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Wirtschaft im Norden Arbeiten auf eigene Rechnung
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06:00 30.09.2018
Andreas Warée (vorn) und Christian Geppert haben sich mit der Hanseatischen Rohrreinigung in Lübeck-Schlutup selbstständig gemacht. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Zupacken können sie. Schon als Angestellte haben Christian Geppert (44) und Andreas Warée (40) viel gearbeitet. Seit eineinhalb Jahren schuften sie nun auf eigene Rechnung – für ihre Firma Hanseatische Rohrreinigung GmbH. Ihr Spezialgebiet: Die Sanierung von Abwasserleitungen im Bestand.

Rohrsanierung macht 70 Prozent des Geschäfts aus

Von Anfang an sei klar gewesen, dass sie die sogenannte Schlauchlinersanierung anbieten wollen, erzählt Geppert in der Firmenbasis im Lübecker Stadtteil Schlutup. In einer 450 Quadratmeter großen Halle sind die Bauabteilung und das Büro untergebracht.Damit müsse man die Abwasserleitungen am Haus nicht aufgraben. Statt dessen wird ein Schlauch aus Fleece oder Glasfasermatten in Epoxidharz getränkt und mit Druckluft in die bestehende Rohrleitung geschossen, wo er nach wenigen Stunden aushärtet. „Das macht kaum Dreck und dauert nur wenige Tage“, berichtet Geppert, der auf 20 Berufsjahre zurückblicken kann. Nach demselben Prinzip können auch schadhafte Stellen im Rohrsystem, beispielsweise auch in Fallsträngen oder in abzweigenden Leitungen repariert werden. Anders als in Süddeutschland werde dieses Verfahren hier noch nicht so häufig angewandt. „Das ist ein bisschen kompliziert. Aber wir basteln gern“, sagt sein Kollege Warée, gelernter Gas- und Wasserinstallateur.

Denn zunächst mal gilt es, die Rohrbrüche zu entdecken. Mit einer Kamera, die durch die bestehenden Rohrsysteme geschoben wird, können undichte Stellen oder eingewachsene Wurzeln geortet werden. Kleinere Lecks, die vielleicht für Geruchsbelästigung sorgen, können zudem durch Nebel sichtbar gemacht werden. Neben der Sanierung, die ungefähr 70 Prozent des Geschäfts ausmacht, rücken die beiden auch zur Rohrreinigung an – mit Drahtspiralen oder Wasserhochdruck können Verstopfungen gelöst werden.

Es gab auch schlaflose Nächte

Die Idee, sich selbstständig zu machen, musste ein Jahr reifen und gut vorbereitet werden. Mit professioneller Hilfe erstellten sie einen Business-Plan. „Da gab es auch schlaflose Nächte und Sorgen, ob wir das finanziell überhaupt schaffen werden“, erzählt Geppert. Auch ein eingängiger Name musste her. „Der Hanseat ist ein ehrlicher Kaufmann“, erklärt Geppert ihre Wahl. Gestartet sind sie dann mit etwas Startkapital und ihrer Arbeitskraft. Ein Jahr Zeit wollten sie sich geben. Dann wisse man in etwa, wo der Weg hingeht, haben sie sich gesagt.

Und Aufträge gibt es reichlich, die beiden haben vor allem in Lübeck und Ostholstein jede Menge zu tun. „Die alten Gussleitungen aus den 60er und 70er Jahren gehen jetzt kaputt“, sagt Geppert. Der Arbeitstag der „Hanseatischen Rohrreiniger“ beginnt morgens um 6 Uhr – und dauert meist bis 20 Uhr. Mehr als 14 Tage Urlaub waren für die beiden Geschäftsführer seit der Firmengründung im März 2017 nicht drin. Dennoch haben sie ihren Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut.

Jetzt bewerben: LN-Existenzgründerpreis

Zum neunten Mal loben die Lübecker Nachrichten einen Preis für mutige Firmengründer aus. Für die Verleihung des LN-Existenzgründerpreises am 8. Mai 2019 können Sie sich ab jetzt bewerben. Teilnahmeberechtigt sind volljährige Existenzgründer mit Unternehmen, die nach dem 1. Januar 2015 gegründet

wurden und ihren Sitz im LN-Verbreitungsgebiet haben. Mit 5000 Euro ist der Existenzgründerpreis dotiert, gestiftet von Juwelier Mahlberg, mit 3000 Euro der LN-Innovations- und Mutpreis für eine ungewöhnliche Geschäftsidee. Der LN-Nachfolgepreis (3000 Euro, gestiftet von der Bockholdt KG) soll einem Unternehmen zugute kommen, das den Generationswechsel auf besonders gelungene Weise bewältigt. Die Bewerbungsunterlagen sind erhältlich unter

existenzgruenderpreis@LN-Luebeck.de

oder klicken Sie hier für mehr Informationen

„Man hat die Freiheit, alles selbst zu entscheiden“, sagt Warée. „Wir können selbst bestimmen, welchen Weg wir gehen wollen“, formuliert es Geppert. Vier Spülfahrzeuge haben sie inzwischen angeschafft, sechs Mitarbeiter eingestellt. Dazu gehört auch die „gute Perle im Büro“, die Mails beantwortet, Angebote schreibt und die Abrechnungen macht. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft“, meinen die beiden Handwerker. Ihr Tipp für alle, die über eine Unternehmensgründung nachdenken: „Mut muss man haben, und fleißig muss man sein.“ Und dabei soll es bleiben. „Sonst wird es zu unübersichtlich“, meint Geppert.

Julia Paulat

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