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Wirtschaft im Norden Neuer Feiertag: Hannover prescht vor
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Neuer Feiertag: Hannover prescht vor
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22:15 22.09.2017
Quelle: Fotos: Fotolia, Dpa
Hannover/Kiel

„Ich kann mir gut vorstellen, den Reformationstag auch in Niedersachsen dauerhaft zum Feiertag zu machen“, sagte Weil gestern dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Er sollte als Tag des Brückenschlags zwischen den Religionen und als Tag der interreligiösen Zusammenarbeit gefeiert werden.“ Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Weil bei der vorgezogenen Landtagswahl am 15. Oktober als Ministerpräsident wiedergewählt wird.

Die Debatte um einen weiteren Feiertag im Norden nimmt Fahrt auf. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) will den 31. Oktober als gesetzlichen Feiertag in seinem Bundesland einrichten – so wie in Mecklenburg-Vorpommern. In Schleswig-Holstein streitet man weiter.

Niedersachsen gehört wie Schleswig-Holstein zu den vier Bundesländern, die nur neun Feiertage haben, im katholisch geprägten Bayern sind es 13. Der Unterschied in der Anzahl der Feiertage zu den süddeutschen Bundesländern sei sehr deutlich, so Weil. Einen zusätzlichen Feiertag für Niedersachsen hält er für gut vertretbar – auch gegenüber der Wirtschaft. Der Regierungschef lobte das Engagement der evangelische Kirche im Reformationsjahr. Diese habe die Aussöhnung zwischen den Religionen eindrucksvoll gelebt. „Jeder weltliche Feiertag hätte etwas Zufälliges“, meinte Weil.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigt sich „skeptisch, ob wir in Schleswig-Holstein wirklich einen neuen Feiertag brauchen“. Diskutiert wird schon lange, das Thema wird derzeit im Innen- und Rechtsausschuss behandelt, eine Anhörung läuft. Einigkeit ist jedoch nicht in Sicht. Die FDP, die gemeinsam mit CDU und Grünen regiert, lehnt einen weiteren Feiertag ab. „Wir wollen Bayern und Baden-Württemberg bei der Wirtschaftskraft und der Bildungsqualität einholen, die Sozis nur bei den Feiertagen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Christopher Vogt. Er bezeichnet es als „plump, dass Herr Weil nun versucht, mit solchen Manövern sein Amt zu retten“.

Die Nord-SPD indes will das Süd-Nord-Gefälle bei der Zahl der Feiertage abbauen und hat dazu drei Vorschläge gemacht: den 13. Juni als Tag der Landesverfassung, den Reformationstag am 31.

Oktober oder aber den 2. November als Gedenken an den Ausbruch der Revolution von 1918, die in Kiel ihren Anfang nahm. „Eine Lösung für ganz Norddeutschland kann ein Aspekt bei den laufenden Beratungen sein“, meint Vizefraktionschef Martin Habersaat.

Auch Grünen-Landtagschefin Eka von Kalben plädiert für eine Bundesland-übergreifende Lösung. „Als jemand, der im Hamburger Rand wohnt, halte ich es für sinnvoll, wenn sich alle norddeutschen Bundesländer auf einen gemeinsamen Feiertag verständigen würden.“ Sie allerdings wünscht sich, dass solch ein Feiertag nicht religiös begründet wird, sondern Bezug auf gemeinsame demokratische Grundwerte nimmt. Welches Datum und welcher Anlass dafür in Frage kommen, müsse gemeinsam mit den Bürgern diskutiert werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund befürwortet schon lange einen zusätzlichen gemeinsamen Feiertag für ganz Norddeutschland. DGB-Chef Uwe Polkaehn fordert, dass die Parteien endlich „zu Potte kommen“ und die Landesregierungen einen gemeinsamen Vorschlag machen. Er selbst plädiert für den Reformationstag, der in diesem Jahr ausnahmsweise bundesweit arbeitsfrei ist – wir feiern den 500. Jahrestag der Reformation. „Der Norden hat Nachholbedarf“, argumentiert Polkaehn. Was gemeinsam erwirtschaftet werde, müsse auch gerecht verteilt sein. „Und Familie und Freizeit kommen in der Arbeitswelt 4.0 oft zu kurz, auch da würde ein weiterer Feiertag helfen.“

Von J. Paulat und J. Sternberg

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