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Wirtschaft im Norden Mit Lachyoga und Rückenschule: Firmen sorgen für gesunde Mitarbeiter
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11:18 31.12.2015
Lachen für die Gesundheit in der Arbeitszeit: Andreas Hinz (v.) vergisst beim Lachyoga mit Bärbel Adam (l.) allen Arbeitsstress. Fotos Olaf Malzahn

Die Mitarbeiter des Seniorenheims „Haus zur Eiche“ stehen im Kreis und lachen sich scheckig. Sie werfen mit Smiley-Luftballons durch die Gegend, docken lachend mit ihren Armen aneinander an und rufen „Sehr gut, sehr gut, yeah“. Das alles tun sie während ihrer Arbeitszeit. Die Pflegekräfte nehmen an einem Lachyoga-Kurs von Heilpraktikerin Bärbel Adam teil. Der Kurs ist Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements der Firma. Seit einem Dreivierteljahr bietet die Pflegeeinrichtung verschiedene Angebote für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter an. Geschäftsführerin Petra Groß-Schulte ist begeistert: „Seit wir das machen, sind unsere Krankmeldungen eklatant gesunken — auf unter ein Prozent.“

Laut Sozialministerium Schleswig-Holstein haben diese gesundheitsfördernden Angebote definitiv an Bedeutung gewonnen. „Arbeitgeber wissen, dass sie von gesunden Mitarbeitenden profitieren. Krankmeldungen gefährden Termine, verärgern Kunden und belasten das Betriebsklima, weil Arbeit auf weniger Schultern verteilt werden muss“, sagt Sprecher Frank Lindscheid. Das Sozialministerium versuche durch das Netzwerk „Gesa“ mehr Betriebe im Land von den Vorteilen des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu überzeugen.

Für die Pflegeeinrichtung „Haus zur Eiche“ hat Adam als Expertin für Gesundheitsmanagement die Mitarbeiter befragt. Zur Verbesserung der körperlichen Gesundheit ist eine Fortbildung geplant, bei der die Pfleger lernen, mit welchen Techniken sie beim Arbeiten ihren Rücken schonen können. „Aufgrund des Fachkräftemangels sind die Betriebe angehalten, ihre Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Deshalb müssen sie dafür sorgen, dass sie sich wohl fühlen“, erklärt sie. Und auch das seelische Wohl gehöre zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. „Das Klima in der Firma ist sehr wichtig.“ Dafür gibt Adam Schulungen für die richtige Kommunikation. Dazu müssen die Mitarbeiter mit verbundenen Augen einen Konflikt lösen. Rainer Wendt und Susanne Lütgens kommen schnell zu einem Kompromiss. Sie freuen sich über das Angebot. „In diesem Beruf ist man mit 40 Jahren auf. Da muss man etwas für sich tun“, sagt Wendt. Rückenbeschwerden und Stress seien Probleme. Die Kurse hätten ihm bereits geholfen. „Hier kann ich mich austauschen und stehe nicht alleine da“, stimmt Lütgens zu. Die AOK Nordwest führt jährlich mit bis zu 100 Betrieben im Land verschiedene Projekte durch. „Um die Herausforderungen der Globalisierung, Rationalisierung und des Fachkräftemangels erfolgreich zu meistern, bedarf es eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements. Damit verbessert sich die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Belegschaft und gleichzeitig wird langfristig die Produktivität und damit der Erfolg eines Unternehmens gesichert“, sagt Sprecher Jens Kuschel. Firmen, die den demografischen Wandel nicht beachten, würden erhebliche Wettbewerbsnachteile haben und könnten vom Markt verdrängt werden.

Zudem würden durch die Angebote leichter junge Talente an Firmen gebunden, ergänzt Ingo Weinreich vom Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement. „Die Angebote sind für die Leistungssteigerung wichtig.“ Denn die Störanfälligkeit in Betrieben sei gestiegen. Wenn ein Kollege ausfällt, führe das zu einer massiven Störung im ganzen System.

Die Mitarbeiter von der Pflegeeinrichtung fühlen sich am Ende der Lachyoga-Stunde dagegen sehr gut. „Ich bin entspannt und habe die Arbeit für einen Augenblick vergessen“, sagt Andreas Hinz.

Wo werden viele krank?

6,3 Prozent und damit am höchsten war 2014 laut des AOK-Gesundheitsberichts der Krankenstand im Gesundheits- und Sozialwesen, gefolgt von der Öffentlichen Verwaltung mit 6,2 Prozent und dem Energie- und Entsorgungssektor mit 6,1 Prozent.
3,6 Prozent wurden dagegen nur in dem Bereich Land- und Forstwirtschaft krank. Auch bei den Banken und Versicherungen sind mit 4 Prozent die Krankenstände niedrig.

Alessandra Röder

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