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Mittelstand unterschätzt Cyber-Gefahren

Lübeck Mittelstand unterschätzt Cyber-Gefahren

Steigende Schäden durch Hacker — Viele Unternehmen investieren laut Polizei nicht genug in IT-Sicherheit.

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Einer Umfrage zufolge wurden viele Firmen im Land schon mal von Hackern angegriffen.

Quelle: imago

Lübeck. Mittelständler schützen sich nur unzureichend gegen Cyber-Kriminalität — trotz steigender Schäden durch Hackerangriffe und Datenklau. Das ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Jedes zehnte mittelständische Unternehmen wurde demnach im Jahr 2014 mindestens einmal Opfer einer Attacke aus dem Internet. Im Durchschnitt entstand dabei ein wirtschaftlicher Schaden von 80000 Euro, in Einzelfällen lag er sogar bei mehr als 500000 Euro. Ein Jahr zuvor betrug der Schaden meistens weniger als 10 000 Euro.

Es gebe in dem Bereich ein hohes Dunkelfeld, sagt Kriminalhauptkommissar Frank Müller, Cybercrime-Experte beim Landeskriminalamt (LKA) in Kiel. „Wie groß das ist, wissen wir nicht. Viele Firmen scheuen immer noch davor zurück, Anzeige zu erstatten.“ Es sei aber wichtig, Angriffe der Polizei zu melden. „Auch damit wir erfahren, wie die Täter vorgegangen sind“, sagt Müller. „Nur so können andere Unternehmen vor der Methode gewarnt und Schutzmaßnahmen dagegen entwickelt werden.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein hat 2013 zuletzt Firmen im Land zum Thema Cyber-Kriminalität befragt. Jedes dritte Unternehmen gab damals bereits an, schon einmal Schäden durch Hacker-Angriffe erlitten zu haben. „Die Situation hat sich seitdem nicht entspannt“, sagt Martin Kruse, IT-Experte bei der IHK. „Ganz im Gegenteil: Gerade im Mittelstand wird die Gefahr häufig immer noch nicht erkannt. Da muss ein viel größeres Bewusstsein für das Thema entstehen.“ Das Problem sei, dass bei mittelständischen Unternehmen der Chef meist für alles zuständig sei.

„Großunternehmen haben eine IT-Abteilung. Die gehen das Thema professionell an“, sagt Kruse. „Aber Mittelständlern fehlen die Ressourcen, um sich damit auseinanderzusetzen.“ Die meisten Firmen sähen nur die Kosten für IT-Sicherheit und nicht den Nutzen. Das sei ein großer Fehler. Gemeinsam mit dem LKA versucht die IHK deshalb aufzuklären, beispielsweise bei Info-Veranstaltungen.

„Die Firmen müssten noch stärker bereit sein, in den Bereich IT-Sicherheit zu investieren“, sagt Frank Müller vom LKA. „Auch sollten sie mehr Regularien schaffen, zum Beispiel, dass nicht alle Mitarbeiter Zugang zu allen Informationen haben.“ Es gehe den Angreifern nicht immer nur darum, Bankkonten leerzuräumen, sondern oft auch um Konkurrentenspionage, sagt IT-Experte Martin Kruse.

Zusätzlich zu besseren Sicherheitsvorkehrungen sei es sinnvoll, eine Versicherung gegen mögliche Schäden abzuschließen.

„Viele Firmen scheuen immer noch davor zurück, Anzeige zu erstatten.“
Frank Müller, Landeskriminalamt

Janina Dietrich

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