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Wirtschaft im Norden Lübecker Masten sind weltweit gefragt
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20:23 22.01.2016
Firmenchef Wolfgang Reichel (r.) zeigt in der Halle einen seiner Masten, die Mitarbeiter Heiko Meiburg (l.) und Christof Zelent packen mit an.

Sie stehen auf dem Turm der Burg Hohenecken in Rheinland-Pfalz, vor einem schwedischen Möbelhaus in Dubai und der BMW-Hauptniederlassung in Paris: Fahnenmasten der Lübecker Firma Euro-Masten GmbH sind überall auf der Welt zu finden. „Wo ich auch bin, sehe ich welche“, sagt Firmenchef Wolfgang Reichel. In den vergangenen drei Monaten hat sein Unternehmen Fahnenmasten nach Dubai, Malaysia, Marokko, Israel, Polen, Portugal und Frankreich geliefert. Sogar die Polarstation Neumayer III in der Antarktis und die Festung Zubara in Katar stattete seine Firma aus.

Dabei entstand das Unternehmen vor 42 Jahren eher zufällig. Den Anfang machte ein Artikel in den Lübecker Nachrichten. „Ich hatte in den LN gelesen, dass in der Nacht in Travemünde 20 Fahnen gestohlen wurden“, erzählt der Seilermeister. Eigentlich elektrisierte ihn diese Nachricht nicht besonders, doch irgendwie beschäftigte sie ihn. Wenig später fuhr Reichel mit seiner Frau nach Travemünde, um den Ort des Geschehens mit eigenen Augen zu sehen. „Es war 22 Uhr, und wir brauchten Taschenlampen“, sagt Reichel, der damals einen Schiffsausrüster-Betrieb in Lauenburg hatte. „Ich wollte einmal gucken, wie ein Fahnenmast aussieht.“ Dabei stellte er fest, dass Diebe förmlich eingeladen werden, sich an den Flaggen zu bedienen, weil die Seile außen entlanglaufen. „Wenn ich Fehler sehe, versuche ich, sie zu korrigieren“, sagt Reichel. Und so entwickelte er einen diebstahlsicheren Mast, bei dem er die Seil- und Fahnenführung nach innen verlegte. „Das gab es damals noch nicht“, sagt Reichel. 1974 bekam er dafür ein internationales Patent. 80000 Masten diesen Typs verkaufte die Firma. Der erste stand damals in Travemünde.

Seiner Devise blieb Reichel weiter treu. Ständig denkt sich der Lübecker, der mittlerweile 83 Jahre alt ist, etwas Neues aus oder entwickelt seine Produkte weiter. In Kapstadt betreibt er ein zweites Büro. Vor zwei Jahren gründete er in Lübeck die Firma Fahnen-Reichel. Für den Flughafen Blankensee entwarf Reichel neuartige Poller, die beim Anfahren umknicken und so die Beschädigungen am Auto gering halten. Außerdem sind sie einfach auszutauschen. Warum soll ein Fahnenmast nur ein Fahnenmast sein? Kurzerhand erfand der umtriebige Unternehmer eine Schranke, die im geöffneten Zustand zugleich als Mast fungiert. Seine neueste Entwicklung ist ein selbstleuchtender Fahnenmast mit reflektierenden Streifen oder LED-Lichtern. Neun Patente hat Reichel bislang angemeldet, sieben hat er erhalten. Gerade war seine Kreativität bei der Galerie Lafayette gefragt. Die französische Warenhauskette erneuert ihr Flaggensystem an den Gebäuden. „Die Fahnen schlagen bislang wegen des Windes häufig über“, erklärt Reichel. „Wir haben in den Hohlsaum ein Stahlseil eingesetzt, das stabilisiert.“ Bislang rüstet die Lübecker Firma die Filiale in Berlin um, Reichel hofft natürlich, den Auftrag für alle Geschäfte der Galerie Lafayette zu erhalten.

2000 Masten produziert das Unternehmen im Jahr. Sie bestehen aus Aluminium und Edelstahl. „Glasfaser-Kunststoff altert“, erklärt Reichel. Der Umsatz seiner Firma lag 2015 wie im Vorjahr bei 1,2

Millionen Euro. Demnächst erweitert Euro-Masten seine Fläche im Gewerbegebiet Roggenhorst um 1000 Quadratmeter. Zwölf Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen. „Wir sind ein kleiner, aber sehr kreativer Betrieb“, sagt Reichel. „Wir lösen die Aufgaben, die der Kunde an uns heranträgt.“ Dabei spielt der erfinderische Chef eine entscheidende Rolle. „Der Kopf ist immer in Bewegung“, sagt der 83-Jährige. Trotz des vielen Stresses hat der Lübecker noch Zeit, Gedichte auswendig zu lernen. Doch Wolfgang Reichel arbeitet nicht nur mit dem Kopf. Erst kürzlich war der Firmenchef zu Reparaturen auf Sylt. „Das mache ich auch“, sagt Reichel und zeigt zum Beweis seine Hände.

„Wir sind
ein kleiner,
aber sehr kreativer Betrieb.“
Wolfgang Reichel,
Geschäftsführer von Euro-Masten

Julia Konerding

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