Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Pfandsystem für Schuhe
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Pfandsystem für Schuhe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 26.09.2018
Geschäftsführer Marc Solterbeck von der Lübecker Firma Ethletic. Quelle: 54°/Felix König
Lübeck

Die Lübecker Firma Ethletic will ein bisher einzigartiges Pfandsystem für seine Sneaker einführen. „Neben dem biologischen Aufbau unserer Produkte müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wie wir sie biologisch rückverwerten können“, sagt Geschäftsführer Marc Solterbeck. Die Sportmarke hatte 2010 den weltweit ersten Sneaker mit Fairtrade-Gütesiegel auf den Markt gebracht.

Ziel sei es, den vom Kunden aufgetragenen Schuh durch ein patentiertes Verfahren wieder in Biomasse zu verwandeln. Pressesprecherin Annika Langhagel erklärt, dass die kompostierten Schuhe so zum Beispiel zu Düngemittel oder Zusätzen von Blumenerde verarbeitet werden könnten. Derzeit tüfteln Entwickler bei Ethletic daran, alle Bestandteile der Sneaker aus kompostierbaren Materialen herzustellen. Dazu gehört auch das Ersetzen von kleinen Ösen aus Metall oder strapazierfähigen Nylonfäden durch alternative Stoffe.

Zehn Prozent des Warenwertes als Pfand?

Solterbeck erklärt den Ablauf des Pfandsystems: „Die Kunden bekommen mit der Auslieferung eine Pfandmarke. Nach der Rücksendung mit der Marke bekommt der Kunde einen elektronischen Wertgutschein. Er kann sich dann aussuchen, ob er den Betrag zurück überwiesen bekommen möchte oder die Gutschrift lieber bei einer neuen Bestellung einlöst.“ Die Höhe des Pfandes wird voraussichtlich rund zehn Prozent des Warenwertes betragen.

Der Verbraucher soll jedoch nicht dazu angeregt werden, sich schneller ein neues Paar zu kaufen. Im Gegenteil: „Die Kunden sind froh und dankbar, wenn sie sehen, dass das Produkt zu Ende gedacht wurde“, sagt Langhagel. Dem Träger soll so bewusst gemacht werden, was wirklich in seinem Schuh steckt. Außerdem hätte er so die Chance, auf einem einfachen Weg Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Zudem könne Ethletic mit der Umsetzung des Pfandsystems andere Unternehmen dazu animieren, derartige Konzepte zu entwickeln.

Lob von Verbraucherzentrale und BUND

So freut sich auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein über das Projekt. Pressesprecherin Vivien Rehder erklärt: „Wir sind immer für Umweltschutz und Nachhaltigkeit und begrüßen daher solche Ideen.“

Rolf Buschmann, Umwelt- und Recyclingexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht allerdings eine Herausforderung darin, ein Gleichgewicht zwischen dem Material, das in die Produktion investiert wurde, und dem letztlich wieder kompostierten Material zu schaffen. Zwar werde das Pfand die Verbraucher motivieren, die Schuhe zum Hersteller zurückzugeben. Dennoch werde sich erst nach einigen Jahren herausstellen, wie viele Schuhe tatsächlich wieder abgegeben werden. Außerdem müsse die Kompostierbarkeit der Produkte genaustens geprüft werden, um mögliche neue Gefahren für die Umwelt zu vermeiden, die zum Beispiel bei Gärungsprozessen auftreten können. Grundsätzlich steht Buschmann der Idee jedoch positiv gegenüber: „Man kann dem Unternehmen nur wünschen, dass es damit Erfolg hat.“

Anfang 2020 soll der Verkauf der Sneaker starten. Ab 2022 will Ethletic nur noch Schuhe aus 100 Prozent nachhaltigen Rohstoffen anbieten.

Rabea Osol

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehr als 10 000 Fahrräder des wirtschaftlich angeschlagenen Leihanbieters Obike wurden im August aus einer Hamburger Lagerhalle an Großhändler und Privatkunden verkauft ...

26.09.2018

Die gute Konjunktur hat die Schulden der öffentlichen Haushalte in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 erneut sinken lassen.

26.09.2018

Der Hamburger Handelskonzern Otto Group hat seine Wachstumsziele nach eigenen Angaben wegen des extremen Sommers in Mitteleuropa bisher verfehlt.

26.09.2018