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Wirtschaft im Norden Lübecker bauen Waschbecken aus Sand
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18:24 11.11.2017

Mit Hilfe von speziellen 3-D-Druckern stellen sie aus Sand Sanitärartikel wie zum Beispiel Waschbecken her, aber auch Einrichtungsgegenstände wie Vasen oder Schalen. Peter Schiffner ist in Lübeck geboren, hat Abitur am Johanneum gemacht, Laurens Faure besuchte die Thomas-Mann-Schule. Anschließend studierten beide in München, Schiffner Architektur und Design an der Technischen Universität, Faure Betriebswirtschaftslehre. „Schon im Studium hatte ich viel mit 3-D-Druck zu tun“, erzählt der Firmengründer. „Wir wollten ein Produkt aus dem 3-D-Drucker herausbringen und haben dafür einen namhaften Keramik-Hersteller angesprochen, aber der hat abgelehnt. So kamen wir auf die Idee, es selbst zu versuchen“, erzählt er. 3-D-Druck habe viele Vorteile, man könne schnell und flexibel produzieren und habe große Formfreiheit. „Wir arbeiten eng mit der Firma ExOne zusammen, von der wir die Maschinen geleast haben. Wir arbeiten auch gemeinsam unter einem Dach.“

„Nein, wir haben nicht auf Sand gebaut“, sagt der Lübecker Peter Schiffner und lacht. Aber das stimmt nur im übertragenen Sinn, denn Sand ist elementar für seine Geschäftsidee. Der 26-jährige hat die Firma „Sandhelden“ gegründet, die er mit Laurens Faure (27), ebenfalls ein Lübecker, führt.

Die Herstellung sei im Grunde sehr einfach. Man brauche für ein Waschbecken aus Sand nur eine 3-D-Datei mit allen nötigen Informationen über Form und Beschaffenheit, dann drucke die Maschine das Stück im Direct-Binding-Verfahren. „Wir wollten ein naturnahes Produkt schaffen, arbeiten daher mit einem Bindemittel ohne Chemie“, erzählt Schiffner. Der Sand, den sie verwenden, komme hauptsächlich aus der Türkei, aber auch aus verschiedenen anderen Ländern. Jeder Sand habe seine Eigenheiten in Farbe und Konsistenz. „Die Farbe kann man so natürlich belassen, wie sie ist, aber wenn ein Kunde gerne ein blaues Waschbecken haben möchte, dann ist das kein Problem, dann wird das Becken farbig beschichtet.“ Man könne die Ware ganz auf die Wünsche der Käufer zuschneiden. Niemand müsse im Übrigen Angst davor haben, dass ein Waschbecken aus Sand bei der ersten größeren Belastung zerbröselt. Das Materialprüfungsamt habe die Produkte getestet, die mögliche Druckbelastung sei „höher als bei Stahlbeton“, versichert Schiffner.

Die ersten Schritte von der Idee bis zur Firmengründung waren nicht ganz einfach, räumt der junge Unternehmer ein, denn gerade in einem kostspieligen produzierenden Gewerbe sei es nicht leicht, an Investoren zu kommen. „Vor zwei Jahren haben wir dann einen strategischen Investor gefunden, durch den wir das Startkapital von 300000 Euro aufbringen konnten.“ 2015 starteten die „Sandhelden“ – weil es so „simpel herstellbar“ war, war der Erstling tatsächlich ein Waschbecken.

Mittlerweile arbeiten zehn Leute im Team. Schiffner ist für das Innovationsmanagement zuständig, Faure für die betriebswirtschaftlichen Aufgaben und die Buchhaltung, auch sechs freischaffende Designer sind mit an Bord. Die offizielle Firmenadresse ist noch der Gründungsort Lübeck, wo Schiffner und Faure nach ihrem Studium lebten. Aber mittlerweile sind die „Sandhelden“ mit ihrer Produktion schon länger Untermieter bei ExOne in Gersthofen bei Augsburg. Zurzeit produzieren sie etwa zehn Waschbecken im Monat und rund 40 Interieurprodukte. „Wir drucken nur auf Bestellung, betreiben also keine Lagerhaltung“, sagt Peter Schiffner. Von der Bestellung eines Produktes bis zur Lieferung dauere es zwei bis drei Wochen. Ein Waschbecken aus Sand gibt es ab 500 Euro, eine Vase ab 60 Euro.

Seit etwa drei Monaten sind die „Sandhelden“ im Online-Markt unterwegs, haben eine moderne Website, um ihre Waren zu präsentieren, und nutzen für den Vertrieb auch die Plattform Instagram. Ab Mitte Januar 2018 haben sie die Möglichkeit, in den Elements-Läden der GC-Group auszustellen.

„Die Verkäufe laufen gut“, sagt Schiffner, „jetzt sind wir in Gesprächen mit Investoren, um unser Geschäft zu erweitern“. Die „Sandhelden“ wollen sich vergrößern – und bauen dabei nicht nur auf Sand.

Es kommt Neues hinzu, Vasen aus Carbon zum Beispiel. Die neueste Idee: gedruckte Produkte aus zerkleinertem Kunststoffmüll. „Davon versprechen wir uns viel“, sagt Firmengründer Schiffner.

Jetzt schon bewerben: LN-Existenzgründerpreis 2018

Zum achten Mal loben die Lübecker Nachrichten einen Preis für mutige Firmengründer aus.

Für die Verleihung des LN-Existenzgründerpreises im Frühjahr 2018 können Sie sich schon jetzt bewerben. Teilnahmeberechtigt sind volljährige Existenzgründer mit Unternehmen, die nach dem 1.

Januar 2014 gegründet wurden und ihren Sitz im Raum Lübeck haben. 5000 Euro gibt es für den Existenzgründerpreis, gestiftet von Juwelier Mahlberg, 3000 Euro für den LN-Innovations- und Mutpreis für eine ungewöhnliche Geschäftsidee.

Bewerber fordern die Unterlagen

unter existenzgruenderpreis@

LN-Luebeck.de an oder:

www.LN-existenzgruenderpreis.de

Christian Risch

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