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Wirtschaft im Norden Neue Regeln für Piloten
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21:18 14.04.2016
Piloten sollen künftig strenger kontrolliert werden — hier eine Aufnahme aus einem Airbus in Hamburg. Quelle: D. Reinhardt/dpa
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Berlin

Es ist gut ein Jahr her, dass in den französischen Alpen eine Germanwings-Maschine zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord sterben. Zum Absturz gebracht hat das Flugzeug den Ermittlungen zufolge der psychisch kranke Copilot Andreas Lubitz. Mit Drogentests und einer Datenbank, die Ärzte-Hopping unmöglich machen soll, reagiert der Gesetzgeber nun auf die Katastrophe. Nicht nur Linke und Grüne lehnen das Gesetz im Bundestag ab, auch die Piloten sind skeptisch.

Künftig sollen Fluggesellschaften untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von „Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen“ steht, wenn es einen entsprechenden Verdacht gibt. Daneben sind aber auch Zufallskontrollen geplant.

Die Piloten halten davon nichts. „Irgendeiner wird den Kollegen schon mitteilen, dass eine Kontrolle stattfindet“, sagt der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Markus Wahl. Wenn sich aber einmal im Kopf eines Betroffenen festsetze, dass er sich verstecken müsse, dann wende er sich im Zweifel auch nicht an Hilfsprogramme.

Der Gesetzgeber setzt aber nicht nur auf Drogentests, sondern führt auch eine flugmedizinische Datenbank ein. In dieser müssen künftig Einzelbefunde und abgebrochene Behandlungen der Piloten gespeichert werden — und zwar personalisiert. Flugmediziner können sich so in gewissem Umfang über vorherige Untersuchungen informieren. Damit soll verhindert werden, dass Piloten von einem Arzt zum nächsten gehen, bis ihnen einer bescheinigt, dass sie gesund sind und fliegen dürfen. Bei Zweifeln an der Tauglichkeit eines Piloten müssen außerdem die Behörden informiert werden.

Lubitz hatte den Ermittlern zufolge mehrere Ärzte aufgesucht. Kurz vor der Katastrophe wurde ihm eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus empfohlen. Die Behörden wussten davon nichts.

Die Entscheidung, die Daten anders als bisher mit dem Namen des Patienten zu speichern, ist nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein bedeutender Schritt. Die Abwägung zwischen Datenschutz und Sicherheit ist sonst heftig umstritten. Obwohl sie hier zulasten des Datenschutzes der Patienten ausgegangen ist, können in diesem Fall auch die Piloten damit leben. „Wir überschlagen uns nicht vor Freude“, sagt Sprecher Wahl. „Aber das kann man schon so machen.“

LN

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