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Meyer fordert nationales Tourismus-Konzept

Berlin Meyer fordert nationales Tourismus-Konzept

Das Tourismusgeschäft in Deutschland brummt rekordverdächtig. Allein in Schleswig-Holstein wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 21,3 Millionen Übernachtungen sowie 5,4 Millionen touristische Ankünfte gezählt – ein Plus gegenüber 2016 von jeweils 4,4 Prozent.

Berlin. Doch damit die Tourismusbranche weiterhin gut dasteht, müssen heute die Voraussetzungen, etwa bessere Verkehrsanbindungen und Digitalisierung, geschaffen werden. Das sagte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), der ehemalige Kieler Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer, jetzt im LN-Gespräch. „In den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition im Bund besteht die große Chance, eine Tourismuspolitik aus einem Guss zu etablieren“, sagt Meyer. „Jetzt müssen die Weichen in Richtung Zukunft richtig gestellt werden.“

 

LN-Bild

Reinhard Meyer.

Quelle: Foto: Dtv

Tourismus sei eine echte Wirtschaftskraft, die Zahlen sprächen für sich, argumentiert Meyer, der seit zehn Jahren an der Spitze des Dachverbandes von rund 100 kommunalen, regionalen und landesweiten Tourismusorganisationen steht. Geschäftsreisende, Urlauber und Tagesausflügler gaben im Vorjahr rund 287 Milliarden Euro für Urlaub und Mobilität in Deutschland aus. Fast drei Millionen Menschen sind im Tourismus beschäftigt. Mit 3,9 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung rangiert dieser Wirtschaftszweig noch vor dem Einzelhandel oder dem Maschinenbau.

Allerdings werde das jetztige Fördersystem der Bedeutung des Tourismus nicht gerecht, kritisierte Meyer. Allein innerhalb der Bundesregierung seien vier Ministerien – Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Forschung – zuständig. Eine effektive, abgestimmte Zusammenarbeit „funktioniert bis jetzt nicht“, sagte Meyer. Hinzu komme die Zersplitterung bei den Förderprogrammen. Es existierten Fördertöpfe im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe (GA) Agrar- und Küstenschutz neben der GA Regionale Wirtschaftsstruktur. Meyer plädierte dafür, „beides zusammen zu denken“. Es dürfe nicht formal nach einzelnen Förderinstrumenten unterschieden, sondern die Tourismuswirtschaft müsse als Ganzes betrachtet werden. Die neue Regierung sollte ein nationales Tourismuskonzept erstellen, das die Schwerpunkte und Ziele der Tourismuspolitik enthalte und alle wichtigen Akteure einbeziehe. Federführend solle das Wirtschaftsministerium in Berlin sein.

Die Bereiche, die der Bund in diesem Zusammenhang wirksamer fördern sollte, sind indes keine Überraschung. Das seien bessere Verkehrsanbindungen in die touristischen Destinationen. Doch was in den großen Städten schon gut funktioniere, sei auf dem flachen Land noch entwicklungsbedürftig. Ein Hauptproblem sei der Ausbau der Fernbahnstrecken. Es sei toll, wenn Urlauber von Berlin nach Hamburg mit dem Zug nur neunzig Minuten brauchen. Doch dass sie dann drei Stunden nach Westerland/Sylt benötigen, sei nicht gut. Auch andere touristische Regionen, etwa an der Mecklenburgischen Seenplatte, seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar, erklärte Meyer.

Oben auf der Wunschliste des DTV steht zudem der Breitbandausbau, und zwar nicht nur in großen Städten, sondern auch in ländlichen, strukturschwachen Räumen entlang der Küsten. „Das WLan am Strand ist ein Muss, nicht nur für junge Urlauber", sagte Meyer. Auch wenn man im Urlaub durchaus mal Offline gehen könne. rz

LN

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