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Nach der Unterschrift: Wie geht es bei Euroimmun weiter?

Lübeck Nach der Unterschrift: Wie geht es bei Euroimmun weiter?

Der überraschende Verkauf des Lübecker Unternehmens für Labordiagnostika war am Montag das große Thema an allen Standorten. Die Lübecker Firma glaubt an neue Impulse – aber Politiker mahnen zum Erhalt der Jobs.

Euroimmun-Gründer Winfried Stöcker.

Quelle: dpa

Lübeck. Die Mitarbeiter von Euroimmun hat Winfried Stöcker in einer persönlichen Mail informiert, auch die Abteilungsleiter standen für Gespräche bereit: Der überraschende Verkauf des Lübecker Unternehmens für Labordiagnostika war am Montag das große Thema an allen Standorten.

Wir machen den Vergleich: Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um interessante Fakten über die beiden Firmen PerkinElmer und Euroimmun zu erfahren.

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Perkin-Elmer, ein großes US-Technologieunternehmen auf dem Gebiet Chemie und Medizintechnik, hat ein Angebot zur Übernahme aller Euroimmun-Aktien vorgelegt, und Stöcker, der Mehrheitsaktionär, Firmengründer und Vorstandsvorsitzende, hat den Vertrag zur Übertragung seiner Anteile bereits unterzeichnet. „Die restlichen Vorstandsmitglieder werden ihre Anteile ebenfalls übertragen. Vorstand und Aufsichtsrat der Euroimmun AG unterstützen das Vorhaben“, ließ Stöcker gestern wissen.

Forschung und Entwicklung sollen weiterhin bei Euroimmun betrieben werden. „Wir erhoffen uns von dem weltweit bestehenden Vertriebssystem von Perkin-Elmer zusätzliche Impulse für unser eigenes Geschäft“, erklärte Stöcker. In Zukunft wollten Perkin-Elmer und Euroimmun in vielen Bereichen zusammenarbeiten, die Geschäftsfelder von Euroimmun sollten aber beibehalten werden. „Es ändern sich lediglich die Eigentumsverhältnisse an den Aktien“, so Stöcker. Zwischen den beiden Unternehmen bestehe keine Konkurrenzsituation, vielmehr ergänzten sich die Geschäftsfelder und ermöglichten „vielversprechende Synergieeffekte“.

Robert Friel, Vorstandschef von Perkin-Elmer, erklärte, er habe in den vergangenen Monaten die Gelegenheit gehabt, Stöcker und sein Führungsteam kennenzulernen. „Das hat meine Überzeugung gefestigt, einen perfekten Begleiter für das gefunden zu haben, was wir in all den Jahren aufgebaut haben, und gemeinsam in die nächste Erfolgsphase eintreten zu können.“

Die Reaktionen aus Wirtschaft und Politik sind gemischt. „Wir hoffen, dass die geplante Kooperation die Chancen des Lübecker Unternehmens in internationalen Märkten weiter stärkt, da sich die Geschäftsfelder der beiden sinnvoll ergänzen“, sagt Can Özren, Sprecher der IHK zu Lübeck.

Die Transaktion zeige, „was für ein international anerkanntes innovatives Unternehmen Euroimmun ist“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte Johannes Callsen. Das sei auch eine Auszeichnung für die Mitarbeiter.

„Es bleibt zu hoffen, dass diese innovative Kompetenz auch zukünftig eng mit Lübeck verbunden ist und die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, so Callsen. Bei der SPD ist man skeptischer. Das neue Management müsse sich seiner Verantwortung gegenüber der Belegschaft bewusst sein „und darf die Übernahme nicht zur Auslagerung oder Reduzierung von Arbeitsplätzen durch Synergieeffekte nutzen“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher Thomas Hölck. In Lübeck leisteten die Mitarbeiter vorbildliche Arbeit und hätten „entscheidend zum Erfolg beigetragen“.

„Wir können den Beschäftigten nur raten, so schnell wie möglich zu Betriebsräten zu kommen“, sagt Daniel Friedrich von der IG Metall Lübeck-Wismar, die bei Euroimmun bisher nicht vertreten ist.

„Die Standorte sollen beibehalten werden“

Wie kam es zu der Übernahme? Hatten Sie diesen Plan schon länger verfolgt?

Der 70. Geburtstag vor meinem geistigen Auge war der Grund.

Was bedeutet die Übernahme für die Euroimmun-Standorte in Lübeck und Dassow? Wird es zu einem Stellenabbau kommen?

Es ist kein Abbau von Stellen geplant – im Gegenteil. Unsere Stellenbörse ist voller denn je. Die Standorte sollen beibehalten werden.

Welche positiven Effekte sehen Sie durch die Übernahme?

Es gibt zwischen Euroimmun und Perkin-Elmer keine Konkurrenzsituation – im Gegenteil, wir hoffen, in vielen Bereichen kooperieren zu können. Wir haben schon einige Bereiche ausfindig gemacht, in denen dies so sein könnte, etwa im Gerätebau.

Wie werden Sie persönlich weitermachen? Ziehen Sie sich etwas zurück?

Ich werde mich weiterhin aktiv in der Firma einbringen, sowohl in meiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender als auch in den Bereichen Forschung und Entwicklung.

Ändert die Übernahme etwas an Ihren Plänen für den Flughafen Lübeck?

Die Pläne den Lübecker Flughafen betreffend werden alle so weitergeführt wie angedacht.

Die Firmen

Die Euroimmun AG wurde im September 1987 von Prof. Winfried Stöcker mit Hauptsitz in Lübeck gegründet. Das Unternehmen mit Zweigstellen unter anderem in Groß Grönau, Dassow und Selmsdorf (Mecklenburg-Vorpommern) sowie 14 Niederlassungen in anderen Ländern produziert Test- und Automatisierungssysteme für die medizinische Labordiagnostik und vertreibt seine Produkte in etwa 130 Ländern in Europa, Amerika, Asien, Australien und Afrika. Im Jahr 2016 beschäftigte Euroimmun in Deutschland 1555, weltweit 2292 Mitarbeiter.

Perkin-Elmer, ein US-Unternehmen mit Hauptsitz in Massachusetts, ist ein Anbieter von Analysegeräten, bildgebenden und diagnostischen Verfahren in den Bereichen Medizin, Umwelt und Lebensmitteltechnik, etwa zur Analyse von Luft-, Wasser-, Boden- und pharmazeutischen Proben. 1944 brachte Perkin-Elmer das erste im freien Handel erhältliche Infrarot- Spektrometer auf den Markt. 1937 durch Richard S. Perkin und Charles W. Elmer gegründet, entwickelte die Firma zunächst optische Komponenten und stieg 1943 in die Entwicklung von Analysegeräten ein. Heute ist das Technologieunternehmen mit 7700 Mitarbeitern in mehr als 150 Ländern, darunter auch in Deutschland, vertreten und hält gut 3300 Patente.

 Christian Risch und Wolfram Hammer

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