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Wirtschaft im Norden Mehr Angriffe: Bahn rüstet Mitarbeiter mit Bodycams aus
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Mehr Angriffe: Bahn rüstet Mitarbeiter mit Bodycams aus
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21:18 29.06.2017
Die Gefilmten können auf den Monitoren der Bodycams ihr eigenes Verhalten sehen. Quelle: Foto: Oliver Berg/dpa
Lübeck/Hamburg

Diese sollen nicht „nach dem Gießkannenprinzip auf ganz Deutschland verteilt werden“, sondern dort eingesetzt werden, wo es oft Konflikte zwischen Bahnfahrern und Mitarbeitern gebe. Der Hamburger Hauptbahnhof soll beim Start dabei sein, genauso wie Berlin, München, Leipzig und die größeren Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen. „Wir werden das Ganze dann nach und nach erweitern“, sagte der Sprecher.

Bombardier streicht Stellen

Jeder vierte Arbeitsplatz könnte beim Zughersteller Bombardier Transportation in Deutschland wegfallen. Der Konzern kündigte gestern an, in den kommenden drei Jahren bis zu 2200 seiner 8500

Arbeitsplätze hierzulande zu streichen. „Wir müssen uns neu aufstellen“, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer nach einer Aufsichtsratssitzung. Das Kontrollgremium billigte einvernehmlich Eckpunkte für einen Umbau.

Die Mitarbeiter sollen nicht rund um die Uhr mit den Körperkameras herumlaufen, sondern sie in „kritischen Situationen“ anlegen. Dazu zählten etwa die Abendstunden, die Wochenenden und die Zeiten rund um Großveranstaltungen wie Sportevents oder Volksfeste. So sei es zum Beispiel in Schleswig-Holstein denkbar, dass die Bodycams während der Travemünder und der Kieler Woche zum Einsatz kommen.

„Nach Volksfesten, auf denen viel Alkohol getrunken wird, kommt es erfahrungsgemäß oft zu Pöbeleien und Attacken gegen Bahnmitarbeiter“, sagte der Sprecher. Auch an Fußballspieltagen könnten die neuen Geräte im Norden genutzt werden, heißt es.

Die Kameras sollen der Bahn zufolge auf Knopfdruck und nur nach Ankündigung aktiviert werden. Die Aufzeichnungen werden demnach verschlüsselt gespeichert. Nur die Bundespolizei könne bei strafrechtlichen Ermittlungen darauf zugreifen. Datenschützer sind skeptisch. „Es darf nicht passieren, dass wir keinen Schritt mehr machen können, ohne gefilmt zu werden“, sagt Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins. Wichtig sei, dass die Kameras wirklich nur im Ausnahmefall eingeschaltet würden. Auch müsse sichergestellt werden, dass die Videos nicht hinterher zum Spaß

im Internet hochgeladen werden.

Generell habe sie aber Zweifel, ob sich gerade Betrunkene durch die Bodycams von Fehlverhalten abhalten ließen, sagt Hansen. Die Deutsche Bahn ist dagegen vom Nutzen der Technik überzeugt. Von August 2016 bis März dieses Jahres hätten bereits rund 50 Sicherheitskräfte in Berlin und Köln die Geräte getestet. Mehr als 8800 Einsatzstunden seien damit absolviert worden. „Unsere Tests waren durchweg positiv“, sagte Ronald Pofalla, Infrastrukturchef der Bahn. Sicherheitsteams mit Bodycam seien kein einziges Mal angegriffen worden. Ein eingebauter Monitor, auf dem Angreifer ihr eigenes Verhalten sehen können, habe einen präventiven Effekt. Und genau darum geht es der Bahn. Denn die Attacken auf ihre Mitarbeiter haben zugenommen. 2016 registrierte der Konzern 2300 Fälle, knapp ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

Die Bodycams seien als Ergänzung zur Videotechnik in den Bahnhöfen und Zügen gedacht, heißt es. So will die Bahn bis Ende des Jahres etwa 7000 Kameras auf rund 1000 Bahnhöfen betreiben – 20

Prozent mehr als 2016. In den Zügen des Regional- und S-Bahnverkehrs sind den Angaben zufolge deutschlandweit bereits 28000 Kameras installiert. Diese großflächige Videoüberwachung sehe sie viel kritischer als die Bodycams, sagt Hansen. „Dabei erfolgt eine biometrische Gesichtserkennung. Dadurch lässt sich nachverfolgen, wo jemand langgegangen ist.“ Bei den Bodycams sei das nicht der Fall.

 Janina Dietrich

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