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Nabu sorgt sich um die Wasservögel

Altenkrempe Nabu sorgt sich um die Wasservögel

Die geplante Windstrom-Leitung gefährdet Vogelschutzgebiete, sagt der Nabu. Er will die Pläne ändern.

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Vogelschützer Rainer Kahns (60) vom Nabu Eutin mit dem Fernglas am Neustädter Binnenwasser.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Fotolia

Altenkrempe. Einen kleinen Hochspannungsmast sieht man schon, wenn man von Osten über das Neustädter Binnenwasser guckt. Ansonsten ist es dort sehr idyllisch: überflutete Wiesen, weiße Ponys, viele, teils seltene Wasservögel.

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Die geplante Windstrom-Leitung gefährdet Vogelschutzgebiete, sagt der Nabu. Er will die Pläne ändern.

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„Das Schlimme ist ja“, findet Rainer Kahns vom Naturschutzbund (Nabu) Eutin, „dass die neuen Strommasten dreimal höher sind als die vorhandenen. Um die 60 Meter hoch und sehr ausladend.“ Kahns breitet die Arme aus und beschreibt einen Kreis.

Er steht am schilfbewachsenen Ufer, das Fernglas in der Hand. Er will Vögel beobachten an diesem Morgen, doch die Sorge trübt in letzter Zeit diese Passion des Hobby-Ornithologen. Die neuen Masten, fährt Kahns fort, sollen ein 380-Kilovolt-Höchstspannungs-Kabel tragen. „Dafür wird eine Trasse von 50 Metern Breite benötigt.“ Und das ziemlich dicht am Naturschutzgebiet.

Schuld ist die für 2019 geplante sogenannte Ostküstenleitung, die den im Norden produzierten Windstrom endlich effizient in Richtung Süden transportieren soll. Windstrom sei ja zu begrüßen, davon ist Umweltschützer Kahns überzeugt. Und natürlich werde nun dafür eine Leitung benötigt. „Aber doch nicht so.“

Zwischen Göhl (Ostholstein) und Lübeck berühre der geplante Verlauf der Leitung zahlreiche im Hinblick auf den Vogelschutz sensible Gebiete, sagt der Nabu. Dazu gehören neben dem Neustädter Binnenwasser in Ostholstein auch der Oldenburger Graben und der Barkauer See.

„Sehen Sie“, erläutert Kahns, „die riesigen Masten stellen für Vögel ein großes Risiko dar.“ Besonders bei schlechter Sicht und starkem Wind passiere es immer wieder, dass Vögel gegen die Masten flögen, wobei es übers Jahr zu großen Verlusten komme. „Die Mortalitätsrate ist hoch“, sagt der Vogelschützer. Die Dunkelziffer sei noch höher.

„Beutegreifer, Fuchs und Wildschwein spezialisieren sich darauf, die Leitungen abzulaufen, um nach toten Vögeln zu suchen.“ Gerade große Vögel seien gefährdet, fürchtet Kahns. Und von denen kommen viele an das Neustädter Binnenwasser, das nicht umsonst Naturschutzgebiet ist. Der Seeadler brüte in der Nähe, selbst der Schwarzstorch lasse sich sehen. Rotmilane, aber auch Kraniche, Schwäne und Graureiher würden immer wieder gesichtet. Der See liege an der Vogelzuglinie und sei ein beliebtes Rastgewässer für Vögel aus Skandinavien und Sibirien.

Während Kahns spricht, landet ein Schwarm Gänse auf dem Gewässer. Er hebt das Fernglas. „Weißwangengänse“, stellt er begeistert fest. Ein Stück weiter macht er Gänsesäger aus. „Dahinten rasten Kiebitze.“

Sie alle sind laut Nabu in Gefahr: Der Trassenverlauf sei bereits lange vor Abschluss der vogelkundlichen Untersuchungen festgelegt worden, moniert Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Aus Sicht der Vogelschützer sei es immerhin positiv zu bewerten, dass zumindest das EU-Vogelschutzgebiet Oldenburger Graben nicht mit der gigantischen Freileitung überspannt werden solle. Stattdessen soll ein hauptsächlich im Bohrverfahren verlegtes Erdkabel durch das Gewässer geführt werden. Eine solche Erdverkabelung fordert Ludwichowski auch für das Neustädter Binnenwasser. „Sonst dürften Unfälle mit Großvögeln programmiert sein.“

Kahns, von Beruf Landschaftsarchitekt, ist im übrigen der Ansicht, das Höchstspannungskabel solle am besten unmittelbar neben der für die Bahn geplanten Hinterlandanbindung zum Fehmarnbelttunnel verlaufen. „Da stört es am wenigsten.“ Diese „Seebädervariante“ wurde im Planungsverfahren indes verworfen. Sie führe zu einer „Überbündelung“, so der verantwortliche Netzbetreiber Tennet.

Mit einer unterirdischen Kabelverlegung ist im Fall des Neustädter Binnenwassers laut Tennet ebenfalls nicht zu rechnen: Ein Erdkabel sei nur zu prüfen, wenn eine Freileitung unzulässig wäre, teilt Tennet-Referent John Karl Herrmann mit. „Wir gehen in der aktuellen Planungsphase davon aus, dass eine Freileitung westlich der Autobahn zulässig sein wird.“ Verwendet werde der sogenannte Donaumast, der an die 60 Meter hoch und 30 Meter breit sei, in Vogelzugegebieten aber unter 50 Meter hoch und 40 Meter breit.

Die Seebäder sollen entlastet werden

Die Ostküstenleitung soll ab 2019 abschnittsweise gebaut werden, beginnend beim Abschnitt Raum Segeberg nach Lübeck (Baubeginn 2019), gefolgt von den Abschnitten Raum Lübeck– Göhl (2020) und Raum Lübeck–Siems (Baubeginn 2020). Verantwortlich für Planung und Bau ist der zuständige Höchstspannungsnetzbetreiber Tennet (www.tennet.eu).

Der Korridor für die 380-Kilovolt-Leitung soll von Neustadt i. H. zunächst nach Westen und dann südlich Richtung Lübeck durch das Hinterland führen. Die Seebäder werden entlastet.

Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) erklärte im Juni: „Wir brauchen den Netzausbau.“ Es sei klar, dass er in die Lebensumwelt der Menschen und der Natur eingreife. Im Raum Göhl/Oldenburg könne die Erdkabeltechnik helfen, den Netzausbau verträglicher zu gestalten.

Marcus Stöcklin

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