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Nach Trump-Wahl: Firmen im Norden bauen trotzdem auf Freihandel

Lübeck Nach Trump-Wahl: Firmen im Norden bauen trotzdem auf Freihandel

Die Entwicklung genau beobachten, aber zugleich Ruhe und Optimismus bewahren: Darauf setzen Unternehmen und Wirtschaftsverbände im Norden nach den Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Donald Trump in einer Montage vor der neuen Zukunftsfabrik der Lübecker Firma Dräger.

Quelle: imago / Carsten Rehder (dpa) - Montage: Haller

Lübeck. Der hatte erklärt, „America first“ (Amerika zuerst) sei für ihn das wichtigste Ziel in der Wirtschaft und hatte deutschen Unternehmen wie BMW mit hohen Strafzöllen gedroht.

Die Lübecker Drägerwerk AG, seit über 100 Jahren in den USA am Markt, produziert Medizintechnik in zwei Werken in Telford und Andover. „Ein großes Investitionsprogramm und Steuersenkungen würden die Wirtschaft zumindest kurzfristig beleben und auch unsere Geschäftsperspektiven verbessern“, sagt Dräger-Sprecher Peter Müller, „dagegen wären Einschnitte und Unsicherheiten in der Gesundheitspolitik nicht hilfreich, genauso wie die Einführung protektionistischer Maßnahmen, die zu Handelskonflikten führen können“. Noch sei aber unklar, was wie umgesetzt werde. Sollte Trump wieder auf Kohleförderung setzen, könne Dräger mit Gasmesstechnik punkten, hatte Dräger-Vorstand Rainer zuletzt Klug erklärt.

Auch die Firma Brüggen ist im Im- und Export mit den USA verflochten. „Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass im Falle von Importverschärfungen die Ernährungsindustrie im Fokus steht“, sagt Johannes Brüggen. Dennoch schaue man genau hin. Zwei Szenarien könnten sich schädlich auswirken: Zum einen, wenn die USA Strafzölle verhängen und damit eine Kettenreaktion auslösen, die dann auch Brüggen-Produkte betreffe, zum anderen, wenn in den USA ein Klima entstehe, „wo unsere amerikanischen Kunden grundsätzlich zurückhaltender umgehen mit Importen, um nicht in die Kritik zu geraten“ – Stichwort „Buy American“. Noch gebe es keine Anhaltspunkte, „ auszuschließen sind die Szenarien aber in keinem Falle.“

Die Firma SLM Solutions AG, Spezialist für 3-D-Druck, sieht die Lage positiv, sagt Marketingchef Stefan Ritt. „Wir haben ein Büro bei Detroit eröffnet und 30 Jobs geschaffen, außerdem gibt es in den USA großen Bedarf für unsere Technologie.“ Man sei „guten Mutes, dass das weitergeht“, so Ritt. Der Waffenhersteller Sig Sauer freut sich über einen Großauftrag der US-Armee für Pistolen über 580 Millionen Dollar. Das erklärte die Firma gestern in Eckernförde.

„Ich bin sicher, dass der Freihandel nicht zu Grabe getragen wird“, sagt Werner Koopmann, Leiter Internationales der IHK Schleswig-Holstein. Auch Trumps Berater wüssten, wie wichtig Freihandel für die USA sei. Zurzeit befrage die IHK ihre Firmen zum Außenhandel. „Erste Antworten zeigen, dass sie die Lage komplizierter bewerten, ihre Umsatzerwartungen aber stabil und positiv“, so Koopmann.

„Nicht in Panik geraten“, empfiehlt auch Sebastian Schulze vom Unternehmensverband UV Nord. Man müsse die ersten 100 Tage Trumps abwarten und erst danach Zwischenbilanz ziehen.

Von Christian Risch

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