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Wirtschaft im Norden Lufthansa-Chef setzt auf harten Sparkurs
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Lufthansa-Chef setzt auf harten Sparkurs
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18:25 18.06.2016

Frankfurt am Main. Trotz des Rekordgewinns im vergangenen Jahr zieht die Lufthansa in allen Bereichen die Kostenbremse an. Die vom Billig-Kerosin gestützte Luftverkehrs-Konjunktur kann sich schnell abkühlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich bis dahin viel vorgenommen, um Europas größten Luftverkehrskonzern neu aufzustellen.

„Für kriselnde Airlines ist das vielleicht der letzte Strohhalm, für Lufthansa ein Höchstmaß an Flexibilität.“ Heinrich Großbongardt,

Luftfahrtexperte

Lufthansa Cargo: Die Frachtsparte der Lufthansa leidet unter den vom Billigkerosin angeheizten Überkapazitäten am Markt. Reine Frachtflugzeuge voll zu bekommen, wird immer schwieriger. Deswegen soll Lufthansa Cargo nun 80 Millionen Euro im Jahr sparen. Weltweit fallen 800 Vollzeitstellen weg, davon 500 in Deutschland. Der Bau des neuen Frachtzentrums am Drehkreuz Frankfurt ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

LSG Sky Chefs: Die Cateringsparte stand im Konzern schon öfters auf der Kippe. Nun will Lufthansa den Weltmarktführer in Sachen Bordverpflegung bis 2021 selbst auf Niedrigkosten trimmen. In Deutschland wackelt jede dritte von 5500 Vollzeitstellen, wenn zumindest die simplen Gerichte für die Europastrecken in Tschechien billiger zubereitet werden. Die Gewerkschaft Verdi sieht sich getäuscht, weil die Mitarbeiter in den Großküchen schon seit 2013 auf Gehaltsteile verzichtet haben, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nur bis Ende 2020 ausgeschlossen.

Lufthansa Technik: Trotz deutlicher Gewinnsteigerung 2015 muss auch der Weltmarktführer der Flugzeugwartung sparen. Um den Zuschlag für Langzeitverträge für neue Triebwerkstypen zu erhalten, müssten die Kosten insbesondere an den deutschen Standorten sinken. Schon heute arbeitet mehr als die Hälfte der über 20 000 Techniker an ausländischen Standorten.

Ausbau Eurowings: Lufthansa hat jüngst vorgestellt, wie sie sich die Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften unter dem Markendach „Eurowings“

vorstellt. Das Konzept „Wingsconnect“ reicht vom Leasing einzelner Flugzeuge samt Crew bis hin zu Kapitalverflechtungen zwischen der Partner-Airline und Eurowings. Angeblich gibt es bereits ein knappes Dutzend Interessenten. Das Angebot dürfte vor allem für kleinere Gesellschaften in Nord- und Osteuropa interessant sein, die alleine nicht überlebensfähig sind. Lufthansa kann so billiges Personal einsetzen, ohne die Leute selbst einzustellen. Nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt muss die Eurowings schnell wachsen, um mit kostengünstigeren Konkurrenten wie Ryanair oder Easyjet einigermaßen mithalten zu können. „Für kriselnde Airlines ist das vielleicht der letzte Strohhalm, für Lufthansa ein Höchstmaß an Flexibilität.“ Bleibt die Frage, wie die neuen Airlines auf ein akzeptables Service-Niveau gehievt werden können. „Zur Sicherheit wird es sicherlich strenge Vorgaben geben. Es bleibt aber darüber hinaus sehr schwierig, mit so vielen Partnern ein homogenes Produkt zu organisieren“, sagt Berater Gerald Wissel.

Christian Ebner

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