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Wirtschaft im Norden Mehr Frauen in Führungsjobs: Kongress soll Mut machen
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22:16 23.06.2017
Entspannen sich beide am liebsten bei Autofahrten: Ministerin Katarina Barley (l.) und Friederike C. Kühn entdeckten beim Kongress Gemeinsamkeiten.
Lübeck

Das Ziel müsse es sein, einen Kulturwandel hinzubekommen, erklärte Katarina Barley (SPD) gestern Nachmittag in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Die neue Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war beim Kongress „Mein Unternehmen Zukunft: Frauen in Führung im Norden“ zu Gast, der erstmals von der IHK Schleswig-Holstein organisiert wurde.

200 Teilnehmerinnen in Lübeck – Kielerin gewinnt Unternehmerinnen-Preis.

So geht es heute weiter

„Seien Sie merk-würdig“ empfiehlt Anja Mahlstedt. In ihrem Vortrag erzählt die Beraterin aus Wedel (Kreis Pinneberg) heute Vormittag den Kongressteilnehmerinnen, wie sich die eigene Marke stärken lässt. Es folgen mehrere Barcamps. Das sind offene Workshops mit interaktivem Programm, bei denen sich die Frauen gegenseitig inspirieren sollen.

„Es muss wirklich egal werden, ob sich ein Mann oder eine Frau um einen Posten bewirbt“, forderte die Politikerin.

Noch gebe es in der Arbeitswelt große Unterschiede, zum Beispiel beim Thema Existenzgründungen. „Die Unternehmen von Frauen sind meist kleiner und machen weniger Umsatz“, sagte Barley. „73 Prozent erwirtschaften weniger als 2000 Euro netto im Monat.“ Rund 200 Frauen und auch ein paar Männer verfolgten den Vortrag; er war einer von vielen Programmpunkten am ersten Tag des Kongresses. Wie gelingt es Frauen, in Führungspositionen zu kommen? Welche Eigenschaften sollten sie mitbringen? Welche Hürden könnte es geben? Geht das auch in reduzierter Arbeitszeit? Diese Fragen standen im Fokus.

„Wir haben Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und sogar Dänemark“, berichtete IHK-Präsidentin Friederike C. Kühn. Die Schirmherrin war sichtbar zufrieden mit der Resonanz. Ein Ziel sei es, den Teilnehmerinnen Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten, sagte sie. „Das fehlt leider vielen Frauen.“

Möglich war der Austausch in verschiedenen Fachforen, etwa zum Thema „Frauen in Führung – selbstbewusst an die Spitze“. Als Referentin diskutierte dort LN-Geschäftsführerin Stefanie Hauer mit Anja Babbe-Wulf, Regionaldirektorin Lübeck der Itzehoer Versicherungen, FH-Präsidentin Muriel Kim Helbig sowie Thomas Moldzio vom Institut für Personalauswahl Moldzio & Partner aus Tremsbüttel. „Meine Botschaft lautet: Wir Frauen müssen uns nicht beweisen, wir sind genauso gut – und das ist normal“, sagte Stefanie Hauer. Anja Babbe-Wulf pflichtete ihr bei. „Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Führungsarbeit.“ Babbe-Wulf empfahl Frauen mit Führungsambitionen, den Wunsch in Gesprächen zu kommunizieren und so auf sich aufmerksam zu machen. Was viele Frauen abschrecke, sei die Angst vor Kritik, berichtete Hauer. „Das müssen Sie ablegen. Es muss Ihnen egal werden, was die anderen denken“, sagte sie zu den Zuhörerinnen.

Am Abend gab es einen besonderen Höhepunkt: Im Kolosseum an der Kronsforder Allee vergab die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) den mit 5000 Euro dotierten ersten Unternehmerinnen- Preis an Inez Linke, Geschäftsführerin der Ocean-Basis GmbH in Kiel. Sie hat Produkte aus Extrakten von Algen oder Quallen entwickelt. Es geht ihr darum, Wirkstoffe aus dem Meer für den Menschen nutzbar zu machen. „Mit dem Preis wollen wir erfolgreiche Frauen aus Schleswig-Holstein sichtbar machen – damit sie als Vorbild dienen und andere Frauen motiviert werden, ebenfalls unternehmerische Verantwortung zu übernehmen“, sagte IB.SH-Vorstandschef Erk Westermann-Lammers. Neben Inez Linke waren Lydia Rahaus aus Kiel und Dagmar Christine Schneider aus Lübeck nominiert.

Alle Nominierten, aber auch alle übrigen Bewerberinnen seien „starke Vorbilder“, sagte Westermann-Lammers. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne), die an einer Podiumsdiskussion bei der Festveranstaltung teilnahm, sagte, die Verleihung des Preises sei ein „wichtiges und motivierendes Signal“ an die Frauen im Land, die ein Unternehmen führen oder gründen wollen. Um den Preis hatten sich 107 Frauen beworben.

Janina Dietrich und Christian Risch

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