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Wirtschaft im Norden Marode Schleusen: Sanierung ab Herbst
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Marode Schleusen: Sanierung ab Herbst
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20:24 28.04.2016
Matthias Visser, zuständiger Sachbereichsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau, braucht mehr Personal für den Bau.

Zwei Containerriesen liegen dicht nebeneinander in einer der zwei großen Schleusen in Kiel-Holtenau. Die großen Schiffe wollen durch den etwa 100 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal in die Nordsee. „Ein Drittel der Schiffe fährt nach Hamburg“, erklärt Matthias Visser, zuständiger Sachbereichsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau. Durch die Abkürzung ersparen sich die Frachter einen knapp 400 Kilometer langen Umweg um Dänemark. Die Schleuse mit zwei kleinen und zwei großen Kammern ging 1895 in Betrieb. „Der Nord- Ostsee-Kanal ist genauso alt wie die Schleuse“, sagt Visser.

Nord-Ostsee-Kanal: Die Anlagen in Kiel stammen noch von 1895.

Seitdem wurde kaum etwas an dem Bauwerk getan. Mit erheblichen Folgen: „Die kleine Schleuse ist komplett kaputt“, sagt Visser. Deshalb wird sie für 240 Millionen Euro neu gebaut.

Ab Herbst beginnen erste Sicherungsmaßnahmen.

Matthias Visser bleibt auf der Brücke, die über die 125 Meter lange kleine Schleuse führt, stehen. Die Kammer ist leer, nur ein paar Möwen haben es sich auf den Dalben gemütlich gemacht. Das Mauerwerk ist völlig zerstört, ein 30 Zentimeter großer Riss wurde festgestellt. „Es sind schwere Schäden an den Außenmauern. Rechtlich musste die Schleuse geschlossen werden“, sagt Visser.

15 000 Sportboote fahren im Jahr durch die kleinen Kammern. 20 Euro kostet die Durchfahrt. Derzeit und auch während der Sicherung müssen Hobbyskipper auf die große Schleuse ausweichen. Lange Wartezeiten sind die Folge. Das WSA kommt den Eignern aber entgegen. „Derzeit kassieren wir Sportboote nicht ab“, berichtet Visser. Zukünftig ist ein Steg für die Bootsinsassen geplant, damit sie besser aus der großen Schleuse aussteigen und an einem Automaten, der in Planung ist, zahlen können. „Wir wollen vermeiden, dass sich die Bootseigner in der großen Schleuse verletzen“, sagt Visser.

Zu Beginn der Arbeiten werden zunächst sogenannte Fangdämme (gegeneinander verschraubte Spundwände) vor die Schleuseneingänge gesetzt. Wenn schweres Gerät jedoch rangefahren wird, könnten die Schleusenmauern einstürzen. Deshalb werden die Kammern mit 200 000 Kubikmeter Sand aufgefüllt, damit die Baugeräte auf dem Sand sicher stehen und arbeiten können. Eine andere Idee sei nicht in Sicht.

Die kleine Schleuse soll zukünftig als Bypass für die große Schleuse genutzt werden, denn auch die große Schleuse ist sanierungsbedürftig. Wenn jeweils eine Kammer wegen Umbau gesperrt wird, bleibt der reibungslose Ablauf jedoch erhalten. Die zukünftig sanierte kleine Schleuse ist nämlich dann 155 Meter lang. „Dann können auch längere Fahrzeuge durchfahren“, sagt Matthias Visser. Zwei Drittel der Schiffe, die in Kiel geschleust werden, passen auch durch die kleinen Kammern. Das restliche Drittel kann seinen Weg in einer Kammer der großen Schleuse fortsetzen. Ein Neubau einer fünften Schleuse wie in Brunsbüttel für 530 Millionen Euro ist nicht nötig. „Wir kriegen das mit der Menge an Schiffen hin. Deshalb reicht die kleine Schleuse als Bypass“, sagt Visser.

Ob der Ersatzneubau tatsächlich vom Bund genehmigt wird, kann Visser nicht sagen. Laut der Initiative Kiel-Canal werde das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Jahr 2017 beginnen, die Ausschreibung sei für Anfang 2019 geplant. „Nach Fertigstellung der neuen kleinen Schleusen soll dann die Instandsetzung der beiden großen Kammern in Kiel folgen, und zwar mit einem ähnlichen Zeitbedarf wie in Brunsbüttel“, sagt der Vorsitzende Jens Knudsen. Für den Bau braucht die Verwaltung jedoch mehr Personal. „Der jahrzehntelange Personalabbau rächt sich jetzt“, sagt Knudsen. Eine geringe Personaldecke würde unweigerlich zu Bauverzögerungen führen.„Dies muss unbedingt vermieden werden“, fordert der Chef der Initiative.

Ein Milliarden-Projekt

Mit dem Ausbau der Oststrecke, der Vertiefung des Nord-Ostsee-Kanals, dem Neubau der Hochbrücke Levensau, dem Neubau des Straßentunnels Rendsburg, der Reparatur der Schwebefähre Rendsburg und der Sanierung der Schleuse Kiel-Holtenau gehen laut Matthias Visser vom WSA Kiel-Holtenau die Kosten für die Instandhaltung am Kanal in die Milliarden. Allein der Bau der fünften Schleuse in Brunsbüttel kostet den Bund 530 Millionen Euro.

Nach Angaben der Initiative Kiel-Canal (IKC) wird der 2014 vorgestellte Zeitplan für die Modernisierung des Kanals größtenteils eingehalten. Die Anpassung der Oststrecke vor Kiel werde sich jedoch nach jetzigem Stand um zwei Jahre verzögern. Fertigstellung ist also erst 2026. Der zu geringe Personalbestand der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sei — in Verbindung mit der Konkurrenz zwischen verschiedenen Projekten auf Bundesebene — Grund für die Verzögerung.

Von Beke Zill

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