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Metalldrücken: Das vergessene Handwerk

Westerau Metalldrücken: Das vergessene Handwerk

Der Job von Hans-Peter Jürß erfordert viel Feingefühl und viel Übung. Vor allem kleine Firmen beauftragen ihn.

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 3 Der Kreis wird eingespannt. Er rotiert. Mit der Drückrolle kann das Metall verformt werden.

Westerau. Als die viereckige Metallplatte in die Tafelschere geschoben wird, klappert es beträchtlich. Mit einem lauten Knacken ist der erste Schritt getan: Von der großen Platte ist ein kleines Quadrat abgetrennt. Dieses kann Hans-Peter Jürß nun bearbeiten. Der 51-Jährige ist Metalldrücker. Das Handwerk ist eine der ältesten Arten der Blechverformung, es hat sich aus dem Treiben weiterentwickelt. Von der Schifffahrt bis zur Röntgentechnik — in den verschiedensten Branchen kommen die in der Werkstatt in Westerau (Kreis Stormarn) hergestellten Teile zum Einsatz.

Rotationssymmetrisch muss das Ausgangsmaterial sein. „Deshalb wird als erstes aus den Metallplatten eine kreisförmige sogenannte Ronde geschnitten“, erklärt Hans-Peter Jürß. Er spannt das Metall in eine Kreisschere, dreht es. Ein Messer frisst sich durch das Material, bis die Ronde ausgeschnitten ist. Messing, Edelstahl, Kupfer und andere Bleche warten in der Werkstatt auf ihre Verarbeitung.

Welches Jürß einsetzt, kommt auf den Auftrag an. Halbkugeln, Kegel-Stümpfe, Zylinder und andere Gehäuse formt der Metalldrücker. Die Arbeitsschritte: kompliziert.

„Wenn ich jemandem das Prinzip meines Berufs zeigen möchte, mache ich einen Kerzenhalter“, sagt Jürß. Gesagt, getan. Er spannt die Ronde in das nächste Gerät, die Drückmaschine. Surrend setzt sie die Scheibe in Bewegung. Mit einem Pinsel trägt der Fachmann Fett auf das Material, damit es nicht reißt, erklärt er. Mit der Drückrolle, an der zwei lange Griffe befestigt sind, wird das Metall dann geformt. Immer wieder gleitet Hans-Peter Jürß über die Flächen, dabei variiert er den Druck. „Außen braucht man weniger, innen mehr“, sagt er. Was einfach aussieht, erfordert jahrelange Übung.

Angefangen hat der gelernte Maschinenschlosser 1989 als Angestellter bei einem Gürtler und Metalldrücker. „Ich wusste vorher gar nicht, was das für ein Beruf ist“, gesteht Jürß. Fasziniert von der Arbeit kaufte er seinem damaligen Chef den Bereich der Metalldrückerei ab. „Als Selbstständiger habe ich in der Doppelgarage meiner Eltern angefangen.“ Während er erzählt, formt sich aus der Mitte der Scheibe ein Hohlraum. „Da soll die Kerze drin stehen können.“

Bevor das soweit ist, müssen die Seiten bearbeitet werden. Wieder rotiert das Metall — eingespannt im nächsten Gerät. Mit einem flachen Stiel, den er sich fest unter den Arm geklemmt hat, walzt Jürß

die Seitenflächen. „Als nächstes muss die untere Kante mit dem Handschneidewerkzeug geglättet werden“, sagt er. „Das Material dehnt sich beim Bearbeiten unterschiedlich aus und ist teilweise scharfkantig — das muss auf eine weiche Linie gebracht werden.“ Lange metallene Fäden lösen sich, als er sich ans Werk macht. Noch einmal geglättet ist der Kerzenhalter fertig.

„Die Teile, die ich für Kunden anfertige, brauchen viel mehr Zeit.“ Von den Erzeugnissen des Metalldrückers profitieren vollkommen unterschiedliche Branchen, sagt der Handwerker. Er zeigt eine Auswahl. „Das sind Radkappen für einen Oldtimer, diese Teile werden für Hörner in der Schifffahrt gebraucht, und diese sind die Gehäuse für die Messtechnik bei Coca Cola.“ Außerdem fertige er auch für die Röntgentechnik — alles aus einem Stück. „Da darf es keine Schweißnaht geben, die würde sonst auf dem Bild zu sehen sein“, sagt Hans-Peter Jürß.

Es sind vor allem Aufgabenstellungen kleiner Firmen, an denen der Fachmann arbeitet. „Meistens geht es um kleine Serien, so fünf bis 20 Stück.“ Verschiedenste Maschinen stehen in seiner Werkstatt bereit, einige werden nur wenige Mal im Jahr benutzt. „Aber ich brauche sie, weil ich sonst den Auftrag nicht bekomme.“ Mittlerweile sei es schwierig, Drückmaschinen für die Arbeit per Hand zu bekommen, die neuen sind computergesteuert. Da bleibt nur der Gang zum Gebrauchtwarenmarkt. „Da muss man sich was einfallen lassen“, sagt er. „Und die alten Geräte immer wieder restaurieren.“

„Das ist ein alter traditioneller Beruf“, sagt Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck. Im Bereich der Kammer, dem südlichen Schleswig-Holstein bis Kiel, gibt es nur noch vier Metalldrücker.

„Jeder Handwerksberuf ist wichtig. Solange der Bedarf da ist, hat auch dieser seine Berechtigung.“

• Ein Video über das Handwerk gibt es unter LN-Online.de

1 Aus einer Metallplatte wird ein quadratisches Stück geschnitten. Die Größe kann varieren.

Kim Meyer

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