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Wirtschaft im Norden Mobilfunker wollen Kabel
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22:22 24.06.2013

Vodafone will im Duell mit der Deutschen Telekom mächtig aufrüsten. Der britische Mobilfunker greift nach dem größten deutschen Kabelnetzbetreiber und möchte im engen und heiß umkämpften Breitbandmarkt vor allem Platz und Kunden kaufen. Die Attacke wollen sich die Briten einiges kosten lassen — bis zu 10,7 Milliarden Euro ist Vodafone bereit, auf den Tisch zu legen. Die Führung von Kabel Deutschland findet die Offerte attraktiv und empfiehlt den Aktionären zuzugreifen. Wie schnell und wie viele dem folgen, gehört zu den Unwägbarkeiten des Riesengeschäfts.

Die Aktien von Kabel Deutschland befinden sich weitgehend im Streubesitz. Um wirklich Erfolg zu haben, muss Vodafone sich 75 Prozent der Anteile sichern. Erst dann können die Briten in München durchregieren. Zuvor muss aber das Bundeskartellamt dem Geschäft zustimmen. Offen ist, ob das ohne Auflagen passieren wird, denn die Wettbewerbshüter haben ein strenges Auge auf den Kabelmarkt. Die Partner feiern das Zusammengehen bereits. „Die Unternehmen ergänzen sich ideal“, sagte gestern Kabel-Deutschland- Chef Adrian von Hammerstein. Vodafone-Lenker Vittorio Colao erwartet für beide nach einer Anlaufzeit jährliche Einsparungen von 300 Millionen Euro.

Die Ironie der Geschichte: Mit dem Kauf von Kabel Deutschland würde sich der Telekom-Rivale ein Netz einverleiben, dass die Bonner selbst aus Wettbewerbsgründen einst abgeben mussten. Seither haben sich die Zeiten und der Markt allerdings radikal verändert. Längst geht es nicht mehr nur um Fernsehen. Kabel Deutschland, aber auch die deutsche Nummer zwei UnityMedia KabelBW, machen der einst staatlichen Mutter heute vor allem bei Telefon- und Internetanschlüssen Konkurrenz. Es sind vor allem die technischen Möglichkeiten und die großen Wachstumschancen des Kabelnetzes, die Vodafone reizen.

Denn das Breitband aus dem herkömmlichen Telefonnetz wird manchem schon zu eng. Etliche Milliarden werden Mobilfunker und Telekomanbieter in Ausbau und Modernisierung ihrer Netze stecken müssen. Die Telekom wollte auch deswegen ihre Kunden stärker zur Kasse bitten. Doch die Pläne zur Drosselung der Internetgeschwindigkeiten für Vielnutzer sorgten für einen empörten Aufschrei — die Telekom-Chefs mussten zurückrudern.

Auf Wachstumskurs
Mit Angeboten aus einer Hand hofft Vodafone, Kunden erheblich fester und länger zu binden. Im Markt mit Paketen aus TV, Telefon und Internet lässt sich viel Wachstum schaffen. Im Mobilfunkmarkt dürfte es den Anbietern wegen der großen Zahl von Handyverträgen schwer fallen, den Kundenstamm noch deutlich zu erweitern.

LN

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