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Nicht profitabel genug: Callcenter in Lübeck wird geschlossen

Lübeck Nicht profitabel genug: Callcenter in Lübeck wird geschlossen

Zum 31. Oktober macht Walter Services seine Filiale an der Lohmühle dicht. 269 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze.

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Quelle: dpa

Lübeck. Bittere Nachricht für 269 Mitarbeiter eines Callcenters an der Lohmühle: Ende Oktober verlieren sie ihre Jobs und müssen sich arbeitslos melden. Grund: Der nach eigenen Angaben zweitgrößte Callcenter-Anbieter in der Republik, die Walter Services aus dem baden-württembergischen Ettlingen, schließt zwei ihrer 20 deutschen Standorte. Betroffen ist neben Lübeck noch eine Filiale im Schwarzwald. „Die Mitarbeiter sind sehr aufgebracht“, berichtet ein Vertreter des Betriebsrats.

Walter Services steckt seit Ende Juli wegen massiver Auftragseinbrüche in Schwierigkeiten. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Karlsruhe einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Dieses Verfahren schützt das Unternehmen vor dem Zugriff von Gläubigern. Bis Ende September muss Walter Services den Amtsrichtern ein Restrukturierungskonzept vorlegen. Am 1. Oktober geht die Firma ins Insolvenzverfahren. Ob und wie viele Standorte außer Lübeck und Schutterwald im Schwarzwald geschlossen werden, sei noch unklar, erklärt Unternehmenssprecher Cord Schellenberg.

Am Donnerstag um 17.30 Uhr wurde die Lübecker Belegschaft von der Entscheidung, den Standort dicht zu machen, in einer Betriebsversammlung informiert. Die Geschäftsführung bezeichnet die Schließung der beiden Filialen als unumgänglich. „Wir prüfen intensiv alle Standorte“, erklärt Joachim Hofsähs, Geschäftsführer der Walter-Services-Gruppe, „die Prüfung hat leider gezeigt, dass Lübeck in allen Planszenarien nicht profitabel fortzuführen ist, so dass die Schließung schon jetzt erforderlich wurde.“ Nach Angaben auf der Betriebsversammlung soll das Auftragsvolumen am Standort Lübeck zu gering sein. Die 269 Mitarbeiter sind im telefonischen Kundenservice für einen Pay-TV-Anbieter, einen Kabelnetzbetreiber und einen Mobilfunkanbieter tätig. Das bisherige Auftragsvolumen soll an andere Standorte der Gruppe verlagert werden, kündigt die Geschäftsführung an.

Am 31. Oktober ist im Callcenter an der Lohmühle Feierabend. „Die Mitarbeiter müssen sich arbeitslos melden“, bestätigt Unternehmenssprecher Schellenberg. Betroffen ist ein junge Belegschaft, das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt nach Betriebsratsangaben bei 30 Jahren, und es sind überwiegend Frauen beschäftigt. Der Stundenlohn liegt laut Betriebsrat bei 7,60 Euro. „Wir arbeiten im Niedriglohnsektor“, sagt ein Arbeitnehmervertreter, „eine Vollzeitkraft bekommt nicht ganz 1000 Euro im Monat ausgezahlt.“ Die Agentur für Arbeit Lübeck bezeichnet die komplette Schließung eines Standortes und die Zahl der betroffenen Mitarbeiter „als eine nicht alltägliche Größenordnung“. Die Behörde geht aber davon aus, dass viele Betroffene schnell wieder in Arbeit vermittelt werden können. „Die Branche sucht Arbeitskräfte“, erklärt Sprecherin Olga Nommensen, „auch in Lübeck und in der Region werden händeringend Leute gesucht.“

Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) spricht von einer „bedauerlichen Nachricht“, ist aber zuversichtlich, „dass die Mitarbeiter in großer Zahl woanders unterkommen“. Der Bedarf an Callcenter-Mitarbeitern sei in Lübeck unbestritten vorhanden. Auch die Wirtschaftsförderung ist optimistisch. Dirk Gerdes, oberster Wirtschaftsförderer der Stadt: „Ich mache mir keine Sorgen, dass die Betroffenen adäquate Jobs in Lübeck finden werden.“

Seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt
6000 Beschäftigte zählt das Unternehmen, das 1956 gegründet wurde und vor 35 Jahren ins Telefonmarketing einstieg. Die Gruppe zählt 20 Gesellschaften und unterhält Standorte in 16 deutschen Städten. 2005 übernahm Walter Services den Standort an der Lohmühle vom Pay-TV-Sender Premiere. Der Sender hatte das Callcenter 1999 eröffnet.

Noch 2012 hieß es, dass Walter Services seinen Standort in der Hansestadt ausbauen wolle. Lübeck hat schon einmal ein Callcenter verloren: 2008 schloss die Telekom ihren Standort. 200 Kräfte verloren ihre Jobs.

Kai Dordowsky

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