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Mit Treckern gegen Agrarfabriken

Berlin Mit Treckern gegen Agrarfabriken

Zehntausende demonstrieren am Rande der Grünen Woche in Berlin für den Erhalt bäuerlicher Strukturen.

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Biobauer Carsten Schlüter (r.) aus Postfeld (Kreis Plön) bei der Demo gegen Agrarfabriken. Mit dabei: Arthur (12) und Ole Kahrs aus Kiel.

Quelle: Foto: R. Zweigler

Berlin. „Agrarfabriken braucht kein Schwein“, lautet die Losung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) bei der Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Carsten Schlüter, 54-jähriger Biolandwirt aus Postfeld südlich von Kiel, hat an seinem grünen Schlepper ein Plakat mit der Aufschrift „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ angebracht. Die 350 Kilometer lange Tour nach Berlin hat er zusammen mit seinem Nachbarn, dem Platt-Erzähler Matthias Stührwoldt, in zwölf Stunden zurückgelegt. Mehr als 10000 Teilnehmer sowie 130 Trecker bilden den Protestzug von Biolandwirten, Umwelt- und Tierschützern.

Einige Stunden zuvor haben bereits mehrere Hundert, vor allem konventionell wirtschaftende Bauern am Berliner Hauptbahnhof für Fairness und Verständnis demonstriert. „Dialog statt Protest – Wir machen Euch satt!“, lautet das Motto. Der Norddeutsche Andre Gräfke beschwert sich, die Landwirtschaft habe ein schlechtes Image, vor allem in der Öffentlichkeit. „Dabei sorgen wir jeden Tag dafür, dass alle Menschen in Deutschland mit guten Lebensmitteln satt werden können. Leider vergessen das viele“, sagt er.

Biobauer Schlüter hat 50 Kühe im Stall und bewirtschaftet 80 Hektar Land. Für die Demonstration seiner „konventionellen Kollegen“ hat er nur wenig Verständnis. Der Drang nach immer mehr Produktion in dem Glauben, man könne nur so überleben, führe zu einem ruinösen Preiskampf und letztlich zum Sterben der Höfe. Er kritisiert, dass erst Millionen Tonnen Futtermittel, wie Soja aus Südamerika, für deutsche Mästereien importiert und dann Fleisch und andere Produkte aus Deutschland in alle Welt exportiert würden. „Damit machen wir regionale Märkte kaputt. Man müsste sich schämen“, sagt der Bauer aus dem Norden, der auf regionale Vermarktung setzt.

Der Regierung werfen die Demonstranten vor, nichts gegen das Hofsterben und Konzentrationsprozesse in der Agrarwirtschaft zu unternehmen. Kritisiert werden auch Massentierhaltung und schlechte Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, verlangt ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie. „Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften“, sagt er. Biobauer Schlüter plädiert für einen radikalen Umbau der staatlichen Agrarförderung. Für die ersten 30 Hektar sollte es ordentlich Geld geben, wer mehr Land habe, solle weniger bekommen. R. Zweigler

LN

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