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Nach EuGH-Urteil: Apotheker fürchten um ihre Existenz

Lübeck Nach EuGH-Urteil: Apotheker fürchten um ihre Existenz

Im Norden sind in den vergangenen Jahren bereits 60 Betriebe verschwunden – die Kammer fordert, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu verbieten.

In der Hirsch-Apotheke in der Lübecker Hüxstraße gibt es bei Carsten Neuhaus Medikamente und Beratung.

Quelle: Felix König

Lübeck/Kiel. Mit dem Arzneimittel-Urteil ist die Stimmung bei den Apothekern im Land auf einen Tiefpunkt gerutscht. „Das ist das Schlimmste, was uns passieren konnte“, sagt Carsten Neuhaus, Inhaber zweier Apotheken in Lübeck. Am Vortag hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt. Die Festlegung einheitlicher Abgabepreise benachteilige Versandapotheken im EU-Ausland und beschränke somit den freien Warenverkehr in der EU, befand das Gericht in Luxemburg. Damit dürfen ausländische Apotheken ihren Kunden Boni gewähren, deutsche Versandapotheken und die Kollegen vor Ort jedoch nicht.

 

LN-Bild

„Die Apotheke vor Ort ist wichtig, um die Nahversorgung zu erhalten – besonders auch im Notfall.“Frank Wientke (51)

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„Zu dem Personal vor Ort kann man eine Beziehung aufbauen. Das geht im Internet nicht.“Jutta Weiß (56)

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„Eine Apotheke erscheint mir kompetenter in der Beratung. Mir ist es wichtig, ein Gegenüber zu haben.“Ronja Weber (25)

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„Zu dem Personal vor Ort kann man eine Beziehung aufbauen. Das geht im Internet nicht.“Jutta Weiß (56)

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„Die Apotheke vor Ort ist wichtig, um die Nahversorgung zu erhalten – besonders auch im Notfall.“Frank Wientke (51)

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„Eine Ungleichbehandlung“, kritisiert Neuhaus. Die Preisbindung müsse für alle bleiben, meint er. Schließlich seien verschreibungspflichtige Medikamente ein besonderes Gut. „Sonst bin ich nur noch Kaufmann, kein Heilberufler mehr.“ Da werde ein mittelständischer Betriebszweig zerstört. „Wenn das so weitergeht, werden jetzt alle Gruppen von chronisch Kranken Verträge mit Versandapotheken aushandeln. Und wir haben das Nachsehen“, fürchtet Neuhaus. Die Zeiten, in denen sich Apotheker eine „goldene Nase“ verdient hätten, seien lange vorbei. Geklagt hatte die niederländische Versandapotheke DocMorris, die mit der Deutschen Parkinson Vereinigung ein Bonussystem vereinbart hatte.

„Diese großen Unternehmen wollen in den Markt eindringen. Wir aber sind Freiberufler“, sagt Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein. Ihn stört am meisten, dass der Angriff über den Preis erfolgt. „Der Preis hat mit dem Arzneimittel wenig zu tun. Es geht doch auch um Erklärung, Versorgung, Rezepturen, Nacht- und Notdienste.“ Das seien Dienstleistungen, die von Natur aus defizitär seien.

Die Apothekerkammer fordert, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu verbieten. „Das ist sinnvoll, wenn man unser System der Arzneimittelversorgung beibehalten will“, begründet Geschäftsführer Frank Jaschkowski. Gemeint sind die Apotheken mit Beratung, mit persönlicher Ansprache, mit Botendiensten – gerade auch im ländlichen Raum.

Schon jetzt ist die Zahl der Apotheken rückläufig. In den vergangenen sechs Jahren sind nach Auskunft der Kammer allein in Schleswig-Holstein 60 Betriebe verschwunden. Derzeit gibt es noch 679. „Das zeigt: Wir sind an unseren wirtschaftlichen Grenzen angelangt“, so Jaschkowski. Überdies könne es nicht sein, dass man aus solidarisch erzielten Kassenbeiträgen einen privaten Vorteil erlange.

Uwe Schersch, Apotheker in Kiel, kritisiert, dass das Urteil allein unter wirtschaftlichen Aspekten getroffen worden sei. „Wie das nationale Gesundheitswesen organisiert ist, wurde dabei ausgeblendet.“ Er befürchtet für die Kunden vor allem Nachteile in Bezug auf die Arzneimitteltherapiesicherheit. „Je mehr Medikamente man einnehmen muss, desto komplexer wird die Sache“, erklärt Schersch. Dabei sei man mit dem Medikationsplan, der Patienten helfen soll, ihre Pillen korrekt einzunehmen, gerade auf dem richtigen Weg, ergänzt Froese. Das aber werde durch das EuGH-Urteil nun wieder aufgehoben.

 Julia Paulat

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