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Wirtschaft im Norden Neue Technik soll Radfahrer besser vor Lkw-Unfällen schützen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Neue Technik soll Radfahrer besser vor Lkw-Unfällen schützen
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19:41 11.07.2018
Mehrere Firmen gehen bereits freiwillig voran: Zum Abbiegeassistenten in Edeka-Lastwagen gehört eine Kamera im Führerhaus, die den toten Winkel einsieht.
Berlin/Kiel

Es piept und blinkt und ist wieder Mal ein Stück neuer Technik, zumal eine, die nicht so ausgereift ist, wie man sich das wünschen würde. Doch diesmal sind sich alle einig: Abbiegeassistenten gehören möglichst schnell in alle schweren Lkw. Denn sie können Leben retten. Jedes Jahr sterben auf deutschen Straßen 30 Menschen, oft Kinder, weil Brummifahrer sie beim Abbiegen übersehen haben. Der Bund macht jetzt Tempo – und bekommt dafür viel Zustimmung aus Schleswig-Holstein.

Berlin/Kiel. Immer wieder sterben Radfahrer durch abbiegende Lkw. Dabei ist die Technik da, die solche Unfälle verhindern könnte. Bundes verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich dazu in Berlin mit Experten getroffen. Elektronische Abbiegeassistenten für Lkw, noch freiwillig, sollen bald Pflicht werden.

„Alle Maßnahmen, die die Entwicklung und Einführung verpflichtend vorgeschriebener Abbiegesassistenten für Lkw und Busse beschleunigen, sind sinnvoll“, heißt es beim ADAC Schleswig- Holstein. Doch damit nicht genug. Nun gelte es, vorhandene Systeme technisch weiterzuentwickeln. „Über reine Warnsysteme hinaus“, fordert ADAC-Verkehrsvorstand Hans-Jürgen Feldhusen. Nach Auffassung des Verkehrsklubs sollen automatische Systeme für die Totwinkel-Überwachung im Idealfall mit einem Notbremsassistenten gekoppelt werden. Aktuell seien solche Systeme nicht auf dem Markt.

Abbiegeassistenten warnen Lkw-Fahrer über ein Radarsystem akustisch und durch eine Leuchte, wenn sich vor dem Abbiegen ein Verkehrsteilnehmer im toten Winkel neben ihrem Fahrzeug befindet. Die Bundesregierung setze derzeit noch auf ein freiwilliges Engagement der Speditions- und Logistikbranche, teilte Scheuer in Berlin mit. Die EU will eine Pflicht für neue Lkw erst 2022 erlassen.

Alle bisherigen Anstrengungen, den toten Winkel in Nutzfahrzeugen zu verringern, hätten zwar zu Verbesserungen geführt, nicht aber die erhoffte Wirkung gezeigt, konstatiert das Kieler Verkehrsministerium. Es gehe nun darum, auf EU-Ebene eine Nachrüstpflicht für Lkw ab 7,5 Tonnen anzuschieben und eine finanzielle Beteiligung des Bundes einzufordern. „Wir brauchen ein Förderprogramm, denn die Assistenzsysteme sind nicht gerade billig“, sagt Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs. Die Technik kostet zwischen 800 und 1300 Euro. „Und es muss eine europaweite Lösung geben.“ Transitverkehre machen die Hälfte am Brummi-Aufkommen auf deutschen Straßen aus. Die Bundesregierung solle sich bei der Versicherungswirtschaft zudem dafür einsetzen, Rabatte für diejenigen zu gewähren, die ihre Lkw mit Assistenzsystemen ausstatten. Es dürfe nicht erst auf eine gemeinsame europäische Lösung gewartet werden, „wenn Menschenleben gerettet werden können“, sagt Grünen- Fraktionschefin Eka von Kalben.

Bundesverkehrsminister Scheuer erklärte nach einem Treffen mit Vertretern der Autoindustrie, Logistik, Prüforganisationen, Autofahrer- und Radfahrerklubs in Berlin, er werde sich für einen neuen Fördertopf einsetzen – ab 2019. Angaben zum Fördervolumen machte der Minister nicht. Im Zuge der „Aktion Abbiege-Assistent“ des Verkehrsministeriums haben sich bereits mehrere Unternehmen verpflichtet, vor einem verbindlichen Einführungsdatum auf EU-Ebene ihren Fuhrpark auf die neue Technik umzurüsten.

Der Unternehmensverband Logistik (UVL) mit Sitz in Neumünster verlangt angesichts von 800 000 Lkw-Fahrern auf deutschen Straßen eine Förderung durch das Bundesamt für Kraftverkehr, „und zwar voll umfänglich“, sagt Geschäftsführer Thomas Rackow. Das Geld käme damit aus dem Maut-Topf, in den die Branche selber eingezahlt hat. Die Notwendigkeit von Abbiegeassistenten stehe außer Frage. „Sie sollten vom Hersteller serienmäßig eingebaut und vom Fahrer nicht abschaltbar sein.“

Von Curd Tönnemann

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