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Wirtschaft im Norden Milchpreis unter 20 Cent: Bauern kommen nicht aus der Krise
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22:20 17.05.2016
Milchbauern bleiben derzeit oft nur verzweifelte Appelle an die Politik. Die Talfahrt der Milchpreise stürzt viele in die Existenzkrise. Quelle: Berg/dpa
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Lübeck

/Berlin. Die Hoffnung vieler Bauern, der Milchpreis könne sich von seiner Talfahrt erholen, scheint dahin; die Preise sinken immer weiter. Wie die FAZ gestern berichtete, zahlten einige Molkereien nur noch 18 bis 19 Cent für das Kilo Rohmilch. Viele Milchbauern bringt der Verfall in eine existenzielle Krise. Doch über eine passende Antwort darauf sind sich auch die Interessenverbände nicht mehr einig.

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Milchbauern bleiben derzeit oft nur verzweifelte Appelle an die Politik. Die Talfahrt der Milchpreise stürzt viele in die Existenzkrise.

Die Verzweiflung ist offenbar groß: In der vergangenen Woche waren 200 Milchviehhalter aus Schleswig-Holstein vor die Zentrale des Bauernverbandes gezogen, um gegen die Haltung ihres eigenen Verbandes zu demonstrieren. Viele fordern ein Bekenntnis zu einer Reduzierung der Milchmenge, was der Verband ablehnt. Aus dessen Sicht müsse vielmehr ein Bündnis von Meiereien den Handel zu besseren Preisen zwingen. „Den aktuellen Preisrutsch haben wir jedenfalls der Meiereibranche zu verdanken“, sagt Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbandes. Statt sich gemeinsam dem Druck des Handels entgegenzustellen, hätten sich die Betriebe gegenseitig sogar noch unterboten. Damit müsse Schluss sein. Eine Rückkehr zu einer Milchquote oder einem vergleichbarem Instrument lehnt Lüschow jedoch ab.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) geht dazu auf Distanz. Ein Meierei-Bündnis wäre zwar von Vorteil, räumt Kirsten Wosnitza, BDM-Beirätin für Schleswig-Holstein, ein. „Das ist aber kein Instrument, das in der derzeitigen Krise noch wirksam wäre.“ Angesichts der Konkurrenz aus dem EU-Ausland könne so ein Bündnis nicht genügend Marktmacht entfalten. Außerdem würde es nicht ändern, dass zu viel Milch am Markt sei – eine Folge des Preishöhenflugs zwischen 2012 und 2014 und der gesunkenen Nachfrage aus China und Russland.

Eine Rückkehr zur Quote wolle der BDM zwar nicht. „Es braucht aber ein wirkungsvolles Kriseninstrument auf EU-Ebene.“ Das könne auch eine Drosselung der EU-weiten Produktion für eine gewisse Zeit bedeuten. Überlasse man die Milcherzeugung aber allein Marktgesetzen, werde sich die Milchmenge zwar auch einpendeln – „dann aber auf dem harten Weg, dann werden viele Betriebe sterben“, prophezeit Wosnitza.

Die Bundesregierung hat den Ernst der Lage offenbar erkannt und ruft für Ende des Monats zu einem Milchgipfel. Genau wie der BDM sieht Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in der Eindämmung der Produktion zwar den einzigen Weg aus der Krise. Schmidt hält dabei aber nichts von politisch verordneten Quoten. Bei dem Milchgipfel wird es vor allem um Liquiditätshilfen für die krisengeplagten Betriebe in Höhe von 100 Millionen Euro gehen. Für Wosnitza ist das „unanständig“. Statt echter Krisenbewältigung würden damit nur Beruhigungspillen verteilt. Bei 75000 Betrieben in Deutschland bedeuteten die 100 Millionen nicht einmal 1400 Euro pro Hof. „Das ist nichts.“

Auch wenn viele Bauern das nicht so offen zugeben würden, „die Lage ist für einen Großteil der Betriebe katastrophal“, bestätigt Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck. Viele hätten in den vergangenen Jahren stark investiert und modernisiert, weil der Markt es verlangt habe. An ihren Kreditverpflichtungen gingen viele jetzt zugrunde. Blanck spricht sich zwar für einen freien Markt aus. „Das Problem ist, dass der Markt nicht fair ist. Nicht, wenn 85 Prozent des Einzelhandels in der Hand von vier Konzernen sind.“

Einzig die Biomilch-Produktion ist von der Krise bisher noch einigermaßen unbeeindruckt geblieben. Man habe die an die Bauern gezahlten Preise bisher nicht reduzieren müssen, sagt Janosch Raymann, Geschäftsführer der Hamfelder Hof Bauernmeierei in Mühlenrade (Herzogtum Lauenburg). Der Erzeugerpreis für Bio-Milch liege weiterhin bei gut 45 Cent pro Kilo.

 Oliver Vogt

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