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Wirtschaft im Norden Mehdorn boxt sich durch
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Mehdorn boxt sich durch
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22:27 24.10.2013
Hatten Differenzen: Hartmut Mehdorn (r.) und Horst Amann. Quelle: dpa

Horst Amann verschwindet durch den Hinterausgang — es ist der klanglose Abgang eines Hoffnungsträgers. Als Ober-Bauleiter des neuen Hauptstadtflughafens hat sich der sturmerprobte Hesse nur 15 Monate gehalten. Der Moloch Schönefeld hat einen weiteren Geschäftsführer verschlissen, den dritten in nicht einmal eineinhalb Jahren.

Doch nicht die Großaufgabe brachte den Mann zu Fall, sondern sein Gegenüber: Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat sich die Bahn freigeboxt. Er steht nun allein dafür gerade, dass der Flughafen an den Start geht. Doch der Weg dahin ist lang — noch immer.

Vier Eröffnungstermine sind seit Baubeginn geplatzt, die Kosten verdoppeln sich — mindestens — und erreichen womöglich fünf Milliarden Euro. Und noch immer klingt es nach Aufsichtsratssitzungen so, als sei man erst am Anfang. „Wir sehen noch viele Hindernisse“, sagt der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). So kündigt er an, dass nun die Planung für Umbauten am Brandschutz vergeben wird. Eineinhalb Jahre können die Arbeiten dauern, dann muss es einen Probebetrieb geben, der Flughafen wäre frühestens im Sommer 2015 startklar. Wowereit nennt keinen Termin.

Das Projekt hätte es wohl nicht vertragen, wenn sich die Alphatiere Mehdorn und Amann noch über Jahre unversöhnlich gegenüberstehen. „Es gab aus meiner Sicht keine andere Lösung, als eine Trennung herbeizuführen“, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister und Aufsichtsrat Ralf Christoffers (Linkspartei) im RBB-Inforadio und verweist auf persönliche wie inhaltliche Differenzen.

Mehdorn störte vor allem, dass der frühere Chefplaner des Flughafens in Frankfurt viel Zeit brauchte, um erst einmal alle 60 000 Mängel im Terminal zu erfassen und währenddessen nicht baute. Amann hielt dagegen Mehdorns Pläne für übereilt und nicht durchdacht, etwa noch vor der Eröffnung des Flughafens schon in einem Seitenflügel einen Testbetrieb zu starten.

Beide beschwerten sich übereinander beim Aufsichtsrat. Der Bau geriet aus dem Blick. Und so wurde die „Trennung“ schon seit Wochen in die Wege geleitet, wie in Aufsichtsratskreisen zu hören ist. Dass der Aufsichtsrat ihn nun zu einer Tochterfirma verbannt — bisher nur ein aus formellen Gründen eingerichteter Ein-Mann- Betrieb, der die Flughäfen mit Energie- und Wasser versorgt — das ist für Mehdorn zwar ein Sieg, aber keiner auf ganzer Linie. Denn der 71-Jährige wollte Amann gänzlich loswerden, muss ihn aber weiter im Unternehmen dulden.

LN

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