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Mindestens fünf Bieter für Air Berlin

Berlin Mindestens fünf Bieter für Air Berlin

Ein Ex-Rennfahrer, ein Buchautor und eine Reihe von Konkurrenten – im Bieterkampf um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin greift eine bunte Schar nach dem Wühltisch, nach Flugzeugen und Landerechten. Nun muss entschieden werden. Jetzt endete die Bieterfrist.

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Maschinen von Lufthansa und Air Berlin: Gehören sie bald zum gleichen Konzern? Gestern endete das Bieterverfahren für Air Berlin.

Quelle: Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin. Bis zum Fristende gingen mindestens fünf Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft. Air Berlin sprach gestern nur von „mehreren“ Bietern und nannte keine Namen. „Das rege Investoreninteresse spricht für Air Berlin“, teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Ein Angebot hatte auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl angekündigt. Ob er tatsächlich zu den Bietern zählt, war gestern zunächst nicht zu erfahren.

„Wir werden nun bei der Prüfung der Angebote darauf achten, die bestmöglichen Lösungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu erreichen“, kündigte Winkelmann an. „Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen.“ Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte es als verantwortungslos, dass die Entscheidung nun erst am Tag nach der Bundestagswahl fallen soll. Bis vor Kurzem hatte Air Berlin Lösungen im Gläubigerausschuss für den 21. September angekündigt. Verdi vermutet, dass schlechte Nachrichten vor dem Wahltermin vermieden werden sollen – zum Beispiel, dass ein Kredit des Bundes für die Airline nicht zurückgezahlt werden könne oder dass mögliche Käufer die Beschäftigten nicht übernähmen.

In den vergangenen Wochen war öffentlich gut ein halbes Dutzend Interessenten gehandelt geworden. Lufthansa und Niki Lauda bestätigten gestern, dass sie zu den Bietern zählen, nannten aber keine Details. Beide interessieren sich für Teile der Fluggesellschaft, darunter die Tochter Niki. Lauda hatte am Donnerstag 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Easyjet teilte mit, Teile des Kurzstreckenangebots übernehmen zu wollen.

Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen bietet gemeinsam mit weiteren Investoren 100 Millionen Euro für die komplette Air Berlin und will bis zu 600 Millionen Euro in die Airline stecken. Entsprechende Informationen des „Handelsblatts“ wurden in Verhandlungskreisen bestätigt.

Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht hat es auf die Tochter Leisure Cargo abgesehen, die Frachtraum anderer Airlines vermarktet. Zudem will der Mittelständler Regionalflugzeuge und die Air-Berlin-Technik übernehmen. Damit würden rund 1000 Air-Berlin-Arbeitsplätze gesichert, heißt es in einem Brief an die Zeitfracht-Mitarbeiter vom Freitag.

Der Geschäftsführer der chinesischen Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, bat um mehr Zeit für ein Angebot, das er bis zum 22. September abgeben wolle. Ein Air-Berlin-Sprecher sagte dazu jedoch: „Es gelten für alle die gleichen Regeln.“ Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere Finanzspritzen für die defizitäre Airline ausgeschlossen hatte. Air Berlin betont stets, den Verkauf möglichst schnell abschließen zu wollen. Denn der Flugbetrieb wird nur noch durch den Kredit des Bundes aufrecht erhalten, der bis zu 150 Millionen Euro umfasst. Das größte Kapital sind ihre Start- und Landerechte. Auf sie hat es die Konkurrenz abgesehen.

Von Burkhard Fraune

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