördert technologieoffen.

rz

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