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Mit Patenten hinkt der Norden hinterher

Kiel Mit Patenten hinkt der Norden hinterher

Die Zeiten des Erfinderlands Schleswig-Holstein gehören offenbar der Vergangenheit an.

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Ideengeber: Wissenschaftler Norbert Buchholz entwickelte ein neues Verfahren zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken.

Quelle: dpa

Kiel. Das Fax wurde in Schleswig-Holstein erfunden, der Kreiselkompass und die Kontaktlinse auch. Das ist lange her. Heute kann das Land der großen Erfindungen nicht mehr so recht mithalten, zumindest, wenn es um die Zahl der Patentanmeldungen geht. Nur jede hunderste der gut 47 000 Anmeldungen beim Deutschen Patentamt kam 2015 aus dem Norden (463). Das war eine mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich bedeutete dies 16 Anmeldungen je 100 000 Einwohner — nur Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern rangierten in der Tabelle noch darunter.

Tendenziell ist die Zahl der Patente aus Schleswig-Holstein seit langem gesunken. Im Jahr 2000 waren es noch fast 700 Anmeldungen. Das Ganze hat natürlich seine Gründe. Ein Großteil der Patente kommt aus großen Unternehmen und deshalb hat Schleswig-Holstein ein strukturelles Problem, weil hier die kleinen und mittleren Betriebe dominieren.

„Studien belegen, dass bei denen auch in anderen Bundesländern die Zahl der Patentanmeldungen zurückgeht, während die Großanmelder zulegen“, sagt die Leiterin des Patent- und Markenzentrums bei der Wurtschaftsförderungs- und Technologietransfergesellschaft (WTSH), Steffi Jann. Der Schutz von geistigem Eigentum sei komplex und erfordere ausreichend kompetentes Personal. Das wiederum haben kleinere Betriebe oft nicht.

Dennoch gibt es durchaus auch im Norden Firmen, die mit Patenten erfolgreich sind. Dräger (Medizin- und Sicherheitstechnik/Lübeck), Aerodyn (Windanlagen/Rendsburg, Büdelsdorf), ACO Severin Ahlmann (Entwässerungssysteme/Büdelsdorf), Danfoss Silicon Power (Leistungselektronik/Flensburg), G. Pohl-Boskamp (Medikamente/Hohenlockstedt) oder Hako (Straßenreinigungsmaschinen/Kiel) nennt die WTSH als Beispiele.

Zwar spielen Unternehmen bei der Patententwicklung die Hauptrolle, aber auch in anderen Bereichen machen Erfinder aus dem Norden Furore. So entwickelte der Chemiker Norbert Buchholz vom Landeskriminalamt ein Verfahren, mit dem bis dato nicht verwertbare Fingerabdruckspuren jetzt gerichtsfest analysiert werden können. Zum Inhaber des deutschen Patents auf die Methode wurde das Kieler Innenministerium. Als die Erfindung vor einem Jahr publik gemacht wurde, frohlockten die Kripo-Beamten in ganz Deutschland.

Bei der Entwicklungsarbeit ist schon die Recherche aufwendig, ob den vermeintlichen Durchbruch nicht irgendwo auf der Welt schon ein anderer geschafft hat. „100 Millionen Patentdokumente sind weltweit digital verfügbar“, sagt Jann. Im Norden übernimmt die WTSH eine Recherche zum Stand der Technik für 500 bis 700 Euro. Dann folgt die Patentanmeldung beim Deutschen oder — Tendenz steigend — beim Europäischen Patentamt. Beide Behörden sind in München angesiedelt. Das Prüfverfahren dauert dort dann im Schnitt mehr als drei Jahre.

Dass der Norden dort nicht so stark präsent ist, hat auch damit zu tun, dass manches zwar in Büros im Land zwischen den Meeren ersonnen wird, die Patentanmeldungen dann aber vom jeweiligen Firmenhauptsitz in anderen Bundesländern vorgenommen werden. Spitzenreiter in Deutschland sind Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, Länder mit vielen forschungsstarken Unternehmen.

LN

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