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Neuer Ärger für Hersteller: Autos schlucken zu viel

Berlin Neuer Ärger für Hersteller: Autos schlucken zu viel

Kraftstoffverbrauch liegt laut einer Studie im Schnitt um 42 Prozent höher als angegeben – Kritik an der Testprozedur.

Berlin. Das International Council on Clean Transportation (ICCT) sorgt in der Automobilindustrie erneut für Aufsehen. Gut ein Jahr nach dem Aufdecken des Volkswagen-Skandals hat das unabhängige Forscherteam um den Berliner ICCT-Geschäftsführer Peter Mock den Kraftstoffverbrauch von Autos genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Der reale Kraftstoffverbrauch neuer Pkw liegt durchschnittlich um 42 Prozent höher als der von den Herstellern angegebene Testverbrauch – ein neuer Höchststand. Die Studie soll heute offiziell vorgestellt werden.

Auf Autofahrer kommen laut ICCT pro Jahr Mehrkosten von im Schnitt rund 450 Euro zu. Nie zuvor habe eine unabhängige Untersuchung eine derart große Diskrepanz zwischen offiziellem und realem Spritverbrauch aufgedeckt. Vor zehn Jahren habe die Abweichung nur bei etwa 15 Prozent gelegen. Auffällig sei, dass es gerade bei neu überarbeiteten Fahrzeugmodellen oftmals zu einem sprunghaften Anstieg der Differenz komme.

„Ungefähr drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch sind darauf zurückzuführen, dass Fahrzeughersteller immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen“, erklärte Mock. Die Tricks der Hersteller seien vielfältig. Reifen würden speziell für den Test präpariert, die Klimaanlage abgeschaltet oder die Batterie des Fahrzeugs vor der Fahrt voll aufgeladen – Maßnahmen, die zwar gesetzlich nicht verboten seien, jedoch nicht das reale Fahrverhalten widerspiegelten. Die bislang vorgeschriebene Testprozedur sei veraltet und stamme noch aus den 1980er Jahren. Sie lasse Tür und Tor offen für Manipulationen. Die EU plant, erst im kommenden Jahr neue Testbedingungen verbindlich zu machen. Mock forderte die EU auf, Straßentests unter realen Fahrbedingungen nicht nur für Schadstoffemissionen, sondern auch für Kohlendioxid und Kraftstoffverbrauch vorzuschreiben. Ähnliche Empfehlungen richtete Anfang der Woche auch eine hochkarätige Gruppe europäischer Wissenschaftler an den EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Canete.

Grundlage für die Studie bilden Daten von etwa einer Million Fahrzeugen aus sieben europäischen Ländern. „Die Quellen bestätigen, dass die Lücke zwischen dem vom Hersteller veröffentlichten und dem tatsächlichen Verbrauch einen neuen Höchststand erreicht hat“, sagte ICCT-Forscher Uwe Tietge.

Ölpreise schwanken

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet nicht damit, dass an den Ölmärkten in den kommenden Jahren Ruhe einkehrt. Die Preise dürften weiter stark ausschlagen. Erneuerbare Energien sehen die Experten zudem auf dem Vormarsch. „Wir stehen am Beginn einer Periode mit einer hohen Volatilität“, sagte IEA-Direktor Fatih Birol. Die Preisschwankungen erklärte die IEA unter anderem damit, dass die Ölpreise künftig wieder stärker auf geopolitische Entwicklungen reagieren könnten. Laut IEA wird die sogenannte Fracking-Technik weiter eine wichtige Rolle für die Ölpreise spielen.

Jörg Köpke

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