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Lufthansa-Chef vor Abflug in die Schweiz

Frankfurt/Main Lufthansa-Chef vor Abflug in die Schweiz

Christoph Franz verlässt die deutsche Traditions-Fluglinie und wechselt zum Pharma-Riesen Roche nach Basel.

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Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz posiert vor einem Modell der Lufthansa Boeing 747-8: Gestern kündigte der Topmanager an, die Fluggesellschaft zu verlassen und zum Schweizer Pharma-Konzern Roche zu wechseln.

Quelle: Foto: dpa

Frankfurt. Der überraschende Abgang von Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz trifft Europas größte Fluggesellschaft mitten im tiefgreifendsten Umbau ihrer Geschichte. Franz hat das umfassende Sparprogramm „Score“ mit erheblichen Auswirkungen auf Kunden und Beschäftigte zwar angeschoben, doch nun verlässt er das Konzern-Cockpit vor der Landung.

Beim branchenfremden Schweizer Chemie-Riesen Roche locken ein vielfaches Gehalt, größere Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Lebensqualität. Denn nach dem Ende der von ihm geleiteten Sanierung der Fluggesellschaft Swiss hat Franz den Familienwohnsitz in Zürich beibehalten. „Dies ist ein passender Zeitpunkt für einen Führungswechsel“, sagte er.

Bei Experten und Börse kam die Nachricht vom Abgang des Konzern-Piloten nicht gut an, der Kurs der Kranich-Aktie sackte trotz Dax-Rekord erst einmal ab, erholte sich aber schnell. Als möglicher Nachfolger für Franz gilt der bisherige Passage- Chef Carsten Spohr — aber auch der Cargo-Vorstandsvorsitzende Karl Ulrich Garnadt und der Chef der Schweizer Konzerntochter Swiss, Harry Hohmeister. Die Ver.di-Gewerkschafterin und Lufthansa-Aufsichtsratsvize Christine Behle rät zu einer besonnenen und geordneten Suche.

„Franz hat beharrlich an den Kosten gebohrt. Das war seine ganz große Stärke“, sagt der Analyst der Metzler-Bank, Jürgen Pieper. „Aber er hat die Leute nicht richtig mitgenommen.“ Hier könnte ein Ansatzpunkt für den möglichen Nachfolger Spohr liegen, meint Pieper. „Er hat mehr Stallgeruch und mehr Rückhalt im Unternehmen als Franz, gilt zudem als guter Motivator. Er ist ein sehr guter Kandidat.“ Bei Ver.di und den weiteren Lufthansa-Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit dürften dem alten Chef nur wenige Tränen nachgeweint werden. Für die Beschäftigten war es mit Franz‘ Amtsantritt 2011 immer ungemütlicher geworden. Von den konzernweit 117 000 Arbeitsplätzen stehen 3500 auf der Score-Streichliste, der traditionsreiche Konzernsitz in Köln wird geschlossen, die Tochter Austrian ist bereits komplett umgekrempelt. Und abseits der Drehkreuze Frankfurt und München übernahm der konzerneigene Billigflieger Germanwings das Europageschäft der Kranichlinie — zu deutlich schlechteren Konditionen für die Mitarbeiter. Unter den Beschäftigten trug „Score“ bald den Namen „Scare“ — zu Deutsch: der Schrecken.

Franz und auch Spohr an seiner Seite verlangten von den Tarifpartnern Sparbeiträge statt Gehaltserhöhungen. Ergebnis waren heftige Tarifkonflikte, die in einem mehrtägigen Streik der bis dahin als brav geltenden Flugbegleiter gipfelten. Die mächtigen Piloten sind seit mehr als einem Jahr ohne neuen Tarifvertrag und mit den einseitig von Lufthansa gekündigten Betriebsrenten steht ein neuer Großkonflikt auf der Agenda.

Auch ein neuer Chef muss den Kranich auf Sparkurs halten: Billigflieger wie Ryanair und Easyjet setzen die einstigen Staatsfluglinien unter Druck.

Größte Fluggesellschaft Europas
103 Millionen Passagiere haben die Lufthansa und ihre Tochterunternehmen Swiss, Austrian Airlines oder die Billigtochter Germanwings im vergangenene Jahr befördert. Dazu kommen 1,972 Millionen Tonnen Fracht. Die im Börsen-Leitindex Dax notierte Deutsche Lufthansa AG ist auch in den Bereichen Technik, IT und Catering weltweit aktiv. Sie war von Passagierzahlen und Umsatz im vergangenen Jahr die größte Fluggesellschaft in Europa und beschäftigte über 117 000 Mitarbeiter.

Bei einem Umsatz von 30,1 Milliarden Euro erreichte die Lufthansa 2012 nur einen operativen Gewinn von 524 Millionen Euro.

LN

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