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Wirtschaft im Norden Netflix mit guten Zahlen: Aber die Konkurrenz rüstet auf
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Netflix mit guten Zahlen: Aber die Konkurrenz rüstet auf
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21:18 17.10.2017
New York

Das unterstrich Netflix eindrucksvoll mit seinen aktuellen Quartalszahlen. Der Nutzerzustrom fiel mit einem Anstieg um 5,3 Millionen Mitglieder stärker aus als erwartet. Die Erlöse kletterten im Jahresvergleich um gut 30 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro). Zudem kündigte Netflix massive Investitionen an, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Die Netflix-Serie „The Crown“, hier Claire Foy als Königin Elisabeth, wurde mit einem Emmy ausgezeichnet.

Das Geschäft boomt schon länger: Online-Videodienste, die gegen Gebühren Filme und Shows im Netz anbieten, haben das traditionelle Fernsehen zwar längst nicht abgelöst, doch ihre Bedeutung steigt stetig. In den USA kündigen immer mehr Kunden ihren Kabelanschluss und beziehen ihre TV-Unterhaltung über das Internet. Der Trend ist eng verknüpft mit dem Erfolg von Netflix – der Firma, die das Geschäftsmodell geprägt hat.

Deren gute Zahlen rufen Wettbewerber auf den Plan – auch bei der alteingesessenen Unterhaltungsindustrie. Während US-Medienriese Disney erst kürzlich einen Online-Videodienst für 2019 ankündigte, ist der beliebte Bezahlsender HBO von Time Warner in den USA schon seit 2015 mit Blockbuster-Serien wie „Game of Thrones“ als Internet-Abo verfügbar. Auch Hulu, wie Netflix ein Pionier im Markt, hat mit NBC Universal, Fox und Disney mittlerweile finanzstarke Branchengrößen im Rücken.

Der stärkste Streaming-Rivale sitzt bislang jedoch nicht in Hollywood: Internetriese Amazon ist zwar vor allem für seine aggressive Expansion im Online-Handel bekannt, konkurriert mit seinem Service Prime Video aber auch schon lange mit Netflix. Auch das Silicon Valley mischt neuerdings stärker mit: Google rüstet seinen Videodienst Youtube zunehmend mit Abo-Modellen und professionell produzierten Exklusivinhalten hoch. Facebook und Apple planen laut US-Medien Milliarden-Investitionen in exklusive Video-Inhalte.

Beim Kampf um die Streaming-Krone gelten Eigenproduktionen, sogenannte „Originals“, als Schlüssel zum Erfolg. Das können Dokus, Filme oder Talkshows sein, vor allem aber Serien. HBO hat sich hier mit Klassikern wie „The Sopranos“ oder „The Wire“ frühzeitig einen Namen gemacht und gilt bis heute als Qualitätsführer. Amazon fehlt trotz einiger Achtungserfolge noch der ganz große Hit. Netflix glänzt auch mit neueren Serien wie zuletzt „Narcos“ oder „The Crown“, tut sich aber schwer, an „House of Cards“ anzuknüpfen.

Die Jagd nach dem nächsten Streaming-Megahit hat eine regelrechte Ausgaben-Schlacht entfacht. Netflix will in diesem Jahr sechs Milliarden Dollar in exklusive Inhalte stecken. Verfolger Amazon liegt nach Schätzung der Bank JPMorgan mit 4,5 Milliarden Dollar deutlich dahinter. Youtube nennt zwar kein Budget, erhöht aber ebenfalls den Einsatz und kann dabei auf Googles enorme Cash-Reserven bauen.

Disney öffnet indes die Kriegskasse für seinen Sportsender ESPN, der 2018 als Streaming-Service starten soll.

Eigenproduktionen können sich zwar als teure Flops entpuppen, sind aber im Erfolgsfall nicht nur als Kundenmagnet lukrativ. Attraktive zugekaufte Inhalte sind ebenfalls kostspielig, zudem ist die Rechtebeschaffung oftmals aufwendig. Ein weiteres Problem externer Produktionen musste Netflix schmerzlich erfahren, als Disney aufgrund seiner eigenen Streaming-Offensive ankündigte, die Kooperation der beiden Unternehmen zu beenden. Lizenzvereinbarungen sind oft befristet.

Netflix sieht sich gut gerüstet, ist sich der Herausforderung durch die vielen Konkurrenten aber bewusst. „Wir haben einen guten Vorsprung, aber unser Job ist es, Netflix so schnell wie möglich zu verbessern, um uns die Fernsehzeit unserer Zuschauer zu verdienen und in den kommenden Jahrzehnten vor der Konkurrenz zu bleiben“, schrieb Firmenchef Reed Hastings an die Aktionäre.

In 190 Ländern vertreten

1997 im kalifornischen Los Gatos gegründet, agierte das Unternehmen Netflix zunächst als Online-Videothek und verlieh DVDs und Blue-ray-Discs. Es folgte ein steiler Aufstieg: 2003 ging Netflix an die Börse, der Unternehmenswert ist seitdem von 300 Millionen auf über 87 Milliarden Dollar gestiegen. Hinter der Kursexplosion steht der florierende Streaming-Dienst – die Kundenzahl wuchs seit 2011 von rund 23 auf 109 Millionen. Netflix ist heute in über 190 Ländern erhältlich.

Hannes Breustedt

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